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Kritik | Karl Harb, Salzburger Nachrichten, 25.09.2009

Zustandsbilder der Angst

Zum 20. Geburtstag schenkt sich die Tanzkünstlerin und Choreografin Editta Braun ein seltsames, "eigenes" Stück: "Abseits", das Mittwoch in der ARGEkultur Premiere hatte, ist ein Trio mit einer Österreicherin (Anna Maria Müller), einem Slowenen (Tomaz Simatovic) und einem Kolumbianer (Juan Dante Murillo Bobadilla). Sie sprechen, tanzen, performen, was Editta Braun aus drei unabhängigen, aber thematisch charakterisierten Einzelteilen zusammengefügt hat: Choreografien zum Thema "Die Macht der Angst" von Teresa Ranieri (Italien), Shlomo Bitton (Israel) und Arturas Valudskis (dem aus Litauen stammenden Wahlsalzburger).

Es ist erstaunlich, dass man dabei nicht Einzelstücke oder Flickwerk sieht, sondern ein scharf gestelltes Panorama von Macht und Gewalt, Aggression und Ohnmacht, das gerade in der Form des Kammerspiels harte, aber auch spielerische Wirkung entfaltet.

Fetzen von horroreskem Slapstick lockern angriffige Energien auf, Verhörängste treffen auf befohlene Foltermethoden, Wort und Bewegung ergeben ein "musikalisches" Surrogat (das vom Laptop aus mit Klängen von Thierry Zaboitzeff gespeist wird). Und wenn sich die drei Personen ängstlich (in der Gruppe ist man stärker als allein) auf Zeichenblättern über den Boden und auf eine Flagge zu bewegen, dann ist das auf eigenwillige Art zugleich komisch und gefährlich - Bewegung wie auf vermintem Gelände.

Editta Braun, die hier genauso wenig das "Eigene" preisgibt wie die anderen Tanzschöpfer, hat mit "Abseits" einen konzisen und zugleich lockeren, brutalen und zugleich zärtlichen, schonungslosen und zugleich pointiert-witzigen Kommentar zu einem Lebensgefühl abgegeben. Die Dichte und Direktheit, die in den Tänzern schweißtreibend aufgeladene Körperpräsenz erfährt, hat unmittelbare Kraft. "Abseits" ist so gesehen mittendrin - und somit ein sinniges, sinnliches, nach vorn gerichtetes Geburtstagsgeschenk.

© Karl Harb, Salzburger Nachrichten

 
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