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Presse | Berhard Flieher, Salzburger Nachrichten, 17.12.2005

Die produktive Kraft der Störung

Salzburg: Die neuen künstlerischen Leiter der ARGEkultur stellten ihr erstes Jahresprogramm vor.

"Was in der ARGE stattfindet, stört sich gegenseitig", sagt Marcus Hank. Seit September ist er einer der beiden künstlerischen Leiter der neuen ARGEkultur - zuständig für Tanz, Theater, Medienkunst und diskursive Veranstaltungen. Am Freitag präsentierte er mit Markus Grüner (Musik, Kabarett/Kleinkunst, aktive Kulturvermittlung) das Programm für 2006.

Die ersten drei Monate in der im Oktober eröffneten neuen ARGE sahen beide als Übergangszeit. "2006 ist das Jahr, an dem wir uns messen lassen müssen, in dem wir uns positionieren müssen."
Ihre Aufgabengebiete hatten sie schon im Herbst im SN-Gespräch abgesteckt: "Einerseits geht's um Kundenbetreuung, andererseits ist das Ziel, Produkte mit Ecken und Kanten herzustellen, die sonst keiner hat", sagte Hank damals. Aus dieser Aufgabenstellung ergebe sich beim Programmieren die gegenseitige Störung, ein "produktiver Widerspruch", wie das Motto der beiden lautet.

Der Anspruch reicht über die engere Region hinaus. "Überregional bedeutet für mich von München bis Linz", so steckt Hank den Rahmen der Erweiterung des kulturellen Spielraums und Einflussgebietes der ARGE ab. Grüner gab dabei ein "Bekenntnis zu populären Veranstaltungen" ab. In seinem Bereich wird es mit einem Budget von 43.000 Euro rund 70 Eigen- und 30 Gastveranstaltungen geben. Hank wird etwa 80 Veranstaltungen verantworten - darunter 50 Eigen- und 15 Koproduktionen. Er verfügt dafür über 107.000 Euro. Hank wird Schwerpunkte zu Generalthemen wie "Glaubenskriege", "Spanien 1936", "Such(t)verhalten" oder "Erlösung" gestalten.

Die Angst, dass man sich durch die vielfachen Anforderungen eines Mehrspartenhauses zwischen allen Stilen verzetteln könnte, haben beide nicht: "Wir sind gezwungen, die ARGE immer wieder neu zu erfinden. Wir wollen kein Kulturgetto", sagt Grüner. Um das auch finanziell schaffen zu können, soll es in der ARGE mehr denn je Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen geben (unter anderem erstmals mit der Sommerszene und der Schmiede Hallein). Ziel sei es, ein "kontroverser Ort der Kommunikation, Produktion, Veranstaltung und Kulturvermittlung" zu sein.

Gelingen soll eine Erweiterung der Kunst- und Kulturzone über das Gebäude hinaus. Dafür werde das Haus als "Ausgangs- und Stützpunkt" dienen, von dem durch "Aktionen, die "für Irritation sorgen könnten" (Hank) "in die Stadt hineingewirkt" werde. Das bedeutet, dass die Stadt ganz unmittelbar als Bühne verwendet wird.

Um mehr Außenwirkung zu erzielen, "um Spuren zu legen", muss neben inhaltlicher Eigenständigkeit die "Strahlkraft" erweitert werden. Das werde mit Eigenproduktionen erfolgen, aber ebenso mit zugkräftigen Konzert- oder Kabarettveranstaltungen.

© Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten

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