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Presse | Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur, 13.12.2007

Kontrollierte Unordnung

"Guerilla" ist das Jahresthema 2008 der ARGEkultur. Erstmals gibt es damit für Eigenproduktionen und Veranstaltungen eine verbindende "Ganzjahresdramaturgie": Es geht um das "Spiel mit dem Regelverstoß".

"Guerilla funktioniert nur dort, wo es nicht erwünscht ist", sagte Marcus Hank bei der Präsentation des Jahresprogramms 2008.

Ursprünglich sei der Begriff verknüpft gewesen mit bewaffneten Aufständen und Untergrundkämpfen von Widerständlern und Rebellen in Lateinamerika. Heute höre man, so Hank, von Spaßguerilla, Medienguerilla, Guerilla Marketing oder Netzguerilla. Er verstehe unter "Guerilla" eine "Aktionsform aus dem Kleinen heraus", verbunden mit einem "Norm- oder Spiel-Regel-Bruch" entstanden aus einer "Notwehrsituation" heraus.

Wie so eine "Guerilla-Aktion" aussehen kann, wurde bereits in einer Art "Vorfeldaktion" am 24. November, am ersten "Einkaufssamstag" vor Weihnachten, im "Europark" gezeigt: An Besucher wurden Funk-Kopfhörer ausgegeben, über die sie auf eine "gelenkte kommentierte Einkaufstour ohne Einkauf" geführt wurden. Konsumkritische Kommentare, Hinweise auf Produkte auf Schwarzen Listen, Kinderarbeit oder Produktionsbedingungen im Lebensmittelbereich, waren zu hören. Das Security-Personal habe von der Aktion alsbald Wind bekommen, nach Verhandlungen mit der Geschäftsführung sei es aber möglich gewesen, das Projekt durchzuführen, erzählte Marcus Hank.

Solche überraschenden Eingriffe "kontrollierter Unordnung" an unerwarteten Plätzen wird es im Laufe des nächsten Jahres also immer wieder geben. "Über das ganze Jahr 2008 wird die ARGEkultur mit Guerilla-Kunst-Projekten, Produktionen und Veranstaltungen in Salzburg die Möglichkeiten und Wirkungsformen von Projekten/Produktionen überprüfen": "Die ARGEkultur nimmt sich die "Freiheit" mit dem Regelverstoß zu spielen", fasst Hank zusammen. Münden soll das Ganze in einem "Guerilla Festival" im November 2008: Alle an den Einzelaktionen Beteiligten, "wie auch der künstlerische Output des gesamten Jahres, laufen hier zusammen".

Ein besonderes Anliegen in der nächsten Spielzeit ist den beiden künstlerischen Leitern Marcus Hank und Markus Grüner, die Entwicklung eines Kommunikations-Netzwerkes zwischen der ARGE, beteiligten Künstlern und Institutionen und dem Publikum. Entstehen soll ein umfassendes Netzwerk: "Wie kann man heute Comunities vernetzen?", ist die zentrale Frage - an deren Beantworung derzeit getüftelt wird. Den "Kunstfehler" wird es jedenfalls nicht mehr geben, allfällige "Sondernummern" ausgenommen.

Es gibt auch Nicht-Guerilla-Programmpunkte im Jahr 2008: "Gladiatorendämmerung" ist der Arbeitstitel eines gemeinsamen Projektes mit dem stART-Festival 2008 und dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik. Geplant ist ein zeitgenössisches Musiktheater über das sportlich-olympische Zusammenwirken von Göttern, Gunst und Gladiatoren. "Ligeia / Hermaphroditos" ist Titel weiterer Koproduktionen im Bereich Neuer Musik mit dem Taschenopernfestival "Intermezzo" und "Klang21".

Kooperationen mit der Sommerszene Salzburg, dem tanz_house festival oder der Schmiede/Hallein, mit der FH MultiMediaArt oder dem Musischen Gymnasium wird es ebenso geben, wie Diskussionsrunden, Film-Lecturs oder den "Rote Salon".

Im Bereich Musik, DJ Culture und Kabarett, der von Markus Grüner verantwortet wird, liegen die Schwerpunkte auf einem internationalen Musikprogramm, auf interkulturellem Dialog, sowie "inhaltlicher und formaler Neuentwicklung zeitgenössischer Jugend- und Popkultur". Von der Fußball EM etwa will man sich mit kritischer Auseinandersetzung bewusst abgrenzen.

Zu Gast auf der Konzertbühne der ARGE sind Martin Lubenov Orchester (Bulgarien/Wien), Ska Nacht mit Figli Di Madre Ignota (Italien/Serbien), Sväng (FIN) ein Mundharmonikaquartett, Dancas Ocultas, Akkordeonquartett aus Portugal, The Horror, The Horror (Schweden), Broadlahn oder Boban I Marko Markovic Orkestar.

Auf dem Kabarett-Programm stehen das 26. MotzArt Festival, sowie elf weitere Kabarett-Programme, darunter "maschek.redet.drüber", I Stangl, Martina Schwarzmann, Stermann & Grissemann oder Thomas Maurer.

© Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur


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