
Glück als Klagelied
Die ARGEkultur bietet Musiktheater: Unter dem Motto "Elegien der Verwandlung" werden zwei kleine Opern aufgeführt.
Wann beginnt Gesang? Wo endet die Sprache? Beendet der Tod die Liebe? Und was passiert, wenn zwei Körper zu einem verschmelzen? Solche Transformationen untersuchen Regisseur Thierry Bruehl und das Musikerkollektiv "Klang 21" in Kooperation mit der ARGEkultur bei den "Elegien der Verwandlung", die heute, Mittwoch, und morgen, Donnerstag, jeweils um 20 Uhr in der ARGEkultur im Nonntal zu sehen sind. Zwei Kurzopern stehen auf dem Programm, beide dirigiert von Juan Garcia Rodriguez.
"Ligeia" von Hüseyin Evirgen wurde beim Taschenopernfestival im Sommer 2007 im Toihaus uraufgeführt und wird nun in neuem Raum (und mit kleinen Veränderungen) wieder aufgenommen. Im Mittelpunkt steht Allen, dessen geliebte Frau Ligeia gestorben ist. Die Erinnerung an sie lässt ihn nicht los.
Thierry Bruehl hat hierfür den auf der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allen Poe basierenden Text zusammengefügt. Dass dieser auf Englisch ist, muss nicht abschrecken. Im Programmheft hilft eine Übersetzung, zumal die drei Sopranistinnen als Ligeias Schatten, die Allan, der verkörpert wird von einem Schauspieler, stets umkreisen, oft nur Laute oder Silben zur beständig treibenden, gleichwohl zarten Musik beisteuern.
Hermes trifft die Göttin der Liebe Fausto Tuscano hat bei seinem zum Libretto von Reinhold Lay für die "Elegien" nach dem griechischen Mythos komponierten "Hermaphroditos" als Gesangselemente ebenfalls meist nur Teile von Worten vertont. Unmerklich überschreiten sie die Grenze von Laut zur Sprache und illustrieren so den Prozess des Werdens, der Veränderung.
Eine Sopranistin und ein Countertenor sowie zwei Schauspieler berichten von der Begegnung Hermes' mit Aphrodite, der Göttin von Liebe, Schönheit und sinnlicher Begierde. Doch ist diese Begegnung keineswegs ein Glück, sie ereignet sich wie die übrigen Metamorphosen des Doppelopernabends ohne Freude. Nur Klagelieder (Elegien) können sie begleiten in Vorausahnung späteren Unglücks, späterer Einsamkeit.
Ebenso wie im Sommer des Vorjahres im Toihaus wolle er sich in der ARGEkultur inszenatorisch zurücknehmen, erläuterte der Berliner Regisseur im SN-Gespräch. Er wolle keine geschlossenen Gedankengebäude errichten, sondern ein Angebot zum Diskurs schaffen und Fragenfelder offen halten. Spannend kann das allemal werden, nicht nur, weil man Schauspieler einmal auf das Zeichen des Dirigenten warten sieht.
© Michael Brommer, Salzburger Nachrichten
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