Salzburg ist nicht arm an Theateraktivitäten. Die Palette ist breit gefächert. In dieser Vielfalt ist die Initiative, die experimentelle Theatergruppen fördert, eine bemerkenswerte Facette: Stadt und Land Salzburg vergeben jährlich gemeinsam einen Produktionsauftrag. Für 2005 waren es gleich zwei, weil sich die Jury nicht einigen konnte - zum Vorteil des Publikums. Denn so kamen am Donnerstag zwei völlig verschiedene, höchst sehenswerte Aufführungen zum Zug.
Die eine stammte von der Gruppe "depart" und setzte ein Projekt um, das von Gregor Ladenhauf und Leonhard Lass entwickelt wurde. Der Zuschauer kann sich nicht bequem zurücklehnen, er wird mit einem Überangebot an Eindrücken bombardiert und muss sehen, wie er damit zurechtkommt. Im Hintergrund läuft ein Video ab, das zunächst ein historisches Interieur zeigt, dessen Bestandteile dann ein exzessives Eigenleben entfalten. Seitlich läuft ein zweites Video, und die Hauptaufmerksamkeit zieht Georg Hobmeier auf sich, der auf der Bühne agiert, als ginge es um sein Leben. Seine Aktionen ergeben gemeinsam mit einem temporeichen Redefluss ein wunderbares, absurdes Ganzes.
Ein Diener reicht dem Akteur fortwährend neue Utensilien, die sich umgehend theaterwirksam verwerten lassen. Folgerichtigkeit, Zweck, psychologische Begründung, all die Bedingungen des herkömmlichen Theaters gelten hier nicht. Und diese Befreiung von jeglichem Sinn wirkt wohltuend. Die Sprache darf tun, was sie will. Sie ergeht sich in Nonsens-Formulierungen und produziert immer wieder Kalauer ("Ich stänkere, daher spinn ich").
Im Kontrast zu dieser turbulenten Darbietung folgte nach der Pause eine Gemeinschaftsproduktion des Théâtre des Rêves Têtus mit Klang 21: "Bessere Tage" von Christophe Pellet. Zwei Schauspielerinnen und ein Schauspieler sprechen abwechselnd monologische Passagen. Die eine beklagt ihre Außenseiterposition, ihre Einsamkeit und Fremdheit in der großen Stadt. Sie glaubt, nicht mehr richtig zu leben, sondern zu existieren wie ein Huhn, das sich noch bewegt, obwohl man ihm den Kopf abgeschlagen hat. Die andere Frau beschwört eine Zeit vor zehn Jahren, als sie eine intensive Beziehung mit einem Mann durchlebte. Aber mehr als Erinnerungen daran sind nicht geblieben. Der Mann schließlich leidet darunter, dass nichts als flüchtige Begegnungen mit Frauen sein Leben bestimmen. Das dominante Element in einem Raum ist für ihn das Bett. Die drei Menschen sind isoliert, sie nehmen sich gegenseitig nicht wahr. Und doch gibt es, von außen betrachtet, Verbindungen zwischen ihren Existenzen.
© wth, Salzburger Nachrichten