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Presse | Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur, 19.1.2007

Da Mensch is a Pfusch

" ... sollst leben!" - Eine Hommage an Fritz Kohles (1954-2006) am Donnerstag (18.1.) in der ARGEkultur. Es spielten Roland Neuwirth & Extremschrammeln. Es lasen Peter Kronreif und Richard Pertlwieser.

"Er hat an Abgang g'macht, er hat die Batschn g'streckt, er hat a Bankl g'rissen, er hat si niedag'legt ..." Er habe den Herrn Kohles nicht gekannt, erzählte Roland Neuwirth. "Aber wie ich gehört habe, dass er sich dieses Lied von uns als Grabgesang gewünscht hat, habe ich mir gedacht: Schau, schau, ein Gesinnungsgenosse."

Ein Jahr nach dem Tod des Wirtes, Postbeamten, Dichters und Schauspielers Fritz Kohles erwiesen Neuwirth und die Extremschrammeln dem Salzburger Orginal posthum die Ehre. " ... sollst leben!" war der Titel des poetisch-musikalischen Abends in der ARGE, der sich um das Leben, das Sterben, um den Wein und um Kellnerinnen drehte.

Peter Kronreif ließ mit seinen Texten und Tagebuchnotizen ein ganz persönliches Erinnerungsbild an Kohles wach werden. Liebenswürdig bizarr war etwa seine Geschichte über den ausgesetzten Tanzbären, der den Stammkunden der Piccolo Bar, zu denen auch Kohles gehörte, einiges Kopfzerbrechen bereitete.

Richard Pertlwieser spielte Sketches von Anton Kuh, die auch Fritz Kohles gerne selber gespielt hat. Und er las den Nachruf von Karl-Markus Gauß auf seinen ehemaligen Mitschüler, mit dem er so manche zweistündige "Schulhaft" abgesessen, so manchen "Tatort" angeschaut und so manche Nacht durchgesoffen habe. Der Fritz hatte, so Gauß "beständig schlechte Laune und war zuverlässig witzig". "Seine Bühne war der Alltag, er hatte uns alle im Repertoire."

Dass der junge Fritz seinerzeit mit der Gründung eines Kommunistischen Jugendclubs Großgmain gedroht habe, wissen vermutlich nur intime Freunde. Auf allfällige politische Umtriebe des Wirts der "Klause" spielt denn auch Pertlwiesers fiktiver Polizeibericht nach längerer Observierung des verdächtigen Objektes an. Immerhin sei dort ein Feuerzeug in Verwendung, das die chinesische Nationalhymne spielt.

Grandios wie immer waren Roland Neuwirth und die Extremschrammeln. Hinreißend, wie sie beim lieben Gott die Hinfälligkeit seiner Geschöpfe reklamieren, deren Leber auch nicht den geringsten Belastungen gewachsen ist. Zum Abheben die Nummer "Labrador ist überall", die vom Phil Glass-Verschnitt, über Wiener Klänge bis zum Sound der Hawai-Gitarre die ganze Bandbreite der Weltmusik umspannt ohne je kitschig zu werden, vielmehr die Flucht des Sängers vor sich selbst farbig ausmalt: "Alle sieben Weltmeer weit bist kumma und immer nur davon bist grennt."

© Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur