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Presse | Robert Innerhofer, Fritz, 20.2.2007

Live: Eagle Seagull

Der Rote Salon in der Arge-Kultur lud mit der US-Band Eagle Seagull und Friska Viljor aus Stockholm zum rockenden Tanzabend. Nur hereinspaziert!

Wenn man an Nebraska denkt, fällt dem Pop-Historiker wohl als erstes das leise, schäbig produzierte und wundervolle Songwriteralbum von Bruce Springsteen aus dem Jahre 1982 ein, welches nach dem amerikanischen Bundesstaat betitelt wurde. Und wenn man weiter so an stereotype Bilder des amerikanischen Heartlands denkt, dann kommt einem Country und alles was dazugehört in den Sinn. Auch Connor Obersts Bright Eyes passen mit ihrem meist gitarrenlastigen Geschichtenerzählen ganz gut in diese Tradition. Nun, auch die Collegeband Eagle Seagull kommt aus Nebraska und falls auch ihre Wurzeln in die Folk- und Countryerde reichen, dann haben sie ganze Arbeit geleistet, um davon kaum noch was übrig zu lassen.

Was die sechs-köpfige Band rund um Mastermind Eli Mardock nämlich im Roten Salon der Arge-Kultur auf die Bühne brachte, ist fiebrig-zappeliger Indie-Elektro-Rock. Zentrales musikalisches Ausdrucksmittel ist dabei Mardocks Piano, auf welches er stehend einhämmert. In manchen Momenten erinnern Eagle Seagull an die Kritiker-Lieblinge aus Kanada: The Arcade Fire. Nicht zuletzt auch durch das wunderbar melodische Violinenspiel von Carrie Butler, die den hymnenhaften Tanzfegern im Roten Salon das Sahnehäubchen aufsetzte. Auch die immense Spielfreude der übrigen Eagle Seagull-Besetzung trug dazu bei, dass kaum ein Taktfuß unbewegt blieb.

Der eigenwilligen Kraft der pathosgeschwängerten Indie-Rock-Songs von Eagle Seagull zum trotz, wurde aber doch auch stellenweise eine etwas zu konstruierte emotionale Musiklandschaft sicht- bzw. hörbar. Zu abgebrüht und unnahbar gestaltete sich vor allem der abgehakte Gesang des Bandleaders. Ein überberstendes emotionales Feuerwerk wie es Bright Eyes oder auch The Arcade Fire zu zünden im Stande sind, wurde bei Eagle Seagull zwar angedeutet, der Kopf, und nur selten das Herz, blieb aber bestimmendes Element - von da aus ging der Sound jedoch direkt in den Unterleib und die Beine über ...

So rockte sich das Sextett durch ihr Debütalbum "Lado" und holte als Höhepunkt die schwedische Vorband Friska Viljor auf die Bühne, um sich von ihnen als Chorus unterstützen zu lassen: "You're the reason why I am afraid to die!" wurde in einer Schleife ständig, auf einem 70er-Jahre-Diskobeat reitend, aus vollen Kehlen wiederholt. Solche Momente bildeten in ihrer Klarheit an jenem Abend bei Eagle Seagull die eindeutige, emotionale Ausnahme.

Jene Portion (Selbst-)Ironie, an deren Stelle bei Eagle Seagull eben eine großartige Spielfreude steht, hatte der schwedische Support Friska Viljor dafür zu Genüge im Gepäck. Allein die Bio auf der Homepage von Friska Viljor strotzt nur so vor Augenzwinkern und Humor. Sänger Joakim Sveningsson sieht mit Hut, Vollbart, Hosenträgern (wohl DER kommende Modetrend) und der Mandoline vor dem Bauch zwar aus wie ein amerikanischer Goldwäscher aus dem 19. Jahrhundert, singt dann aber doch mit leicht schwedischem Akzent und brüchiger Stimme zu Schrummelpunk und britisch beeinflussten Popstampfern. Alkohol dürfte den hünenhaften Schweden ebenfalls als Inspirationsquelle dienen - (das verrät zumindest ihre MySpace-Seite). Das aktuelle Album von Friska Viljor heißt übrigens "Bravo!". Eine Bezeichnung, die der rundum gelungenen Performance in der Arge-Kultur voll und ganz zusteht - (Joakim Sveningsson war übrigens krank und hat trotzdem musiziert, Anm.).

Eagle Seagull und Friska Viljor zeigten wieder mal, wie man auch ganz ohne Bedeutungsschwere feurige Rockmusik schaffen kann. Insgesamt also ein wahrlich tanzbarer und stimmungsvoller Abend im Roten Salon, der zwar erst seit kurzem existiert, aber sich schon jetzt im "jungen" Salzburger Kulturbetrieb ausgezeichnet macht.

© Robert Innerhofer, Fritz