Schnitzel ohne Nudeln und Apfelstrudel in Mengen gab's nach der Präsentation im Foyer. Eine Gulaschkanone feuerte aus allen Rohren. Eine life-cam schnitt mit - und übertrug das Ganze hinauf ins Subnet-Studio im ersten Stock. Niemand blieb diesmal in der ARGE unbeobachtet.
Wer im Gedränge - die Präsentation war ein Publikumserfolg, der sogar das Nachrüsten mit zusätzlichen Sesselreihen erforderlich machte - den wirren Haufen Videoband entdeckt hat, war freilich gewarnt und gewappnet, konnte Big Brother etwa mit dem gezielt gezierten Einsatz von Servietten und Stehtischmanieren eins Auswischen. Die anderen freilich tappten in die Falle. Wie auch alle jene, die etwa am Rudolfskai oder auf dem Bahnhofsvorplatz den Videokameras ins Netz gehen. - Was ja nicht immer schlecht sein muss, obwohl einem angesichts von 8732 Metern Videoband, wie es die Überwachungskameras in nur 48 Stunden verschlingen, durchaus schlecht werden könnte.
Im ersten Stock hat "Subnet" nicht nur seine subversive Überwachungszentrale aufgebaut, sondern auch eine Installation, die Absurdität von Softwarepatenten im Internet anschaulich machte: mit einer web-site, auf der alle Links mit dem Hinweis auf Patente gesperrt waren.
Auf dem Weg hinauf in den ersten Stock passierte man im Stiegenhaus eine Klang-Skulptur von Bernhard Loibner "The Song Remains the Same", was nicht stimmte, denn die Klänge wandelten und veränderten sich den ganzen Abend hindurch, und man konnte den Glückswürmern von "Plankton" im Lichthof beim Sich-Ringeln zusehen.
Launiges und Ironisches in Fülle hat die "Schmiede Hallein" an diesem Abend im "Rahmenprogramm" auf- und über das ganze ARGE-Gebäude verteilt angeboten.
Höhepunkt freilich war der Siegerfilm. Der Salzburger Landespreis für Medienkunst wurde 2006 erstmals von der Kulturabteilung des Landes Salzburg und durch die Schmiede Hallein ausgeschrieben, vergeben und betreut. Der Siegerfilm "Schnitzel and Noodels" von Claudia Rohrmoser und Marcel Schobel besteht aus Schnipseln/"Schnitzeln" aus Spielfilmen von "Geierwally" bis "Sound of Music", ergänzt um Wochenschauberichte, wie etwa über das kinderreiche Großarl oder einen Herrgottschnitzer.
Ganz wie "Sound of Music" begann die von Claudia Rohrmoser und Marcel Schobel und einer Schar Studenten der Fachhochschule life gemixte Performance mit dem Über-Blick aus der Vogelperspektive und einem Gleitflug über Fels, Schnee und Eis - um sich immer mehr den Menschen zu nähern: stählernen Bergsteigern, knorrigen Bauern und natürlich immer wieder Julie Andrews und ihrer singenden Kinderschar. Aufregend, wie sich Film-Szenen und gezeichneter Hintergrund, Schauspieler und Karikaturen in einen immer dramatischeren Reigen verwoben. Grandios, die Verknüpfung mit dem Soundtrack.
Gerade die ironische Distanz der beiden Performer machte diese Auseinandersetzung mit dem "Heimat"-Begriff und "Heimat" als politisch-sozialer Realität so spannend und aktuell.
© Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur