
Der letzte Sonnenaufgang
An zwei Abenden spielte sich Georg Danzer in der ausverkauften ARGEkultur sparsam, aber beeindruckend durch sein großes Werk.
Lass mi amoi no d' Sunn aufgeh segn", könnte einfach nur ein sehr schönes Lied von Georg Danzer sein. Es handelt von der Hoffnung, dass jeder einen Platz zum Wärmen finden kann. Danzer spielt es als letzten Song vor den Zugaben. Ein romantischer, hoffnungsvoller Schluss. An diesem Abend bekommt der Text aber auch eine tragische Note. Im Juli vergangenen Jahres wurde bei Danzer Lungenkrebs diagnostiziert. Er befindet sich in Dauerbehandlung. Die Problematik dieser Umstände wurde schon an einem überaus heftigen Begrüßungsapplaus erkennbar: Hier wird - ohne es prophezeien zu wollen - womöglich zum letzten Mal in Salzburg ein Mann gefeiert, ohne den dieses Land ärmer wäre. Danzer eröffnet mit dem Titellied seines aktuellen Albums "Träumer". Und Träumen ist ein Grundmotiv Danzer'schen Schaffens. In der ARGEkultur spart er sich deshalb auch jeden politischen Kommentar, der doch nur auf den Albtraum der Realität prallen würde. Heute wird Persönliches verhandelt, das sich in 40 Jahren angesammelt hat. Alte Hadern treffen auf neue Songs. Bei allen körperlichen Schwächen, die auf seine Stimme wirken, wird Zeile für Zeile klar, dass Danzer als einziger aus dem heimatkundlichen Songschreiber-Triumphirat Ambros-Danzer-Fendrich nie peinlich ist. Nie hat er verraten, was ihn groß machte: Geschichten erzählen. Er biederte sich nie einem Trend an. Unterstützt wird er diesmal auf der Bühne von Pianist Dieter Kolberg. Die Sparsamkeit der Besetzung legt frei, was Danzer auszeichnet: Texte von höchster lyrischer Qualität, Geschichten, so gut erfunden, dass sie wahr sein müssen. Am Ende des Abends singt er "Atemzüge" - doppeldeutiger geht es nicht. Und schöner auch nicht, Nach wenigen Takten wacht ein Kind auf, das während des ganzen Konzertes geschlafen hatte. Es raunzt hinein in eine kurze Atempause zwischen zwei Textzeilen. Danzer schaut auf, lächelt und singt die nächste Zeile: "Wo uns're Kinder schlafen/da bin i daham." Selbst wenn jemand bis dahin nur ein Konzert gesehen haben mag, musste er in diesem Moment dank dieses Zufalles erkennen, einem großen Abend beiwohnen zu dürfen.
Nicht Sentimentalität ob der Unausweichlichkeit des Schicksals machte den Abend übermächtig. Es sind die Würde und der Mut, aber auch unbeugsamer Humor, mit denen Danzer uns begegnet. Berührend und auch lustig bis einem die Tränen kommen ist das.
Danke Danzer.
© Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten
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