
Grenzen ziehen
Brecht-Pop und Sprachspiele: Garish zu Gast in der Salzburger ARGEkultur.
Für eine Band wird früher oder später eines immer wichtiger: Die eigene Marke. In einer durch das Internet immer größer werdenden Popwelt ist die Unverwechselbarkeit ein hehres Kapital. Für Garish, das wurde beim Konzert am Donnerstag in der ARGEkultur wieder klar, ist diese Frage vorbei. Längst haben sie sich ihr ganz eigenes Genre zurechtgezimmert.
Das besteht einerseits aus fein arrangiertem, intimem Gitarrenpop, vor allem aber aus der lyrischen Arbeit von Sänger Thomas Jarmer. Er bedient sich einer antiquiert anmutenden Sprache, bricht mit dem üblichen Satzbau und entwirft so eine ganz neue Textform. Werden seine phrasenhaften Verse in Songs eingebettet, entsteht eine Musik, die man mit "Poesie-Pop" nur unzureichend beschreiben kann. Was hier klingt, ist vielmehr der Brückenschlag von den Moritaten eines Bert Brecht und Kurt Weill über das Chanson bis in die Gegenwart, die aus klug arrangiertem Gitarrenpop besteht. So sind Garish auch ein wohltuender Gegenentwurf zum Britpop-Einerlei, das seit geraumer Zeit die alternative Musikszene beherrscht.
Mit "Parade", dem unlängst erschienenen vierten Album, wollen die Burgenländer ein größeres Publikum erreichen, weshalb nun erstmals bei einer großen Plattenfirma (Universal) angeheuert wurde. Damit stehen Garish freilich auch unter Druck, müssen beweisen, dass sie das Geld des Musikkonzerns auch wert sind.
Zu merken war davon in der ARGEkultur aber nichts. Unerhört auf den Punkt gespielt, gab es dort ein Potpourri aus neuen Songs und alten Hits wie etwa "Silber".
Gefehlt hat die Opulenz früherer Tage, Garish haben sich selbst Grenzen gezogen. Und sind jetzt auf dem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens.
© Tobias Pötzelsberger, Salzburger Nachrichten
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