
Das Kreuz mit Salzburg
Ein Schönbild der Stadt ist auf die Wand der Salzburger ARGEkultur projiziert. Es zeigt die strömende Salzach, frühlingsgrüne Ufer, Berge, Himmel. Prächtig, doch sonderbar! Warum ist die Dachlandschaft der Altstadt flach? Ach! Die Kirchtürme fehlen. Überragend sind nur Festung und Rathausturm. Was wäre Salzburg ohne Kirche?
Diese Frage stellt Marcus Hank, Theatermacher der ARGEkultur, an den Beginn seines "Totentanz07", der am Donnerstag Premiere hatte. Darin wird reflektiert und persifliert, was vor einem Jahr in einem der heftigsten Kunstskandale dieser Stadt passiert ist: Eine für Karfreitag 2006 angesagte, mit dem Titel "Er-Lösung?" organisierte "Glaubensprozession" musste nach einer Hetzkampagne abgesagt werden.
Marcus Hank geht mit den an diesem Skandal Beteiligten mutig und hart ins Gericht: mit Vertretern der Kirche, mit dem Chefredakteur, der Krone und Hasenohren auf dem Kopf trägt, auch mit dem "Seriösblattl" SN sowie mit dem Bürgermeister und mit Salzburg insgesamt, "einer Stadt, in der alles gedurft werden darf, so lang es gezahlt wird".
Wie im Vorjahr die Künstler der "Er-Lösung", so sei vor rund fünfzig Jahren Bert Brecht aus Salzburg verjagt worden. Von dieser These aus zieht Marcus Hank die Problemkreise weiter in Kultur, Politik und Gesellschaft.
Klischees der Loden- und Nazistadt Ein wenig erliegt Hank der Versuchung, mit heutigen Scheuklappen auf die Zeit um 1950 zu blicken und anhand der Klischees der Loden- und Nazistadt in Schwarz-Weiß-Malerei zu fallen: hier die gute, freie Kunst, dort Dummheit, Eitelkeit und Erstarrung von Politikern, Kirche und großen Institutionen wie den Salzburger Festspielen. Doch insgesamt beeindruckt an dieser szenischen Umsetzung eines Kunstskandals, wie Marcus Hank, der wache, fragende Münchner, bisher Salzburg wahrgenommen hat. Und er beweist mit den Darstellern - beachtlich ist vor allem Ursula Berlinghof als Schauspielerin - großes Theaterkönnen.
© Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten
Links:> Presse/Reviews
> Salzburger Nachrichten
