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Presse | Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten, 07.05.2007

Ein letztes Licht hinter den Mauern der Liebe

Diskokönig, Rockbub und Popintellektueller: Der Hamburger Rocko Schamoni in der Salzburger ARGEkultur.

Zwischen der Pose des Pops und der Armseligkeit der Landdisko liegen Welten. Außer Rocko Schamoni schaut im Club vorbei. Der 40-Jährige löste am Freitag im Roten Salon in der ARGEkultur den Zwiespalt aus Pose und Politik, Pop und Banalität so locker auf, wie er das seit Jahren tut. Schamoni nimmt man den intelligenten Rocker ebenso ab wie den unschuldigen Landbuben. Er nähert sich dem Schlager auf eine Distanz, innerhalb der andere längst vom Fegefeuer erfasst worden wären. Bei Schamoni aber bleibt ein Restwitz, ein doppelter Boden, der auch die süßlichste Melodie zum gesellschaftspolitischen Ereignis oder zur zwischenmenschlichen Offenbarung macht.

Schamoni agiert - angefeuert von der ersten Minute an - wie ein Bub, der Popstar und Tanzbodenkönig gleichzeitig sein will. Mit verschmitztem Lächeln und einer Stimme, die nicht immer trifft, beherrscht er das Geschehen unscheinbar aber nachhaltig. In diesem Bub, Urgestein der Hamburger Punk- und Intelligenzrockszene, längst auch als Humorist ("Studio Braun") und Buchautor erfolgreich, aber steckt zu viel Hirn, als dass er sich der reinen Pose opfern würde.

Schamonis charmanter Wahnsinn, sein kokettes Spiel mit der Rolle als Antreiber ("Yeah! Ihr seid geil!") funktioniert, weil hier einer um die Beschränktheit des eigenen Könnens ebenso Bescheid weiß, wie um die Aussichtslosigkeit, dass Popmusik außerhalb des Clubs etwas ändern könnte.

Umso heftiger aber muss man sich eben ins Zeug legen. Also singt er von den Mauern, die er errichten möchte. Und es sollen Mauern der Liebe sein. Und weil es so nicht weitergehen könne, "wird dieses Lied jetzt das System stürzen". Nichts aber stürzt, dafür tobt alles. Schuld daran hat auch die Band. Schamoni wird begleitet von der bestens aufgelegten Partie "Litte Machine", die rotzigen Rock ebenso mühelos zum Erfolg führt wie perlenden, seelenvollen Schlagerpop.

Das Vergnügen, zwischen Augenzwinkern und Mauerbau, zwischen der Betrachtung des Mondes und der Abscheu vor jeder Unfreiheit, zwischen Gesellschaftskritik und romantischer Herz-Schmerz-Attitüde unterhalten zu werden, hat dieses Mal zum letzten Mal stattgefunden. Schamoni wird nicht mehr als Musiker unterwegs sein. Und so bekommen vor allem die Songs des aktuellen Albums - etwa "Leben heißt sterben lernen" oder "Jugendliche" - eine besondere Schwere. Das geht dann nicht ganz so leicht rein wie der Soul früherer Zeiten oder auch die selbstironischen Erinnerungen seiner Bücher. Aber es ist eben längst nicht immer alles Spaß.

© Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten

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