
Stube ist überall
Willi Resetarits & Stubnblues gastierten am Donnerstag (10.5.) in der ARGEkultur.
Ganz unbeteiligt an der Geburt des Projekts sei die ARGE ja nicht gewesen, meint Markus Grüner am Donnerstag vor dem Auftritt der Combo um Willi Resetarits. Und so sei man natürlich sehr erfreut, sie wieder zu sehen und das vor restlos vollem Hause. Und der eine oder andere erinnert sich wohl auch noch an die CD Präsentation vor zwei Jahren, noch im alten ARGE Gebäude und daran, wie Beisl-Chef Franz Vierthaler versuchte, dem Stubnblues in seiner Geburtsstunde ein annähernd authentisches Umfeld zu schaffen, sehr gemütlich damals.
So viel Zeit ist seitdem nicht vergangen, doch Resetarits' Auftritte und Projekte erfreuen sich auch in Zeiten des Ostbahn-Ruhestands reger Nachfrage und die Qualität des jüngsten Stubnblues Albums "aus sun und aus regn" - DrehPunktKultur berichtete - schlägt so hohe Wellen, dass das Beisl nicht mehr reicht, um dem alpenländischen Blues zu fröhnen.
So glich der Einzug der Stubnblues Stars - zur Originalbesetzung gesellen sich derzeit Chris Haitzmann (tr) und Herbert Berger (sax, flutes) - auch mehr dem Auftakt zu einer Revue als zu einem Heimatabend. Doch danach wurde es dank der schnippischen Ankündigungen und humorvollen Überleitungen von Resetarits schnell heimelig: mehr Heuriger gar als Stube.
In dieses Flair betten Stubnblues ihre seit dem jüngsten Album vorwiegend dem Wienerlied verpflichteten Eigenkompositionen und Vertonungen, vor allem von Gedichten H. C. Artmanns, als dessen Botschafter und Interpret das österreichische Pop-Urgestein Resetarits momentan wieder unbändigbare Kraft und Stärke zu erlangen scheint.
Überhaupt steht die Freude am miteinander Musizieren im Zentrum des Stubnblues, wodurch Sprache, Herkunft und Entstehungsdatum des Dargebotenen unverkrampft verschmelzen. Beim a-capella intonierten "Oral jesam" bleibt dem Publikum bloßes Staunen.
Im zweiten Teil nimmt die Band etwas mehr Fahrt auf und sorgt mit den Eigenkompositionen "Wiara wü", "Sog'n ma nix" und "Regn" für Euphorie im Saal. Die Stimmung steigert sich mit dem auf dem Album noch etwas deplatziert wirkenden "Pflückt ein Mädel Ribisel", aus der Feder von Karl Farkas, beinahe zum Volksfest.
Man sehnt sich nach den alten Beisltischen - dem Gegenüber zuprosten wär' jetzt richtig. Immerhin bietet das Stubnblues-Merchandiseing sogar einen eigenen Wein an. Die alten Rock-Kracher hat Resetarits hinter sich gelassen und doch zwingt er noch immer jedes Lied, jede (vergessene) Zeile, ja sogar jede Note unter Verrenkungen und mit magisch anmutender Mimik aus seinem Inneren hervor und stellt, indem er Sabina Hank für ein Duett auf die Bühne bittet, einen Brückenschlag zu seinen "Abendliedern" her.
Mag bisweilen auch etwas an musikalischer Schärfe verloren gehen, so versteht Stubnblues mit jedem Stück Charme und Witz zu versprühen. Und Stube ist überall, oder?
© Oliver Baumann, DrehPunktKultur
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