
Theater im Zeitraffer
Kurz und gut: Beim zweiten Kurztheaterfestival "mp30" in der ARGEkultur gab es am Wochenende 14 Theaterminiaturen zu sehen.
Er habe gelogen, sagt der ägyptische Rosenverkäufer. Eigentlich heiße er Saddam. Das sei ja nur ein Vorname. So wie Adolf auch nur ein Vorname sei. Oder vielleicht doch nicht? Sei es vielleicht doch eher so, dass in Österreich jeder schief angeschaut werde, der Saddam oder Saht heiße oder welch ausländisch klingenden Namen er auch immer trage? Vor allem, wenn er ein ägyptischer Rosenverkäufer sei, ein "stinkender Kanak", ein U-Boot, ein Illegaler "in diesem schönen Land"?
Fragen, die sich Jurek Milewski stellt. Mit dem Monolog "Dreck" war der Salzburger Schauspieler als Rosenverkäufer einer der Höhepunkte am zweiten Tag des Kurztheaterfestivals "mp30" in der ARGEkultur. Schon tags zuvor, am Freitag, waren sieben Theatergruppen aus Salzburg, Graz, Wien und München im Einsatz. Beim SN-Besuch am Freitag folgten sieben weitere. Ihnen allen war eine Vorgabe gleich: Spielt, was ihr wollt − aber es darf nicht länger als dreißig Minuten dauern. Das ist nicht immer einfach: "Dreck" etwa dauert üblicherweise weit über eine Stunde. Viel ausdrücken in wenig Zeit: Das Festival war auch ein Spiegelbild unserer hektischen Gesellschaft.
Der Beginn am Samstag war furios: Die Salzburger Improvisationstheatergruppe "Artischocken" entwickelte aus dem Stegreif ein amüsantes Stück über einen fatalen Versicherungsbetrug. Da war die halbe Stunde zu kurz, gern hätte man weitergelacht.
Humorvoll auch das Stück "Nähkästchen" von Regisseur Holger Dreissig aus München. Seine fünf Protagonisten ziehen in einer Mischung aus Choreografie und Theater genüsslich die oft aussagefreie und biedermeierische Kunstszene durch den Kakao. Da wird "Revolution!" geschrien, Fahnen werden geschwenkt und Parolen geplärrt. Ein buntes Stück Poptheater. Schräg ging es weiter: Die Münchener Gruppe "Hitler im Himmelreich" brachte den Diktator auf die Bühne ihres Kasperltheaters. In "Der Führer der Herzen" setzt Hitler seine Herrschaft fort - und bedient sich bei Fußball, Industrie ("HitlAirbus") und Popkultur ("Heilpod" statt iPod). Auch hier gilt wie für die meisten Inszenierungen: Kurz und gut. Von einigen Stücken hätte man gerne mehr gesehen. Das ist wohl etwas vom Besten, das einem Kurztheaterfestival passieren kann.
© Tobias Pötzelsberger, Salzburger Nachrichten
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