
Der Sieg der Unberechenbaren
Von Berlin bis Wien, von Elektro bis Rock: Elf Bands aus Österreich und Deutschland beim "Ländermatch"-Festival in der ARGEkultur.
Der Tod der Popmusik kommt in Gestalt von Swimmingpools, Golfcaddies und dicken Autos. Wenn ein Künstler dies erreicht, wird musikalisch oft auf der Stelle getreten. Luxus lenkt ab - siehe Oasis, siehe Paul McCartney, siehe U2. Da zählen Chartplatzierungen oft mehr als Akkordfolgen. Aus der Lust am Sound wird ein knallhartes Geschäft.
Glücklicherweise gibt es dazu auch bandgewordene Gegenentwürfe. Solche waren Freitag und Samstag in der ARGEkultur zu sehen. Sie hatte elf Bands aus Österreich und Deutschland zu einem "Ländermatch" eingeladen. Den Sieg trugen weder "Ösis" noch "Preußen" davon, sondern jene Bands, die musikalisch zu überraschen wussten und Regeln brachen. Es war der Sieg der Unberechenbaren.
Allen voran stand dabei der schüchterne Innsbrucker Gitarrenvirtuose Florian Kmet. Nur mit seinem Instrument kam er am Samstag auf die Bühne, doch sogleich zauberte er eine gebannte Stimmung in den Saal. Mal war Delta-Blues zu hören, mal russische Polka, mal zarte Balladen, alles gespielt mit einer modernen Prägung: Großartige Momente am laufenden Band. Ähnliches geschah schon am Freitag, als die junge Braunauer Band Rika ihren heftig lauten, ungeheuer verspielten Rock inszenierte und bei ihrem ersten Auftritt in der ARGEkultur bleibenden Eindruck hinterließ.
Oder, wenig später: Bodi Bill aus Berlin. Ihr Konzert klang anfangs nach eher belangloser Elektronik, doch nach und nach brach das Trio mit allen Regeln der Kunst. Da hatten Geigen und Gitarren genauso Platz wie Drum 'n' Bass, da kollidierte die Ballade mit dem Tanzflächenfüller - ein stetig wachsendes Konzert. Zu den Unberechenbaren zählt auch das Wiener Trio Killed by 9 volt batteries. Direkt vor dem Konzert noch offensichtlich müde und lustlos, ließen sie mit den ersten Akkorden eine Dampfwalze aus Noiserock los, die weder Publikum noch Musiker schonte. Ein heftiges und gutes Konzert.
Freilich: Auch der Gitarrenpop von Clickclickdecker aus Hamburg oder der Rock des Wiener Quartetts Jonas Goldbaum waren helle Momente. Doch hier war vieles vorhersehbar. Spiel, Satz und Sieg gehen an die Mutigeren.
© Tobias Pötzelsberger, Salzburger Nachrichten
Links:> Presse/Reviews
> Salzburger Nachrichten
