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Presse | Michael Malkiewicz, DrehPunktKultur, 22.6.2007

"Kein schöner Land" ohne Gusenbauer & Co.

Das Wiener Rabenhoftheater zu Gast im Nonntal: gestern Donnerstag (21.6.) und heute Freitag (22.6.). "Beim Gusenbauer" bietet Einblicke in die tägliche Arbeit unseres sympathischen Kanzlers.

Dr. Alfred Gusenbauer, bereits 90 Tage Bundeskanzler, da muss noch schnell eine Autobiographie geschrieben werden, bevor dieser Traum zu Ende ist, nur kein guter Titel fällt ihm ein: "Von der Sandkiste auf den Rathausplatz (und retour)", doch nicht so gut, meint der Bundeskanzler in Schüssels Gnaden, der noch immer im Hintergrund die eigentlichen Fäden zieht.

Doris Bures hilft aus und besorgt dem standfesten Kanzler schon mal Kaffee mit Zucker oder ohne Zucker, so genau möchte sich der Kanzler da nicht festlegen. Seine Meinung zu ändern erfordert schließlich tägliche Übung. Dennoch, kein Eurofighter, kein Bankenskandal, kein Untersuchungsausschuss. Frei von der täglichen Tagespolitik schwingt sich das Rabenhoftheater von Szene zu Szene.

Im raschen Tempo einer Soapopera, hier ein Dialog, dort eine Pointe, wechseln rote, schwarze und gemischt eingefärbte Szenen. In knappen 100 Minuten wird der tägliche Kampf ums Regieren und Mitregieren in unterhaltsamer Weise einem sich amüsierenden Publikum mit ein paar wenigen Protagonisten vorgeführt:

Dr. Alfred Gusenbauer als Bundeskanzler, auch wenn keiner wirklich daran glaubt. Doris Bures als Gusis Ex-Gspusi, auch wenn sie sich nicht daran erinnern will. Michael Häupl als Wiens süffiger Bürgermeister bis in alle Ewigkeit. Bruno Kreisky, der es im Grab nicht aushält und dem Gusi ein wenig unter die Arme greift.

Mag. Willi Molterer als verkanntes Polit-Genie, das sich stets vergeblich in Szene setzt. "Altbauer" Wolfgang Schüssel, der die Hofübergabe noch nicht verkraftet hat und auch im Hintergrund durch Schweigen noch immer Gusis Willen bricht. Andreas Kohl als Schüssels einziger Vertrauensmann. Und natürlich nicht zu vergessen: Ex-Finanzer KHG, der auf seinem eigenen Schleim ausgerutscht ist und ins Bundeskanzleramt schlittert, falls nicht vielleicht doch noch mal vielleicht, egal wer regiert, ein Posten für ihn frei würde.

Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel als Stimmengeber schlüpfen in die verschiedenen Rollen. Sie stehen am Rand und agieren voll Emotion und Lust am Spiel, verschmelzen mit den agil geführten Puppen so sehr, dass auch Platz für spontane Gags ist. Hintergründigen Tiefgang, Doppelbödigkeit auf höherem Niveau darf man sich allerdings nicht erwarten. Das Puppentheater bietet durchwegs leichte Kost, "an Schmäh", den man beim ersten Mal Hinhören bereits verstanden hat.

Ein wenig steif sind die Politiker aber schon, ihre geschnitzten Puppenminen bleiben unverändert, so auch die Charaktere und die Szenen. Der Schmäh trifft immer dieselben Personen an derselben Stelle. Veränderung ist hier nicht angesagt, also ganz so, wie in der echten Regierung. Wenn das Puppentheater aber die Tagespolitik so realistisch wiedergibt, wozu brauchen wir da noch eine echte Bundesregierung?

© Michael Malkiewicz, DrehPunktKultur

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