
Vollgas, was sonst?
ARGEkultur: Saisonstart mit Attwenger und I-Wolf
"Sachen, die ma ganz anders spü'n, spü ma heit ganz anders", sagt Markus Binder, nachdem die ersten, elektrisch schwer auffrisierten Songs auf den vollen Saal der ARGEkultur losgelassen worden sind. Damit ist eigentlich fast alles erklärt: Für ein paar Auftritte haben sich die Polkapunks Attwenger (Markus Binder, Schlagzeug, Gesang, und H. P. Falkner, Ziehharmonika, Gesang) mit dem Wiener Elektroniker und Sofa Surfer Wolfgang Schlögl (I-Wolf) zusammengetan. Am Donnerstag eröffnete das Trio die Herbstsaison in der Salzburger ARGEkultur.
Interessant klingt die Fusion auch deshalb, weil in dem nur für wenige Konzerte
bestehenden Projekt zwei unterschiedliche Ansätze aktueller Musik aus Österreich
aufeinander prallen: Ziehharmonika und DJ-Plattenteller, Maschinenbeats und
kunstvoll ausgedehntes Jonglieren mit hinterfotzigen Dialektreimen ("Jeda
Mensch zöht/jeda Mensch zöht sei Göd"), Electro-Uniform (Trainingsjacke
über originell bedrucktem T-Shirt) und Unterleiberl. Die Entgrenzung zwischen
Heimatsound und Weltklang, Bodenhaftung und Abheben, die Attwenger in ihren
Songs betreiben, kann so um eine Dimension erweitert werden.
Immer? Nicht immer. "Spü
ma a Poika", sagt Binder, und I-Wolf wechselt zur Bassgitarre. Aus dem
Reimstakkato des Songs "Wüst" löst sich die Zeile "Wüs'd a Cello/kriagst
a Geig'n" heraus - und tatsächlich klingt die Musik plötzlich nicht nach
gewolltem Crossover sondern rumpelt wie beim Zeltfest. Aber es dauert ja nicht
lange, dann nimmt der Sound seine Wendung zum Unwiderstehlichen. Hat I-Wolf
zu Beginn den ohnehin groovegewaltigen Attwenger-Sound elektronisch forciert,
übernimmt er nun das Kommando. Ziehharmonika und Schlagzeug klinken sich ein
in ein immer heftigeres Beat-Gewitter. Immer heftigere Beat-Gewitter "I
wanna dance with somebody", singt Binder in seine Gstanzl-Rap-Kaskaden
hinein, und "Kiss". Die Balance ist perfekt: Hypnotisierende Maultrommel
trifft pumpende Bässe.
Apropos Überraschungen: "Du wast ned wos kummt/oda
wos no kumman kunnt", reimt Binder gegen Schluss.
Nur eines steht außer
Diskussion: Als ein Besucher bei der Zugabe die Aufforderung "Vollgas!" schreit,
lautet die Antwort von der Bühne: "Was denn sunst"?
Das Studentenfestival film:riss zeigt bei einem Warm Up am 24.10. in der ARGEkultur die Doku "Attwenger Adventure".
© Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten
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