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Presse | Gottfried Franz Kasparek, DrehPunktKultur 8.10.2007

Generationskonflikt im Hause Vampyr

Die ARGE feiert ihren "2. Hausgeburtstag" und präsentierte am Freitag (5.10.) "The Stuffed Puppet Theatre" des in Holland lebenden australischen Puppentheatermachers Neville Tranter mit dem Stück "Vampyr". Ein einprägsamer Theaterabend der besonders schrägen Art.

Neville Tranters Puppen sind bildnerische Kunstwerke und fast lebensgroß: Da sind der gar nicht so unsympathische alte Vampyr King Olav und dessen in seiner Entwicklung mangels frischer Jungfrauen stecken gebliebener Sohn Romero (auch Vampyre vermehren sich!). Weiters der hilflose menschliche Vater Torvald mit seiner kranken Tochter Inger, welche vom gierigen Vampyrvater ausgesaugt wird, aber als fröhliches Fabelwesen wieder aufersteht und den auch schon dreihundert Jahre alten Romero beglückt, nachdem King Olav in von satten Tschaikowski-Tönen untermalte ewige Jagdgründe eingegangen ist.

Das ganze horrible und abgründig tragikomische Treiben findet auf einem Campingplatz in einem ziemlich kranken Wald statt, dessen kapitalistischer Chef sich als Sohn zweier bekannter Leute, des als kurioser Untoter auftretenden Sören Kierkegaard und der bloß erwähnten Ibsen-Nora, entpuppt. Dazu kommt noch ein Hund namens Odin, der nach langer Suche am Schluss als wedelnder Schwanz auftaucht.

Ein Märchen? Die Geschichte ist von Hans Christian Andersen inspiriert (Text: Jan Veldman) und voller Symbolik. Der Generationskonflikt im Haus Vampyr, wo der Papa dem Sohn alles wegschnappt und sich über dessen Unreife wundert, ist eigentlich ziemlich realistisch. Aber das sind gute Märchen ja immer. Auf der Bühne sind nicht nur die von ihrem Vater Tranter grandios bewegten Puppen-Kunstwerke, sondern auch der Meister selber als Erzengel Gabriel im Exil, abkommandiert als Schutzengel des altklugen Vampyrbengels. Neville Tranter ist nicht nur ein großer Puppenspieler, sondern auch ein famoser Sprecher, der in schönstem und absolut verständlichem Theater-Englisch allen Figuren eigene sprachliche Aura verleiht, und noch dazu ein höchst origineller Schauspieler mit Persönlichkeit und vis comica, wozu er gar nicht viel zu machen braucht.

Mit wenigen, aber wirksamen Bühnenelementen (der Wald ist quasi von der Army aus Tarnnetzen gebaut), in stimmigem Lichtdesign (Desirée van Gelderen) und in einer vorbildlich geschmackvollen und dezenten, mal poppigen, mal klassischen Klangkulisse läuft eine perfekte Horror-Comedy ab. Das Publikum reagierte begeistert. Schade, dass keine weiteren Aufführungen folgen.

© Gottfried Franz Kasparek, DrehPunktKultur

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