
Geschichten vom Tausendsassa
Das Gute am Banalen, oder: Der Alleskönner David Schalko las am Freitag in der ARGEkultur aus seinem neuen Buch "Wir lassen uns gehen".
David Schalko hat sich gesteigert, und zwar enorm. Die Zahl allein klingt ziemlich gut: Exakt hat sich der Wiener Autor um 2500 Prozent gesteigert. Liebe Marktwirtschaft: Mach das einmal nach.
Und jetzt kommt der weniger tolle Teil der Geschichte: David Schalko hat sich um 2500 Prozent gesteigert, weil bei seiner Lesung am Freitagabend in der ARGEkultur rund 50 Gäste anwesend waren. Bei seinem letzten Salzburgbesuch vor etwa zwei Jahren waren es genau zwei. Die damalige Lesung war äußerst spärlich angekündigt, die Besucherzahl das Resultat. Dabei war der Name Schalko schon damals eine Marke. Kaum ein interessantes ORF-Fernsehprojekt der letzten Jahre, bei dem nicht Schalkos Name im Abspann gestanden wäre. Die Neidgesellschaft hat bei ihm genug zu geifern: "Dorfers Donnerstalk", die "Sendung ohne Namen" oder "Willkommen Österreich" mit Stermann & Grissemann - all das verantwortet Schalko als Regisseur, Autor oder Produzent. Oder alles zusammen.
Und als wäre das nicht genug, schreibt Schalko auch noch Bücher. "Frühstück in Helsinki", 2006 erschienen, war sein Romandebüt. Vor wenigen Wochen ist die Kurzgeschichtensammlung "Wir lassen uns gehen" erschienen. Am Freitag hat Schalko es damit noch einmal in Salzburg versucht. Diesmal mit deutlich mehr Erfolg.
Schalko ist auf der Bühne unprätentiös, liest - begleitet von Zigaretten und Wein - ohne großes Tamtam ein paar seiner Geschichten. Etwa die von dem abgehalfterten Schlagerstar Jeff Kanter, der von einem verrückten Fan in den Keller gesperrt wird. Oder jene von dem Buben, der den Tod seiner Mutter nicht bemerkt. Schalkos Figuren sind immer irgendwie kaputt, der Autor lässt sie nach Belieben ins Verderben kippen und leuchtet in knappen Sätzen ganz nüchtern Abgründe aus. Ein Tod hat hier die gleiche Tonalität wie der Schluck aus einer Flasche Bier.
In die Tiefe geht Schalko dabei nicht. Ihm reicht es, eine oft banale Geschichte mit Tempo und Überraschungen zu haben. Dass es trotzdem nicht langweilig wird, spricht für Schalkos Qualität. Der alte Tausendsassa.
© Tobias Pötzelsberger, Salzburger Nachrichten
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