
Von großen und kleinen Geschäften
Am Donnerstag (31.1.) begann - zum fünften Mal in der ARGEkultur - die 26. MotzArt-Woche. Den Auftakt schlug das Ensemble um Christian Wallner, das sein zwanzigstes Programm mit dem Titel "Quer Geist" präsentierte.
"Erste Antworten auf letzte Fragen in schneidendem Wort und geschliffenem Ton geben Ihrem Leben endgültigen Sinn!" Vom Anspruch her also nicht gerade tiefstapelnd. Gerhard Laber, der stets variantenreiche Schlagzeuger interpretierte in bester alpenländischer Manier mittels Kuhglocken Chaplins "Dr. Schiwago"-Thema. Diese Darbietung wurde von Gerald Fratt an der "Elfenbeinkiste" - sprich: Klavier - mit Schumanns "Träumerei" konterkariert. Fratt hat, den weiteren Verlauf des Abends auch vokal mitgestaltend, wieder einmal weit mehr als hundert Prozent Einsatz gezeit. "Erste Antworten auf letzte Fragen" also. Intellektueller Anspruch wurde angepeilt.
Und mit Humor gepaart lässt sich ja sogar Österreich ertragen: Die Politik jeglicher Couleur blieb logischerweise nicht verschont. Für ein selbst eher links orientiertes Kabarett bietet sich um den Bundeskanzler herum eine erkleckliche Anzahl an Zielscheiben für pointierte Bonmots: Gebärde sich doch die SPÖ wie ein Vogel, dem man die Federn gestutzt habe, um in den Ofen der ÖVP hineingeschoben werden zu können.
Denjenigen, "die erfreulicherweise diesen Abend dem anderen gleichzeitigen Event Opernball vorzogen", war zu jeder Minute absolute Konzentration verordnet. Ging es doch Schlag auf Schlag.
Einmal etwa um die "Prolos" (nicht zu verwechseln mit "Proletariern"!). Was könnte man auch Aussagen wie "Da werden Sie geholfen" oder "Ich habe fertig" noch entgegen stellen? Dabei fährt Wallner, wie er in seiner unnachahmlichen "Suada" eingestand, auch selber nach "Tschaorle". Dort gäbe es mittlerweile nicht nur Wiener Hausmeister (Motto "Ich hab' sieben Freunde: einen Sechserpack und ein Fleischlaberl!") sondern auch solche aus Tschechien und Polen.
Was keine Abqualifizierung darstelle, bedenke man schon den Unterschied zwischen Salzburg und dem benachbarten Kärnten im Süden! Ergo also Husserl ("Wer ist denn das?"), Kant ("Nicht der Erfinder der Wurst!" und Wittgenstein als Verbindung zur Quintessenz "Geist ist geil" nach der Pause.
Nun waren die "Promis" an der Reihe. Ein Kabinettstück sondergleichen ist Wallners pointierter Exkurs in die Finanzwelt: "Lassen Sie doch Ihr Geld für Sie arbeiten, anstatt für Geld zu arbeiten!" Ausgehend von Zinsen über Anlagemöglichkeiten von Liechtenstein bis Singapur leitete Wallner über bis zu Hedgefonds und der erhellenden Erkenntnis: "Globalisierung ist Scheiße!" Ein Ausdruck, der Kindern gegenüber verpönt sei, weswegen man denen ja bereits früh erkläre: Das heißt "das große Geschäft".
Erneut also ein trefflicher Rundumschlag mit voller Publikumsresonanz, der mitunter das Lachen auch im Hals stecken bleiben ließ - und der am 21. wie 23. Februar wiederholt werden wird.
© Horst Reischenböck, DrehPunktKultur
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