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Presse | Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten, 4.2.2007

Treuherzig hinterfotzig

Zwischen Oktoberfest und Wellness-Metzgerei: Martina Schwarzmann begeisterte mit ihrem neuen Programm bei der "MotzArt"-Woche.

Ehrlichkeit ist gut. Vertrauen ist besser. Martina Schwarzmann kann auch glaubwürdig erklären, warum: "Schaun's", sagt sie mit treuherzigem Blick, "a Beziehung, wo ma sich hundertprozentig vertraut, haltet länger ois a Beziehung, wo ma hundertprozentig ehrlich ist."

Weisheiten wie diese hat die 28-jährige bayerische Kabarettistin viele auf Lager. Und: Schwarzmann kann sie auf der Bühne nicht nur pointiert erzählen, wenn sie sich als Unschuld vom Land ausgibt und dann mit feinen Hinterfotzigkeiten überrascht. Es gibt auch kein Thema, das sie nicht zu einem Lied verarbeiten könnte. Am Freitag gastierte Schwarzmann bei der "MotzArt"-Woche. Ihr Programm "So schee kanns Leben sei" spielte sie als Vorpremiere.

Für ihre Lieder und Gedichte hat Schwarzmann ihre eigenen Unterscheidungskriterien festgesetzt. Tierlieder etwa: Die unterscheiden sich danach, ob das Tier am Ende überlebt oder nicht. In anderen gesungenen oder rezitierten Versen geht es um Metzger, die ihren Betrieb in ein Wellness-Resort umwandeln ("nur des Personal is des gleiche blieben"), um den Tod von tyrannischen Recyclinghof-Vorstehern oder um's Oktoberfest. Die Schrägheit lacht dabei aus jeder Zeile. Auch die Wandergitarren-Begleitung kommt nur so simpel daher, damit Schwarzmann die Strophen dann nach Belieben sprengen kann. Was die Kabarettistin erzählt, passt meistens nicht in einen glatten Reim.

Oktoberfest-Anfängern verrät Schwarzmann übrigens, wie der Wiesn-Besuch zum sicheren Erfolg wird. Das Spiel heiße "spontane bayerische Traditionen erfinden" und funktioniere am besten, wenn man mit Touristen am Tisch sitze. Denen könne man etwa erklären, dass "Weißwurschtwasser trinken" zu den urbayerischen Bräuchen gehöre. Schwarzmann, treuherzig: "Des miassts amoi ausprobieren."

Eine andere Schwarzmann-Pointe könnte da tatsächlich aus ihrem Leben gegriffen sein. "Sie san die Künstlerin?", habe ein Veranstalter sie einmal gefragt. "Sie schauen so normal aus." Nach dem Auftritt sei er wiedergekommen: "Na, Sie san ned normal." Schöner kann ein Kompliment kaum ausfallen.

© Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten

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