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Presse | Horst Reischenböck, DrehPunktKultur, 7.2.2007

Chronische Austrophobie

Debüt bei der MotzArtwoche: Alfred Dorfer gastierte am Mittwoch (6.2.) erstmals mit einer Lesung beim Kabarettfestival in der ARGEkultur.

Ja, auch das gibt es: Eine Lesung bei der Motzartwoche! Der Anspruch der Veranstalter an sich selbst ist es, nur Salzburg- oder Österreich-Premieren zu bringen. Und das ging islang mit Alfred Dorfers Tourneeplanung nie konform. Es war also kein "Donnerstalk" - notabene am Aschermittwoch, zur selben Zeit, zu der Heinz Strache auftritt - "Bei dem fällt mir trotz allen Humors nichts mehr ein!" Stattdessen gab's eine Lesung aus seinem ersten Buch mit dem Titel "wörtlich".

Darin findet sich etwa der Text zum Bühnenstück "Indien", aus dem Dorfer zunächst einige Szenen vortrug. Was vorerst intelligente Unterhaltung bedeutet, kippt ob Fellners letalem Ende total um. Ich gestehe freiweg: Als ich die Verfilmung sah, ging ich mit einem Kloß im Hals heraus, hart an der Grenze zum Weinen. Krebs ist nun mal nicht lustig. Was eigentlich auch in der ARGE Applaus danach verbeten hätte. Dorfer zuvor ans Publikum: "Soll ich die auch noch lesen, oder weitergehen?" Um auf die Aufforderung "Weiter!" dennoch sadistisch zu agieren.

Apropos Fellner: Der Herausgeber von "Österreich" ("Eine Zeitung? Nein, ein Bilderbuch mit Rechtschreibfehlern.") heißt auch so und wäre über die Namensgleichheit gar nicht erbaut. Hingegen gibt es hier bei uns die SN ("Salzburgs Prawda"), während die benachbarte Tiroler Landeszeitung immer noch "in Fraktur" erscheint.

Dorfer mit chronischer "Austrophobie": So enthält das Buch auch ältere, noch immer oder schon wieder aktuelle Texte. Etwa einen Text aus 1996 über den Niedergang der Sozialdemokratie mit Blick in ein Wiener Freibad: Von der Familie mit Gurkensalat in Rahm ("Vorstadt-Zatziki") zu Alfred Gusenbauer: Der "wollte Bundeskanzler werden und sonst nichts" - und genau das sei er jetzt. Er müsse sich beim Treffen mit dem Dalai Lama wohlgefühlt haben, "wenn man im eigenen Land nichts zu reden hat ..."

Tagespolitisch wurden Opernball wie Tschad-Einsatz nicht ausgeklammert. Von Darabos gesandt, der "bis zu seinem Amtsantritt als Minister gar nicht wusste, dass es ein Bundesheer gibt. Jetzt sind sechzig Mann Elite dort, die ursprünglich die Grenze zwischen Österreich und Ungarn sicherten - nur die ist zweitausend Kilometer lang. "Das heißt, alle dreihundert Kilometer steht einer und fürchtet sich!"

Dazwischen eingestreute Kolumnen, von Dorfer für die Österreich-Beilage der "Zeit" verfasst, etwa Jubiläen wie Mozart 1991 und 2006 (mit Ausblick auf 2041 und 2056 oder die Wiederkehr von Wolfgangs Hochzeitstag mit Konstanze!) betreffend. In "Alles Gute" dreht es sich um einen Musiklehrer, der eigentlich Rock-Musiker werden wollte und dem zu seinem 30er alle Freunde absagen. Auch wieder eher ein mit amüsanten Seitenhieben gespickter tragischer Monolog, der nicht gegen die Lehrer gerichtet sei, wie Alfred Dorfer betont: "Auf deren Schultern lastet die Schulreform. Was dabei herauskommt, ist dann die Lisi Gehrer!"

Warum sei er hier und nicht in Irland? Dort sind die Mädchen rot und katholisch ("wie Alfred") und nicht einmal die Autos hätten Gummis. Und geschlechterspezifisch: "Wir Männer wissen nichts, aber Alles besser!" - Ein stetig sich steigerndes Pointenfeuerwerk eines nicht auf den Mund Gefallenen.

© Horst Reischenböck, DrehPunktKultur

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