
"Das ist alles so langweilig!"
Michael Altinger war schon zwei Mal bei der MotzArt-Woche, Alexander Liegl ein Mal. Nun traten sie also am Donnerstag (7.2.) in der AGREkultur gemeinsam auf - ein fulminantes Duo.
Für das nun auch in Salzburg bejubelte Programm "Tote zählen keine Schafe" haben die beiden den "Deutschen Kabarettpreis 2007" bekommen. Es ist in gewisser Weise auch einmal "Lesung" aus ihren persönlichen Tagebüchern. "Al" aus der Metropole München berichtet, hochdeutsch vom gleichsam ersten Atemzug an, über seine pubertären Probleme und seinen Werdegang zum Schriftsteller - er, der nach Studienabbruch seinen im Entstehen begriffenen Roman mit Kapitel 11 begonnen und damit auch einen Verleger begeistert hatte. Die Eintragung tags darauf lässt uns freilich von einer Verwechslung wissen. Nicht Verleger, sondern "Zerleger", sprich: Metzger ... Das Werk wurde dann innerhalb kurzer Zeit in der Abgeschiedenheit einer Almhütte fertig geschrieben. Nur, "Al" besaß keinen Stift: "Ich ritzte stattdessen in die Holzwände." Daraufhin hatte er das Problem, "wie bringe ich die Hütte ins Tal?" Inzwischen sei sie abgebrannt ...
Die letzten Eintragungen lauteten übrigens: "6. 2.: Morgen erste Lesung vor Publikum. Das ist ja heute! - 8. 2.: erfolgreich!" Das war's auch, überaus, im partnerschaftlichen Miteinander oder auch im verbalen Schlagabtausch mit "Mike", der im Dialekt das bayrische "Urviech" hervorkehrt. "Mike" aus dem ländlichen Bachmehring hat seine privaten Aufzeichnungen erst wesentlich später angefangen. Was daraus alles an abstrusem Humor entstand, geht auf keine Kuhhaut. Umwerfend komisch, wirkt Liegl, wenn er zweimal mit steinerner Miene als Hirt auftritt und sagt: "Das ist alles so langweilig!"
Der Titel des Abends bezieht sich auf einen auch eher skurrilen Kriminalroman. Die Rahmenhandlung, von Liegl als eher unbeteiligtem Leser vorgetragen, und durch Altinger, der die Rolle des Privatdetektivs spielend, wird bis zum totalen Klamauk à la "Schmiere" hin ausgereizt. Literatur ist für die beiden auch sonst ein Thema. So führte das "Jahr der Mathematik" logisch - oder auch nicht? - über Kant zu Schiller und zu Gedichten. Zum Ausklang die "Ballade vom Rächer", in absolut rhythmischer Diktion, hingegen ohne irgendeinen Endreim. Mit der Pointe, dass dieser nach der Bluttat draufkommt, er habe sich in der Hausnummer geirrt!
Darauf noch die ans Publikum adressierte Feststellung: "Heute ist ein ganz normaler Donnerstag. Eigentlich dazu da, sich aufs Wochenende vorzubereiten. Warum also sind Sie hier?" Einfache Antwort: So herzerfrischend "intellektuell" gelacht wurde hier wohl schon lange nicht mehr.
© Horst Reischenböck, DrehPunktKultur
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