
Lebe wild, lebe gefährlich
Der Exzess und die Raserei als treibendes Motiv: Die Wiener Band "Ja, Panik" gastierte mit zackigem Studentenrock in der ARGEkultur.
Die Mitglieder der Band "Ja, Panik" sehen jung aus, jünger als sie tatsächlich sind. Die fünf Herren Anfang zwanzig tragen enge Pullover und Röhrenhosen, natürlich alles in Schwarz - die Mode der Existenzialisten. Die Haare haben sie sich quer über die Stirn gelegt, gesprochen wird auf der Bühne nicht viel und wenn, dann langsam und etwas patschert. Kurzum: "Ja, Panik" sind der Inbegriff einer Band, die sich irgendwo zwischen den Instituten für Soziologie und Biologie gegründet hat. Das erinnert an die Größen des befindlichkeitsorientierten Studentenrocks wie "Tocotronic", "Die Sterne" oder "Blumfeld". Nimmt man noch "Fehlfarben" und ein wenig "Franz Ferdinand" dazu, weiß man auch schon, wie "Ja, Panik" klingen: Es ist roher, kantiger Gitarrenrock mit etwas Postpunkflair, der sich bereits auf zwei Alben bewährt hat. Dominant sind die Texte Andreas Spechtls, der bevorzugt jene Momente abhandelt, in denen einem das Leben ans Bein pinkelt oder man die Kontrolle verliert. Exzess und Raserei sind Spechtls lyrische Leitmotive. Der Rausch von heute zählt alles, das Kopfweh von morgen nichts.
Was "Ja, Panik" von anderen jungen Gitarrenrockern unterscheidet, ist das bewusste Spiel mit Brüchen. Die Texte reimen sich bisweilen nicht, die Songs pendeln zwischen lieblicher Melodie und lautem Krach. Diese Band fordert, diese Band klingt drängend. Dass beim Konzert in der ARGEkultur nicht alles auf den Punkt gespielt und gesungen ist, schadet dem Ganzen ein wenig. Trotzdem: "Ja, Panik" sind eine heimische Band, die man nicht versäumen sollte.
© Tobias Pötzelsberger, Salzburger Nachrichten
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