null
ARGEkultur Logo
 
Presse | Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten, 11.4.2008

Helligkeit ist nur ein Schein

Die dreckige Rockmusik von The Beasts of Bourbon erweist sich auch nach Jahren als mächtige Demonstration einer zeitlos kraftvollen Scheiß-drauf-Haltung.

Die Ballade erfüllt beim Rockkonzert oft die Funktion der Frischluftzufuhr während schwitzender Ekstase. Nicht so bei der australischen Band The Beasts of Bourbon, die am Mittwoch in der ARGEkultur in Salzburg ihr erstes von drei Österreich-Konzerten spielte. Hier klingt nichts nach Beruhigungspille. Und selbst in den seltenen Momenten, in denen sich die Herren um den charismatischen Frontmann Tex Perkins in der Lautstärke zurücknehmen, täuscht das Wort "Ballade". Diese Biester erheben sich dann zwar hymnisch aus sonst hartem, schmutzigem Rock. Aber nie streben sie nach Entspannung.

Perkins lotet auch in ruhigeren Momenten Abgründe aus. Da zerlegt er den Glauben an das Gute und holt die Geister der Düsternis, der Depression, der inneren Verwüstung hervor. Und es wird dazu von der Band gespielt, als sei der Teufel hinter diesen Burschen her, die längst Männer mittleren Alters sind. Es geht um den Höllen-Highway und seine gefährlich viel Spaß bringenden Begleiterscheinungen. Atemlos demonstriert wird, dass es auf Straßen, die ohne Abzweigungen zur Enthaltsamkeit oder Bescheidenheit auskommen, keine Altersbeschränkung geben muss.

Also kracht und scheppert es, dass einem - auch wegen des brillanten Sounds im Saal - schön Angst und Bang werden kann. Musikalisch handelt es sich bei dem Ereignis um eine Mischung aus hartem Bluesrock, aufreibendem Punk und bierseligem Pub-Rhythmus. AC/DC, Muddy Waters oder The Stooges stehen Pate. The White Stripes oder Immortale Lee County Killers sind in der Gegenwart würdige Erben. Formal und inhaltlich haben sich The Beasts of Bourbon in den vergangenen 25 Jahren nicht verändert. Zusammengekommen waren sie, allesamt Mitglieder diverser Underground-Bands, um 1983. Die Beasts waren eine Nebenbeschäftigung und wurden das einzige Überbleibsel der Szene. 2007 sind sie - nach zehn Jahren Pause - mit dem fabelhaften Album "Little Animals" wieder aufgetaucht.

Geblieben ist bis heute die Kraft, mit der sie immer noch davon überzeugen können, dass ein paar Akkorde, eine unnachgiebige Haltung und ein haltloses Leben ewig funktionieren können. Und es stört in Salzburg auch nicht, dass Gründungsmitglied und Brutalgitarrist Spencer Jones fehlt. Beim Zürich-Konzert am Dienstag verschwand er von der Bühne und tauchte seither nicht mehr auf. Die Straßen sind dunkel, auf denen diese Band marschiert. Früher, jetzt und überhaupt.

Ein Erinnerungskonzert lässt die Grundhaltung der Band erfreulicherweise aber nicht zu. Davor bewahrt uns eine stets glaubwürdig vertretene Scheiß-drauf-Haltung. Immer hören wir unbarmherzig grob geschnitzte Rockmusik, die nur einem Zweck dient: Den Dreck der Welt rausschwitzen und an die schönen Dingen des Lebens (Trinken, Sex, Aufruhr, lange Schlafen, nachts um die Häuser ziehen) denken - wenigstens ein paar Songs lang. Denn schon klar: Wegen der Balladen ist keiner gekommen.

© Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten

Links:
> Presse/Reviews
> Salzburger Nachrichten