
Einfach nur "Weiß"
"Weiß, alles weiß ... sogar die Sonne scheint nur in einem schimmernden Weiß ..." Hans Platzgummer verzauberte am Freitag (25.4.) den roten Salon in der ARGE zu einem arktischen, weißen, Felsblock.
Mit seiner packenden und bildhaften Erzählweise nehmen der Autor und seine Romanfigur Sebastian Fehr den Leser aus der hektischen Stadt mit in die ruhige und fast schon tödliche Einsamkeit der rauen Arktis. Sebastian versucht der energiegeladenen Großstadt zu entfliehen, um in der Einsamkeit zu sich und in sein Inneres zu finden. Diesen Neubeginn hofft er in der Schneewüste, in der unendlichen Stille und klirrenden Kälte der wandernden Arktis zu schaffen.
Dort wo Eisbären Wochen am Futterloch auf ein Fressen warten und der Fuchs noch Stunden später auf die Überreste giert, dort wartet auch Sebastian. Aber selbst dort stößt er auf Nichts: Nichts berührt ihn oder erscheint ihm von Wichtigkeit. Selbst sein Magen hat sich schon daran gewöhnt, fast nichts zu bekommen. Geduld macht Platzgummer zum zentralen Thema: Sie ist nicht nur eine Tugend, sondern ein Phänomen, das sich jeder zu Herzen nehmen sollte.
In seinem beeindruckenden Text schildert Hans Platzgummer grundlegende Emotionen wie Hoffnung, Einsamkeit, Ruhe, Sterblichkeit in einer faszinierenden Bildhaftigkeit - was sich alles in der eigenen Phantasiewelt spiegeln kann. Wer intensiv bildhafte Darstellungsformen und spannende Reisedramen liebt, sollte sich das Buch "Weiß" nicht entgehen lassen.
Untermalt wurde die Geschichte durch dazu passende schwarzweiße Visuals und kurze Musikeinlagen, die den Zuhörern flüchtige aber sinnvolle Ruhepausen gönnten. Das brachte dem Publikum Sebastians fast aussichtslose Welt noch näher. Auch die Band ABBA reiste in die arktische Einsamkeit mit, um in Sebastians letzen Stunden mit ihrem Lied "Gimme, gimme, gimme a man after midnight" auf ihn einzuhämmern - eine Endlosschleife, die sich in die Köpfe der Zuhörer übertrug.
Hans Platzgummer bringt nicht nur seine Liebe zum Schreiben zum Ausdruck bringt, sondern residiert auch musikalisch erfolgreich immer wieder in verschiedenen österreichischen Clubs. Er wäre nicht er selbst, wenn er die Lesung nicht mit einem musikalischen Ohrenschmaus beenden würde. Sein Begleiter war der Chefredakteur der Zeitschrift "skug", DJ Didi Neidhard. Das Publikum konnte sich nach der Reise in die Arktis auf eine musikalische Reise in die Disco-Ära der siebziger und achtziger Jahre begeben und die Hüften schwingen lassen.
Sicherlich ein ungleiches Gegengenre, das aber die Atmosphäre auflockerte und die triste Geschichte in entspannte musikalische Realität aufgehen ließ. Bezaubernd war nicht nur die Romanvorstellung, sondern auch das besondere Flair des Roten Salons.
© Andrea Folie, DrehPunktKultur
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