
Tanz hinter Nebelschwaden
Sommerszene: Neues von Keersmaeker, Altes von Meg Stuart
Einsam durchmisst sie den Raum, mit sorgsamen Schritten bahnt sie sich den Weg durch das Dunkel. Eigenartig, dachte man sich: Da macht Anne Teresa De Keersmaeker nach längerer Zeit wieder einmal Halt bei der Sommerszene im Salzburger Republic, und dann hüllt sie sich, uns und den Saal in dunkelste Nacht.
Doch dieses Hörbild ist Teil ihrer neuesten Performance, "Keeping still". Die belgische Grand Dame des Gegenwartstanzes nimmt dabei die Rolle der Tänzerin ein und fügt sich in die Choreographie ihres Kollegen David Hernandez. Einen ebenbürtigen Platz nahm in dieser Österreichpremiere am Montag die szenische Umsetzung durch Ann Veronica Janssens ein. Die bildende Künstlerin sorgt für eindringliche Momente, etwa wenn nach Minuten ein Scheinwerfer die Finsternis durchbricht wie ein Schrei, fassbar scheint wie eine Wand.
Keersmaeker wiederum tanzt sich um diesen Lichtkegel herum und bewegt sich in diesen hinein, wirft Schattengewächse und Formen. Sehr fokussiert auf Keersmaekers sperrig-sprödes Bewegungsvokabular wirkt das, lässt aber in seiner Abstraktion kaum klare Interpretationen zu. Das wird zunehmend zu einem Problem dieser Arbeit: Zwar wird mit der Kontrastwirkung von dichtem Nebel und Tageslicht Atmosphäre geschaffen, ebenso trifft Mahlers "Lied von der Erde" auf Straßenlärm, doch eine große Klammer an einem Abend der sich durchmischenden Kunstformen gelingt nicht. Staunen und Ratlosigkeit gehen hier einher.
Erhellender war am späten Montagabend eine Werkschau von Meg Stuart und Philipp Gehmacher, die in der ARGE zu Beginn ihrer Sommerszene-Duoarbeit frühe Solos zeigten. So tanzte Meg Stuart Teile ihrer richtungsweisenden Performance "Disfigure Study" von 1991, wo laszive Erotik mit maschineller Bewegung und Deformation kontrastierte. Eine kurze Duo-Studie machte Lust auf die morgen im Republic gezeigte Produktion "Maybe forever": Körper, die gegeneinander prallen, ein Zusammmen scheint nur in der Erschöpfung möglich. Hart, aber gut.
© Florian Oberhummer, SVZ
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