It's only after we've lost everything, that we're free to do anything. (Fight Club)
In den Industrieländern sind nach Angaben der OECD seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 mehr als 13 Mio. Arbeitsplätze vernichtet worden. Besonders hart trifft es junge Leute und Geringqualifizierte. 13 Millionen, die ohne irgendein Zutun ihren Job verlieren oder erst gar keinen finden, schuldlos, aber sicher nicht schuldenfrei. Gehen dann Menschen, die sich um ihre Chancen betrogen sehen, auf die Straßen und gehen dabei Fensterscheiben und Autos zu Bruch, gilt für die jeweiligen Regierungen die Unschuldsvermutung, während in bewährter Form schnell ein Sündenbock-Szenario gezimmert ist, drakonische Strafen und Pauschalverurteilungen inklusive, um für sich selbst auch noch politisches Kleingeld zu sammeln.
Tatsächlich wissen die Industriestaaten weder die massenhafte Ausdehnung der Prekariats-Flatrate zu bändigen noch wollen sie, scheint es, die globale Ausweitung der kapitalistischen Kampfzonen stoppen. Am Elend der Welt soll schließlich verdient werden und anstatt Ursachen zu bekämpfen, werden Symptome kuriert, in dem man versucht, das vorherrschende Finanzsystem zu retten. Fragt sich, wer in diesem Gefüge Krimineller und wer frei von Schuld(en) ist?
Cornelia Anhaus Kuratorin Open Mind Festival
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Selber schuld!
Dringlicher denn je fragt sich die Welt: Wie werden wir unsere Schulden wieder los? Wir können sie nicht einmal mehr weiterverkaufen, eine Schuld ohne Wert. Nicht, dass wir nicht selber daran schuld wären. Jahrzehntelang haben wir uns zurückgelehnt und ein System ermöglicht, dessen Scheitern nun die Zukunft diktiert.
"Schuld" ist ein elementares Prinzip der menschlichen Existenz. Dort, wo aus dem Individuum eine Gesellschaft wird, braucht es Regeln des Zusammenlebens, Recht und Unrecht wären ohne Schuld nicht denkbar. Auch in den Mythen dreht sich vieles um Schuld und Sühne: Prometheus bringt den Menschen das Feuer und muss für die neue Freiheit ebenso büßen wie Adam und Eva, hier mit Leberschaden, dort mit Zwangsverteibung und ewiger Schufterei. Immer dort, wo die Regeln gebrochen werden, lastet die Schuld (am besten auf der ganzen Menschheit). Aber ist nicht Gott Schuld, weil er - unbegründet - den einen Apfelbaum verbietet, oder das Feuer nicht hergeben möchte? Dort, wo das Recht keinen Sinn (mehr) macht, gibt es keine Schuld, sondern es bedarf neuer Regeln. Dort, wo die Wirtschaft nicht den Menschen dient, braucht es keinen zwanghaften Schuldenabbau, sondern ein anderes Wirtschaftssystem.
Markus Grüner-Musil Künstlerischer Leiter ARGEkultur
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