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Presse • 17.05.2018 • Sebastian Linz, ARGEkultur

Editorial der Künstlerischen Leitung

Liebes Publikum,

zunächst darf ich mich Ihnen vorstellen. Mein Name ist Sebastian Linz und ich bin seit dem ersten März neuer künstlerischer Geschäftsführer der ARGEkultur.

Foto (c) Hannah Inreiter

Dass an dieser Stelle also ein Foto mit einem neuen, ungewohnten Gesicht abgedruckt ist, ist kein redaktioneller Fauxpas, sondern das Ergebnis eines langfristig geplanten Übergangsprozesses. Vom Entschluss meines Vorgängers Markus Grüner-Musil, die Leitung der ARGEkultur nach über zwölf Jahren abzugeben, über das Bewerbungs- und Auswahlverfahren bis hin zum heutigen Zeitpunkt ist über ein Jahr vergangen. Mittlerweile bin ich in Salzburg und der ARGEkultur angekommen und hier mit Offenheit und Neugierde empfangen worden. Dafür möchte ich mich schon jetzt bei allen herzlich bedanken.

Ich bin also der Neue – Und ab jetzt wird alles neu in der ARGEkultur?
Nein – Das Programm des laufenden Jahres trägt noch die Handschrift von Markus Grüner-Musil. Und auch 2019, wenn ich das Programm verantworten werde, wird die ARGEkultur mit der bekannten interdisziplinären Mischung aus Tanz, Theater und Performance, Kabarett, Musik, Literatur, Diskurs und Workshops aufwarten. Und so auch die nächsten Monate, bevor es in die Sommerpause geht ...

STAY STRONG, STAY BRAVE, STAY REBEL – Der Titel und das Motto des vorliegenden Programms könnte sich auf Ferdinand Schmalz' Theaterstück DER THERMALE WIDERSTAND beziehen, das wir im Juni zeigen und in dem das Thermalbad einer Kur- und Heilanstalt zum letzten Refugium des Widerstands gegen den globalen Kapitalismus wird. – Das Motto ist allerdings Robert Misiks aktuellem Essay-Band LIEBE IN ZEITEN DES KAPITALISMUS entnommen. Darin entwirft der Journalist und Sachbuchautor ein Panorama der Jetztzeit, indem er 33 Begriffe – von ‚Angst’ und ‚Patriotismus’ über ‚Freiheit’ und ‚Toleranz’ bis hin zu ‚Liebe’ und ‚Glück’ – in kurzen Texten im Heute verankert. Eine Zeitdiagnose, die sich radikal dem Jetzt aussetzt. Denn nur wer mit seiner Zeit einverstanden ist, seine Zeit annimmt, wie sie ist, kann sie verändern. Der rückwärtsgewandten Nostalgie unserer Tage und dem Angriff auf all das, was uns selbstverständlich erschien – „Menschenrechte, pluralistische Demokratie, gesellschaftliche Liberalität, sozialer Fortschritt“ – setzt Misik – mit Susan Sonntag – die „intellektuelle Ekstase“ und „das Abenteuer radikalen Denkens“ entgegen. Statt Verzagtheit, Mut- und Risikolosigkeit: knallharte Opposition und intensiver Widerstand im Denken, in der Sprache und im Handeln.

Robert Misik ist am 19. Juni zu Gast in der ARGEkultur und wird seine Thesen vorstellen. Und auch darüber hinaus möchte ich Sie einladen, – gemeinsam mit uns, jetzt und in den nächsten Jahren – ‚radikal zeitgenössisch’ zu sein: Genau hinzusehen, was in der Welt vor sich geht, klar zu analysieren, klar zu begreifen, zu benennen und auszusprechen, was unsere Zeit ausmacht – und entsprechend zu handeln.

Ich freue mich auf eine gemeinsame Zeit,
Ihr Sebastian Linz

© Sebastian Linz, ARGEkultur