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Kritik • 08.06.2009 • Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten

Anders hören im Haydn-Jahr

stART-Festival in der Arge: Premiere für die Produktion "Artfremd"

Das Publikum sitzt bequem. Manche breiten sich auch liegend auf Matratzen aus. Die Musiker haben es weniger gemütlich: Sie müssen zwischen vier Punkten im Saal nomadisieren. Ihre Noten hängen an Wänden oder an niedrig gespannten Wäscheleinen. Manchmal finden alle zusammen, manchmal wird einer aus der Gemeinschaft geschubst. "Artfremd" hieß die Produktion des stART-Festivals, die am Donnerstag und Freitag in der ARGEkultur zu sehen war. Ausgehend vom Haydn-Jahr und dem "Zigeunertrio" des Jahresregenten wurden Fragen aufgeworfen: nach Ausgrenzung (der Sinti und Roma), Klischees, Romantisierung und Rassismus. Das birgt die Gefahr theoretischer Überladung, wurde von Choreografin Mirjam Klebel aber in eine angenehm unprätentiöse Performance übersetzt. Das Quartett (Bozena Angelova, Geige, Julia Ammerer, Cello, Karin Küstner, Akkordeon, Josef Steinböck, Tuba) fand sich im ersten Stück erst allmählich in das Kammer-Techno-Konzept von Komponist Hüseyin Evirgen ein und überzeugte dafür in Hossam Mahmouds finsteren "Missverständnissen".