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Kritik • 05.02.2006 • Reinhard Kriechbaum, DrehPunktKultur

Herr Giovanni und die geilen Bräute

Zum Auftakt des Kabarett-Festivals "MotzArt": "Don Giovanni á trois".

Zwei singen "Don Giovanni". Den ganzen "Don Giovanni", beinhart. Alle Figuren. Das ist keine Kleinigkeit, wenn es auch öfters heißt: Masetto schweigt. Dafür schnattert Donna Elvira los, dass einem Angst und bang werden könnte. Sehr noble Formulierungen fallen ihr nicht ein für den notorischen Frauen-Verführer.

"Don Giovanni à trois" also am Samstag (4.2.) zum Auftakt der MotzArt-Woche. Der dritte im Bunde zählt fast nicht, weil er ja kaum mitspielt, sondern "nur" Klavier spielt. Und gar nicht alle Noten, denn Sabine Fischmann und Michael Quast bleibt, neben allen Rollen, noch genügend Kapazität, um gelegentlich auch Orchesterinstrumente zu imitieren. Sie lesen auch die Regieanweisungen, marschieren als ambitioniert-beamteter Opernchor auf und Michael Quast ist im Nebenerwerb obendrein noch Inspizient dieses lebenden Opernführers auf der Kabarettbühne in der ARGEkultur: eine skurril-geniale Verführung zu Mozarts Oper.

Das Anliegen, das betonte Michael Quast in einem Pressegespräch vor einigen Wochen, sei ja ein ganz ernsthaftes: Schließlich sei "Don Giovanni" ein "Dramma giocoso". Kommt das Lustvolle wohl genug heraus auf der Opernbühne? Vor allem: Versteht der Opernbesucher genug vom Text?

Hier also wird über zwei Stunden lang Mozart-veredelter Lorenzo da Ponte gespielt, in heutig-schnoddriger Übersetzung und Zuspitzung: "Die geilen Bräute hier machen mich ganz verrückt", sagt Don Giovanni zu seinem sächselnden Diener Leporello. Und, nachdem er "Witterung aufgenommen" hat zu Zerlina: "He Mann, eine Braut wie du hat was anderes verdient." Die hört das nicht ungern, wenn sie auch über ihren Bräutigam Masetto sagt: "Der ist gefühlsmäßig top".

Sprachlich bravourös, wie Michael Quast die Dialoge zwischen Giovanni und Leporello als Ein-Mann-Show durchzieht und nebenbei auch aus Don Ottavio einen kabarettreifen Spießer macht. Sabine Fischmann, als Diseuse eben so geeicht wie als Opernsängerin, hat für alle Frauen sehr eigenwillige Töne drauf. Sie ist, zum Drüberstreuen, auch der Komtur. Zu zweit ein Quintett - überhaupt kein Problem für die beiden.

Das Publikum der Uraufführung war hin und weg, eben weil Michael Quast und Sabine Fleischmann voll da waren. Es gehört schon einiges an Theaterkunst dazu, dieses so überdrehte wie doch immer ein wenig hintersinnige Geblödel so perefekt zu synchronisieren und die Spannung durchzuhalten. Die Pointen sitzen, der Slapstick in Wort und Tat funktioniert auf Sekundenbruchteile. Klar, dass da eine ausgefeilte Regie dahinter steckt (Sarah Groß) und dass Theodore Ganger nicht wirklich ein Schattendasein als Pianist führt - was in seinen musikalischen Arrangements an Witz und Können steckt, müsste man mal in Ruhe nachhören.

Aber was heißt schon Ruhe, wenn Don Giovanni umgeht und in der Champagner-Arie seinem Diener anschafft: "Such in den Gassen / Frauen zu fassen, / schleppe sie alle, alle herbei!"