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Kritik • 06.02.2006 • Karl Harb, Salzburger Nachrichten

"Don Giovanni" oder: Wir lachen eine Oper

"Motzart" in Salzburg: Michael Quast, Sabine Fischmann und Theodore Ganger ersparen das Staatstheater.

Endlich ist "Motzart"-Jahr. Es dauert, nach dem Willen der Veranstalter in der ARGEkultur in Salzburg, auch nur etwa eine Woche, begann dafür aber standes- und stilgerecht mit "Don Giovanni". Will man noch mehr?

Obwohl: Rein vom Aufwand her konnte dieser "Don Giovanni à trois" nicht mit Staats- oder Stadttheatern mithalten. Drei reichen, wie der Titel sagt: zwei Darstellersänger, ein Pianist. Dazu ein Flügel und zwei Pulte. Und trotzdem ist (fast) alles da, was ein "Don Giovanni" braucht. Außer, am eklatantesten, die beiden Tenorarien. Aber das hängt damit zusammen, dass der den Don Ottavio nasalierende, stimmlagengemäß begriffsstutzige Tenor seinen Starzenith schon deutlich überschritten hat. Was ihn freilich nicht hindert, seiner Primadonna Anna unterm Singen laufend Ratschläge ("mehr Stütze, wenn ich bitten darf") zu geben.

Bleiben wir noch kurz bei den Männern. Don Giovanni ist ein alter Hurenbock ("Heute läuft aber schon wirklich alles schief"), Leporello dient seinem "Chef" mit bibberndem sächsischen Zungenschlag, der Komtur grölt zahnlos und Masetto knurrt nur fallweise, ansonsten schweigt er.

Die Damen sind hingegen nicht auf den Mund gefallen: Donna Anna tremoliert tragisch, Donna Elvira ("Jetzt kommt die Nummer für die Ohrenschützer") schrillt schreiend, Zerlina macht ganz auf freches Gör ("Hey, was'n jetz daa looos?").

Es reicht tatsächlich: Michael Quast und Sabine Fischmann (auch als Chor) spielen alle und alles (fallweise sogar Klavier, wo ansonsten Theodore Ganger seines orchestralen Korrepetitorenamtes waltet, wahrhaft der musikalisch beweglichste "steinerne Gast", den ich kenne). Wie sie blitzschnell von einem Charakter in den anderen wechseln (und alle konsequent durchhalten), wie sie daneben auch noch Szenen- und Inspizientenanweisungen geben ("die Posaunen hinter die Bühne bitte"), wie sie sogar noch die Ouvertüre und die Mandoline zur Begleitung des Ständchens spielen: allererste Musikkabarettsahne. Nein, mehr: eine grandios virtuose Menage à trois, die in keiner Sekunde Mozart an einen billigen, schweißtreibenden Klamauk verrät. Sie treibt mit ihm nur ein überbordend witziges Spiel. Die Uraufführung des "Motzartwochen"-Auftragswerkes am Samstag wurde begeistert gefeiert. Es lebe das Motzartjahr.