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Kritik • 02.06.2010 • Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur

... wenn unsere Flöten und Celli erklingen

"Paetzold Blockflöten" - das sind viereckige, überdimensionale Holzflöten. Der Großbass erinnert an ein einen kleineren Wolkenkratzer. Wie alle groß geratenen Blockflöten, sind auch die charakter- und ausdruckstarken Instrumente des schwäbischen Flötenbauers Herbert Paetzold mittels Klappen zu bedienen - und mit diesen Klappen lässt sich tatsächlich trefflich "spielen".

Auf einen "Zug ins gelobte Land" hat das Quartet New Generation das Aspekte-Publikum geführt - mit Psalter und Harfe, Schellen und Trommeln - quasi biblisch-davidisch: auch wenn auf der Bühne nur vier Bass-Blockflöten, einige Geräusch-Instrumente und ein Tonband zum Einsatz gekommen sind. Susanne Fröhlich, Andrea Guttmann, Hannah Pape und Heide Schwarz haben Eva Reiters Stück mit beachtlicher Energie und Verve zur Uraufführung gebracht: eine dynamisch und agogisch kontinuierlich gesteigerte Verlockung zum Tanz in der Wüste. Dieser "Zug ins gelobte Land" wird von Witz und Ironie begleitet. Und solche Begleitung haben zeitgenössische Werke nicht immer.

Aus einer "resignativen Phase" stamme sein Stück " ...entgleitend ...Nach-ruf ...", schreibt Georg Friedrich Haas im Aspekte-Almanach. Er habe sein Werk mit dem spiegelverkehrten Titel "Nach-Ruf ...ent-gleitend" aus 1998 für sechs Blas- und Streichinstrumente für Blockflötenquartett bearbeitet. Mit dem Effekt, dass alles mikro- und obertonale Schillern und Flirren, das Haas' Werke in der Regel auszeichnet, trockenem und sperrigem Material weicht. Der Klang wirkt - noch dazu in diesem Raum ohne jeden Nachhall - wie auf sein Skelett reduziert. Interessant und ein wenig unheimlich.

Ernst hat sich auch Thomas Heinisch mit seiner "Stillen Musik für Violoncello und Klavier" genommen: "Aura", ein Auftragswerk der Aspekte, ist ein meditatives ruhiges Stück, das auf einer Folge wiederkehrender Klavier-Akkorde basiert. Darüber singt das Cello einen großen Klagegesang, immer wieder in schillerndem Flageolett abhebend. Bei aller harmonischen und motivischen Redundanz besticht der Mut, gerade auf den Einsatz so knapper Mittel zu bauen. Jana Polyzoides (Klavier) und Erich Oskar Huetter (Cello) waren die richtigen Zelebranten.

Aufleben und technisch und "darstellerisch" aus dem Vollen schöpfen konnte der Cellist dann bei fünf der "Zehn Präludien für Violoncello Solo" von Sofia Gubaidulina, die wieder persönlich anwesend war. Anwesend war auch Friedrich Cerha, der mit der exemplarischen Interpretation der "Acht Bagatellen für Klarinette und Klavier" wahrscheinlich zufrieden war: So klangsinnlich und präzise, wie Andreas Schablas diese Pretiosen bei der Uraufführung gespielt hat.

Im ersten Konzert des Aspekte-Donnerstag (27.5.) in der ARGEkultur spielten Frank Stadler, Peter Sigl und Peer Rundberg Werde von Kuzma Bodrov, Alexandra Karastoyanova-Hermentin und Sofia Gubaidulina.