ARGEkultur Logo
ARGEkultur • 04.03.2018 • Markus Grüner-Musil, ARGEkultur

Hürdenlauf mit Staffelstab

Editorial der Künstlerischen Leitung

Als ich 2002 – damals noch im alten Kulturgelände – zu arbeiten begonnen habe, war mir schnell klar, welche großartigen Möglichkeiten in der Idee eines spartenübergreifenden Kulturzentrums in Salzburg stecken. Mit der Leitung des neuen Hauses, der ARGEkultur, die mir 2005 anvertraut wurde, haben wir viele dieser Möglichkeiten Wirklichkeit werden lassen.

Im Zentrum dieser Idee stand immer die Beziehung zu KünstlerInnen und Publikum. Denn wenn ein Haus das Neue, das Zeitgenössische ins Rampenlicht rückt, Ort der Entwicklung ist – und nicht nur der Aufführung –, dann braucht es Vertrauen zwischen allen Beteiligten.

Künstlerisch steht die ARGEkultur für die Auseinandersetzung mit dem, was die Gesellschaft aktuell prägt, oder mit dem, was uns in Zukunft beschäftigen wird. Sichtbar auch im aktuellen Programm: Sei es bei der Theaterproduktion „Viel gut Essen“ von Sibylle Berg und der Band Kreisky, bei der die sogenannten „Abgehängten“ so lange räsonieren, bis sie das „Volk“ werden, vor dem man sich leider eher fürchten muss, als dass man selber Teil davon sein möchte.

Oder sei es bei unserem Medienkunst-Festival „digital spring“ (letztmalig kuratiert von Cornelia Anhaus, die nun als neue Leiterin des Theaters am Petersplatz in Wien agieren wird), bei dem wir die Zukunft der Zusammenführung von Mensch und digitaler Welt kritisch befragen werden.

Vieles von dem, was kulturelle Wirklichkeit geworden ist, ist gelungen; manches auch nicht. Die Möglichkeiten und die Unmöglichkeiten kommen sich in der künstlerischen Arbeit immer wieder sehr nahe. Um daraus ein Programm mit jährlich gut 300 Veranstaltungen zu machen, braucht es eine sehr engagierte und professionelle Gruppe von MitarbeiterInnen, vor allem aber eine großartige Kollegin in der kaufmännischen Leitung, wie ich es die ganzen 15 Jahre mit Daniela Gmachl erleben durfte. Nun darf ich mich als künstlerischer Leiter der ARGEkultur verabschieden und den Staffelstab weiter geben. Ich freue mich sehr, dass mein Nachfolger Sebastian Linz dieses Haus weiterentwickeln wird. Denn die Möglichkeiten sind – heute wie vor 15 Jahren – groß. Und die Unmöglichkeiten sind für die Kunst kein Hindernis, bloß Hürden, die es zu überspringen gilt.

Markus Grüner-Musil

© Markus Grüner-Musil, ARGEkultur