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Robert Stadlober

Liest und spielt: Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt. Mihail Sebastians Tagebücher (1935-1944). Textauswahl und Einführung von Thomas Ebermann.

ARGE lesung

„Über die Arbeit für dieses Programm ist Mihail Sebastian einer meiner liebsten Autoren überhaupt geworden. Ich bewundere diesen Typen.“
Robert Stadlober

Mihail Sebastian ist 27 Jahre alt, Jude, Senkrechtstarter im Milieu der Intellektuellen und KünstlerInnen, von unglaublichem schriftstellerischen Talent und kann es mit den Pariser Vorbildern der literarischen Moderne aufnehmen. Naiv ist er nicht, den rumänischen Antisemitismus hat er seit seiner Kindheit zu spüren bekommen; dass nationalistische StudentInnen am Nationalfeiertag Jüdinnen und Juden verprügeln, ist zur Routine geworden. Er weiß das, beschreibt es akribisch, ist erschrocken – und will doch nicht, dass das sein ganzes Leben bestimmt. Dieses möge lustvoll sein, nicht gerade moralisch einwandfrei und auch nicht unbedingt heroisch. Dann schon lieber über die eigenen Macken, Schwächen und Kaputtheiten selbstentblößend und witzig schreiben – schamlos sein wie André Gide! – und zugeben, wie einem der Erfolg seines Theaterstückes umtreibt, wie man von Karriere träumt, wie gekränkt man ist, wenn man nicht der einzige Liebhaber der schönsten Bukaresterin ist.

Die erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Tagebücher von Mihail Sebastian erhielten begeisterte Kritiken u. a. von Philip Roth, Arthur Miller und Claude Lanzmann. Robert Stadlober hat eine szenische Lesung aus den Tagebüchern erstellt. Sebastian schildert eindrucksvoll die politischen Verhältnisse der 1930er und 1940er Jahre in Rumänien.
Als Journalist, Literaturkritiker und Übersetzer in der KünstlerInnenszene von Bukarest erlebt er die Zuspitzung der antisemitischen Propaganda und den Terror der faschistischen „Eisernen Garde“. Einige seiner engen FreundInnen werden zu überzeugten AnhängerInnen des Faschismus. Mihail Sebastian beschreibt die sich steigernden antisemitischen Maßnahmen der Regierung des Marschalls Antonescu minutiös, von der Erhöhung der Mieten für Jüdinnen und Juden und der Beschlagnahme seiner geliebten Ski und des Radiogeräts, bis zu den Razzien und Deportationen. Die Tagebücher bieten einen Blick in den Alltag aus Diskriminierung und Furcht, aber auch in Momente der Hoffnung und literarischer Leidenschaft.

Robert Stadlober

geboren 1982 in Kärnten/Österreich, ist Schauspieler, Musiker und Sänger, dem im Jahr 2000 mit der Hauptrolle des Benjamin Lebert in „Crazy“ der Durchbruch gelang und 2001 mit dem Nachwuchspreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet wird. Zuletzt war er u. a. in den Filmen „Schwarze Schafe“ (2006), „Krabat“ (2008) und „Jud Süß“ (2010) zu sehen. Nach Stationen in Barcelona, Hamburg und Wien lebt Stadlober seit 2008 wieder in Berlin. Zusammen mit Bernhard Kern betreibt er das Independent-Label „Siluh Records“. Seit 2010 ist Robert Stadlober wieder mit seiner Band „Gary“ aktiv, die im selben Jahr die Single „Will You“ und die LP „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji“ veröffentlichten.

Pressestimmen

„Die feine Selbstironie von Mihail Sebastian, seine kraftvolle und präzise Beobachtungsgabe, nicht zuletzt die Intensität, mit der Stadlober die Tagebucheintragungen auf der Bühne durchleidet, kontrastieren die bitteren Schilderungen des ins Abseits getriebenen.“
Südthüringer Zeitung

„Robert Stadlober gelingt es, diese Diskrepanz im Kampf eines Individuums mit sich selbst anfassend zu transportieren, zwei Stunden lang hängt das Publikum mit höchster Konzentration an seinen Lippen.“
Wiesbadener Tagblatt

Stimmen zu den Tagebüchern von Mihail Sebastian

„Wie in allen großen Werken der Literatur erzeugt Sebastians Tagebuch eine eigene Aktualität. Es heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung, zu entdecken und zu lesen, ist ein erschütterndes und überwältigendes Erlebnis.“
Claude Lanzmann

„Dieses Tagebuch verdient es, neben das von Anne Frank gestellt zu werden und genauso viele Leser zu finden.“
Philip Roth

„Dieses Buch lebt, es zeugt von einer Seele voller Menschlichkeit, aber auch von der wachsenden Brutalität des letzten Jahrhunderts, die sich vor Sebastians Augen entfaltete.“
Arthur Miller

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