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18.11.2012 um 11:00 Uhr

"Der Humanismus des melancholischen Monsieur Michel H."

Literatursalon. Klaus Nüchtern (Falter) und Ali M. Abdullah (Garage X) im Universum des Enfant terrible der französischen Literaturszene, Michel Houellebecq.

ARGE open mind festival "überLeben"

„Die Wahrheit ist skandalös. Aber ohne sie ist alles nichts wert. Eine ehrliche und naive Sicht der Welt ist bereits ein Meisterwerk … In dem Maße wie Sie der Wahrheit näher kommen, nimmt Ihre Einsamkeit zu.“
Michel Houllebecq

Michel Houellebecq wurde am 26. Februar 1958 auf der Insel Réunion geboren. Seine Mutter, eine Ärztin, der Vater, Bergführer, beide Hippies, überließen ihn mit sechs Jahren seiner Großmutter väterlicherseits, einer überzeugten Kommunistin, deren Namen er als Pseudonym angenommen hat.
Von seiner Mutter, die sich später dem Islam zuwandte, bekommt er seit einigen Jahren regelmäßig Briefe geschickt, die er aber nicht öffnet. Er hat angeblich bis heute keine Ahnung, wo seine Eltern leben.

Nach der Schulzeit wurde er nicht zum Militärdienst herangezogen, da er morphiumsüchtig war. Er studierte Agrarökonomie und Informatik und erhielt 1980 sein Diplom, im selben Jahr heiratete er, bekam einen Sohn, ließ sich jedoch bald wieder scheiden. Er fand lange keine Arbeit, litt unter Depressionen und kam immer wieder in Nervenheilanstalten.
1983 bekam er eine Stelle als Informatiker und wechselte später ins Landwirtschaftsministerium.
1998 heiratete er seine jetzige Frau Marie-Pierre, mit der er ein Haus in der Nähe von Dublin in Irland bezogen hat.

Seine literarische Laufbahn beginnt er im Alter von 20 Jahren mit dem Verfassen erster Gedichte, für die er bald mit Preisen ausgezeichnet wird. 1994 erscheint sein erster Roman in Frankreich „Extension du domaine de la lutte“ (dt. „Ausweitung der Kampfzone“), der ihm auch den internationalen Durchbruch verschafft. Vier Romane später, darunter das in 25 Übersetzungen erschienene Kultbuch „Elementarteilchen“, und u. a. 2010 mit dem rennomierten französischen Literaturpreis „Le prix Goncourt“ für „Karte und Gebiet“ ausgezeichnet, gilt er als der meistgelesene, aber auch umstrittenste Autor seiner Generation.

Das Festival wird auch heuer wieder vom Open Mind Magazin (PDF) begleitet, das nicht nur die Programmpunkte ausführlich vorstellt, sondern weiterführende Aspekte durch die Beiträge von GastautorInnen wie Klaus Nüchtern oder Reinhard Haller thematisiert. Zudem wird ein Festivalblog dem Publikum die Möglichkeit bieten, Inhalte zu vertiefen, zu kommentieren und zu diskutieren.

„Revolutionär der Kälte“, „Star des Literaturbetriebs“, „Dreckspatz von Paris“ „Popstar der Single-Generation“ oder „Dark Star der französischen Literatur“ sind nur einige gängige Umschreibungen für seine Person, ebenso wie „schlurfender, griesgrämiger, plastiktütenbewehrter, irgendwie an allem desinteressierter, unentwegt Zigaretten paffender Weltabneigungsintellektueller“. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter all diesen Zuschreibungen?

Klaus Nüchtern, stellvertretender Chefredakteur des „Falter“, und Ali M. Abdullah, Regisseur von „Karte und Gebiet“, nähern sich in einem Literatursalon dem Phänomen Houellebecq an und begeben sich in das Universum des Autors und seiner Protagonisten.

Kurz-Biografien

Klaus Nüchtern
Foto (c) Heribert Corn

Klaus Nüchtern leitet das Feuilleton der Wiener Stadtzeitung Falter. 2011 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik ausgezeichnet. Seine wöchentlich erscheinenden Kolumnen „Nüchtern betrachtet“ liegen in bislang fünf Bänden vor (zuletzt: „ok ist eh ok“, 2009). Sein Buch „Buster Keaton oder die Liebe zur Geometrie“ ist soeben bei Zsolnay erschienen.
Unter dem Namen ClousInTheSky zwitschert er regelmäßig eine „Wolke der Woche“

Ali M. Abdullah
Foto (c) Renata Bencke

Ali M. Abdullah absolvierte sein Regiestudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Ab 1991 Regieassistenzen, erste Inszenierungen und Arbeiten als Schauspieler am Schauspiel Bonn, am Bayerischen Staatsschauspiel München und am Schauspiel Frankfurt. 2000/01 erste Theaterleitertätigkeit als fester Regisseur und Leiter der Probebühne am Schauspielhaus Graz.
Danach folgen Theaterarbeiten am Theater Aachen, Theater Trier und Schauspiel Bonn. Von 2004-2008 gemeinsam mit Harald Posch Leitung der Freien Theatergruppe DRAMA X in Wien, hier entstehen 6 Projektreihen mit ca. 35 Inszenierungen und einer Einladung zur Bonner Biennale. Seine Inszenierung von My Life As a Terrorist nach einem Dokumentarfilm von Alexander Oey wird 2006 zum Autorentheatertreffen am Thalia Theater Hamburg eingeladen.
2008 Beginn der Arbeit an der Skandinavischen Trilogie von Matias Faldbakken. Die Romane The Cocka Hola Company und Unfun werden in Wien erstaufgeführt.
Seit 2009 gemeinsam mit Harald Posch Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der GARAGE X. Zuletzt inszenierte er Doppeltüren von Alan Ayckbourn am Theater Oberhausen und Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften von Elfriede Jelinek an der Garage X.

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