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Ja, Panik

Indie-Rock als Soundutopie – mit neuem Album „Libertatia“. Support: Chris Imler.

ARGE konzert
Ja, Panik am 23.04.2014 um 20:30 Uhr
Foto (c) Gabriele Summen

Seit gut 10 Jahren sind Ja, Panik ein unverwechselbarer Teil der österreichischen Popkultur. Mit dem neuen Album „Libertatia“ haben sie nun ein neues Synonym für Pop gesucht. Ein Wort vielleicht, das nicht gleich an die Bilderwelten und Marketplaces der Weltkonzerne erinnert. Auf diesem Album scheint sich der Kern der Band in der neuen Sound-Utopie richtig gefunden zu haben. Andreas Spechtl brilliert erneut als großer, romantischer Songschreiber zwischen Kerzenlicht und Discokugel.

Wo wir sind ist immer Libertatia. Im Nordwesten vor Madagaskar soll er gelegen haben: Ein anarchistischer Ort mit dem Namen Libertatia. Hier sollen Seeräuber im 17. Jahrhundert ihren Lebensabend verbracht haben. Über ein Jahr lang hat die Band zusammen mit ihrem Produzenten Tobias Levin im eigenen Studio in Berlin und in den Electric Avenue Studios in Hamburg an diesem Werk gearbeitet.

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Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass Libertatia das erste Studio-Album der Wahlberliner aus dem Burgenland ist. Und wie immer man sich Libertatia als Soundtrack im 21. Jahrhundert auch vorstellen mag: Bei der Gruppe Ja, Panik klingt er einladend und entspannt. Und unter einem Papierberg von notierten Zweifeln ist die Botschaft der Band am Ende extrem befreiend und lebensbejahend: „One World, One Love, LIBERTATIA“. Als hätten Ja, Panik mit Libertatia einfach nur ein neues Synonym für Pop gesucht. Ein Wort vielleicht, das einen nicht gleich an die Bilderwelten und Marketplaces der Weltkonzerne denken lässt. Mit „Pirates Of The Caribbean“-Kitsch hat Libertatia also nichts am Hut.
So muss man beim federleichten Wavepop in Libertatia schon eher an die großen weltumarmenden Momente des Second-Order-Pop denken, an The Style Council vielleicht, aber auch an die erwachsenen Alben der Hamburger Schule.

Auf diesem Album scheint sich der Kern der Band in der neuen Sound-Utopie richtig gefunden zu haben: Soul-Bässe (Stefan Pabst), Postpunk-Rhythmen (Sebastian Janata), New-Wave-Gitarren, Synthesizerflächen und ein Gesang, der einem immer intim und vertraut vorkommt: Andreas Spechtl als großer, romantischer Songschreiber zwischen Kerzenlicht und Discokugel. Er schildert uns über den Wolken von „Libertatia“ einen Traum und reflektiert darüber einen Ort, den es vielleicht nie wirklich gab und den es in unserer Zeit ganz bestimmt nicht gibt. Aber: Es gibt immer wieder „Sisters & Brothers (und all die andern Lovers)“ – in deren Anwesenheit wir uns einen solchen Ort tatsächlich vorstellen können, oder uns sogar tatsächlich darin befinden.

Libertatia transportiert ein Gefühl von Freiheit, das wir auf unseren Reisen auf den Straßen, beim Fliegen, Tanzen oder im Cyberspace vor allem zwischen den Orten finden … „Where are we now?“, hat David Bowie die Welt erst neulich gefragt. Die Gruppe Ja, Panik hätte da vielleicht eine Antwort für uns parat: „Wo wir sind ist immer LIBERTATIA“.

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