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Kreisky

Österreichs lässigster Lärmbrocken mit neuem Album „Blick auf die Alpen“. Support: Elamboda

ARGE konzert basics festival 2014
Kreisky am 15.03.2014 um 20:30 Uhr
Foto (c) Ingo Pertramer

Ohne Umschweife: Mit ihrem vierten Album „Blick auf die Alpen“ haben Kreisky ihre stärkste, ihre musikalischste, ihre einfallsreichste Platte gemacht. Ein gleißendes Wunderding, das sich bei jedem Mal hören anders gibt. Schlank, klirrend und energetisch. Aber auch drall, smart, fast zärtlich. Hatte man die ersten drei Alben der Wiener eher notdürftig unter Post-Punk eingeordnet oder schlicht als „begeisternd klare Rockmusik“ (FAZ), geht die Eindeutigkeit nun endgültig flöten. „Unsere Vorstellung von Popmusik“, so Kreisky selbst.

Thematisch findet man auf dem neuen Album einen scharfen Blick auf, nun ja, die Alpen und ihre BewohnerInnen, manchmal durchaus hasserfüllt, aber ohne Zynismus. Denn: „Alpen gibt es überall“, so Sänger Franz Adrian Wenzl kryptisch. Mit Geografie braucht man ihm nicht kommen. Die Figuren von denen er auf „Blick auf die Alpen“ singt, sind in ihren Rollen festgefahren.
Sie sind gegen etwas, weil jemand anders dafür ist. Gegen die Eltern in den Teenager-Dramen „Weinkrämpfe“ und „Wir machen uns Sorgen um dich“, gegen unerträgliche BesserwisserInnen in „Wir Unterhaltenen“, „Die Wildnis“ oder im Titelsong, gegen die anderen per se im breit angelegten „Rinderhälften“. Diese armen Geschöpfe. Immer hält sie jemand davon ab, so zu sein, wie sie eigentlich sein könnten, wollten, sollten. „Wobei, selber schuld“, giftet Wenzl.
„Blick auf die Alpen“ ist, trotz oder gerade wegen aller freigelegten und rausgesungenen Makel, eine so menschliche, fast mitfühlende Platte. Den Industrie-Lovesong „Pipelines“ oder die Prokrastinierer-Hymne „Selbe Stadt, anderer Planet“, zu denen die Band zwei hinreißende Videos gedreht hat, kann man jederzeit zur Herzensbildung heranziehen. Auch wenn das Album betont unversöhnlich endet: „Die Erde ist ein Todesstern, und wer auf ihr lebt, muss sterben.“ Dazu Meuchelmördergitarren. Nur: Ist das denn nicht ebenfalls die Wahrheit?

So oft wird von der Zukunft des Rock geredet, hier kann man sie hören.
Culturmag

„Blick auf die Alpen“, produziert von Kreisky und Oliver „Ollmann“ Brunbauer (Gustav, BulBul, Elektro Guzzi), wurde über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren im Studio der Wiener Symphoniker im Konzerthaus Wien aufgenommen und im Feedback Studio 2 abgemischt. Gemastert hat Chris Potter im Electric Mastering Studio London, der auch schon Arbeiten von den Arctic Monkeys, Franz Ferdinand, Duffy oder Gossip feinpolierte. „Blick auf die Alpen“ erscheint als Kooperation der Labels Wohnzimmer und Buback als CD, Vinyl und Download.

'Warum Elite' heißt ein schönes Album der Linzer Band 'Mann aus Marseille'. Eine gute Frage in einer Zeit, in der der Elitebegriff fast ausschließlich ökonomisch gedacht wird. Während man sich in Malta um 650.000 Euro eine EU-Staatsbürgerschaft kaufen kann, werden vor der Küste Siziliens Menschen dafür bestraft, wenn sie anderen Menschen das Leben retten. Wert ist immer gleich Geldwert. Zum Speiben.
In der Kunst interessiert mich dagegen nur das Herausragende. Zum einen als Thema: Mit Kreisky verwenden wir elitäre Elemente der klassischen Rock-Avantgarde, die entsprechenden Codes und den dazugehörigen Habitus, und versuchen das so zu brechen, dass das für ein breiteres Publikum interessant ist. Zum anderen finde ich, dass interessante Kunst immer mehr sein muss als die Summe tausender Probestunden und peniblen Arbeitens. Irgendwas muss da drinstecken, das über unser Leben hinausreicht.
Franz Adrian Wenzl, Kreisky
  • Stimme, Orgel Franz Adrian Wenzl
  • Gitarre, Stimme Martin Max Offenhuber
  • Bass, Gitarre, Stimme Gregor Tischberger
  • Schlagzeug Klaus Mitter
Klug und gefährlich … eine große und eigentlich gar nicht so grantige Band.
Profil
Kreisky sind gleichzeitig extrem aufwühlend und entspannend … sperrige und krachige Klänge, die selbst von Rockmusik inzwischen längst enttäuschte und abgewendete Hörer vom Hocker hauen können.
Junge Welt
Das Quartett entwickelt sich langsam zu österreichischen Großmeistern des heiligen Zorns… neun neue, blendende Songs.
Freistil

Support: Elamboda

Man nehme vier Karotten. Grob schneiden, mit viel Pfeffer und noch mehr Chili am Raketenantrieb kross anbraten und mit Bier aufgießen. Das ganze bei größtmöglicher Hitze aufkochen, bis der Topf explodiert. Der Geschmack – überrraschend raffiniert mit einer gehörigen Prise Gitarren. Serviervorschlag: Mitten ins Gesicht.

www.elamboda.com

  • Bass Patrick Endl
  • Gesang, Gitarre Chris Messmer
  • Gitarre Werner Pomwenger
  • Drums Klaus Trifich

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