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ARGE theater – Koveranstaltung mit theaternyx*

„Das wird mir alles nicht passieren... Wie bleibe ich FeministIn.“

Ein theatralischer Abend mit Texten von Marlene Streeruwitz. Konzept & Regie: Claudia Seigmann. Eine Koproduktion von theaternyx* und Posthof Linz.

Setz dich zu uns an den Tisch und tratsch ein wenig mit uns! Trink noch einen Schluck und hör dir diese Geschichten von Marlene Streeruwitz an: über Menschen, die ein gutes, ein einfacheres oder ein anderes Leben haben wollen und sich deshalb aus ihren bisherigen Umständen emanzipieren müssen. Das ist nicht gerade einfach, aber zum Glück wird uns das alles nicht passieren, oder? Und bleib unbedingt auch nach dem Nachtisch da – irgendjemand weiß schließlich immer noch eine weitere Geschichte …

  • Text Marlene Streeruwitz
  • Konzept Claudia Seigmann, Claudia Dworschak
  • Dramaturgische Mitarbeit Markus Zett
  • PerformerInnen Dorit Ehlers, Susanne Gschwendtner, Claudia Seigmann, Markus Zett
  • Ausstattung Leonie Reese
  • Regie Claudia Seigmann

Mit freundlicher Unterstützung von: Bundeskanzleramt, Frauenreferat Land Salzburg, Linz Kultur und Kultur Land Oberösterreich

Schon der Einlass gerät zur Zeremonie. Wodka oder Wasser? Kirsche oder Olive? Neben der Freundin sitzen? Wahrscheinlich eher nicht, denn man muss eine Sitznummer wie ein Glückslos ziehen. Aber sitzt man einmal an dem riesigen Tisch, der den mittleren Saal des Posthofes beherrscht, wird man verwöhnt.
Kronen Zeitung

theaternyx* nennen Claudia Seigmann und Markus Zett seit Anfang 2000 ihre künstlerische Kollaboration mit Homebase in Linz. Im aktuellen Arbeitszyklus beschäftigen sie sich mit den Möglichkeiten und der großen Kraft biografischen Erzählens. Nach mehreren Projekten, in denen die Lebensgeschichten von unbekannten LinzerInnen im Mittelpunkt standen (2011-2013), und zuletzt der autobiografischen Erkundung eines Teils der Lebensgeschichte von Claudia Seigmann in „eine einfache geschichte“ (2015), basiert dieser Abend auf einer literarischen Vorlage von Marlene Streeruwitz. Das Projekt setzt zudem die Zusammenarbeit mit der in Salzburg lebenden Schauspielerin Dorit Ehlers („ohnetitel“) fort.

Marlene Streeruwitz’ äußerst präzise erfundenen Geschichten erschienen 2011 in dem Band „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“. Vier von den elf „Kleinstromanen“ kommen im neuen Projekt von theaternyx* nun zur Aufführung. Die österreichische Autorin schildert darin mit unbestechlichem Blick Menschen – Männer und Frauen – die ihre jeweils sehr unterschiedlichen Lebenssituationen reflektieren. Die Figuren sind verstrickt und durch systemische- und Sachzwänge gebunden, können sich aber eventuell doch für mehr Autonomie entscheiden.

Streeruwitz’ Geschichten treffen auf eine soziale Situation, die es ermöglicht, sie in Ruhe zu hören und sich zu ihnen in Beziehung zu setzen: Publikum und PerformerInnen nehmen an einer langen Tafel Platz. Alle sitzen in der ersten Reihe; eine Geschichte ergibt die andere, das Erzählen wird vom Trinken begleitet und vom Essen unterbrochen, um den Geschichten nachzuhören, eigene Gedanken zu fassen und sich mit den TischnachbarInnen zu unterhalten. Ein wenig Alkohol hebt die Stimmung und schärft die Sinne.

Die Geschichten stellen Fragen danach, wie wir heute leben und wie wir uns behandeln lassen wollen. Das Reden darüber hebt ein wenig die Vereinzelung auf: Wir ahnen, dass alle Gäste der Tischgesellschaft solche Geschichten kennen, selbst erlebt haben und erzählen könnten. Wenn wir Glück haben, hören wir noch ein paar dieser Episoden nach dem Ende der eigentlichen Inszenierung, nach dem Digestif. Es steht die Einladung im Raum, noch ein wenig zu bleiben.

Sowohl die Figuren in den Geschichten, als auch die ErzählerInnen sind beiderlei Geschlechts: die Notwendigkeit der Emanzipation besteht nicht nur für Frauen. Dabei schlüpfen die PerformerInnen nicht in Rollen, sondern berichten von anderen; überlagern sich für Momente mit ihnen. So werden fiktive Biografien lebendig vergegenwärtigt ohne den kürzesten Weg der Identifizierung über gespielte Figuren. Wie bei früheren Arbeiten von theaternyx* geht es nicht um das große Theater, sondern um den bewusst anti-spektakulären Blick auf prekäre menschliche Leben.

Marlene Streeruwitz
> Text

Geboren in Baden bei Wien (Niederösterreich). Studium der Slawistik und Kunstgeschichte. Freie Texterin und Journalistin. Freiberufliche Autorin und Regisseurin. Literarische Veröffentlichungen ab 1986. Lebt in Wien, London und New York.

Claudia Seigmann
> Konzept, Regie, Performance

Als künstlerische Leiterin von theaternyx* produziert sie seit fünfzehn Jahren zeitgenössisches Theater. Zuletzt mit der Soloperformance „eine einfache geschichte“ im Posthof, Linz.

Claudia Dworschak
> Konzept, Produktion

Studium Audiovisuelle Mediengestaltung / Kunstuniversität Linz. Schwerpunkt in der künstlerischen Arbeit sind Video- und Performancekunst. Künstlerische Kollaborationen mit unterschiedlichen Menschen in diversen Kontexten.

Leonie Reese
> Ausstattung

Selbstständige Szenografin der freien Theater- und Kulturszene. Lebt seit 2013 in Linz. Als Ausstatterin tätig in u. a. Jena, Hamburg, Linz und Salzburg.

Dorit Ehlers
> Performance

Seit 1997 als freischaffende Schauspielerin und Theatermacherin in Österreich und im Team von „ohnetitel“ (netzwerk für theater&kunstprojekte / Salzburg) mitverantwortlich für zahlreiche Produktionen im Kleinst- und Großformat.

Susanne Gschwendtner
> Performance

In Vöcklabruck geboren, Schauspielstudium in London, lebt seit 2011 (nach 12 Jahren Auslandsaufenthalt in Frankreich, England und Israel) in Wien und arbeitet als freischaffende Schauspielerin und Sängerin.

Markus Zett
> Performance, Dramaturgische Beratung

Bildet seit dem Jahr 2000 das theaternyx*-Doppel mit Claudia Seigmann. Zahlreiche Stückentwicklungen für den öffentlichen Stadtraum, u.a. die mit dem Bühnenkunstpreis 2009 ausgezeichnete Busfahrt „siebenundzwanzig. eine geistergeschichte.“