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The Helmut Bergers. Support: Julian Nantes.

Salzburgs Pop-Aushängeschild garantiert eine euphorische Party-Nacht.

ARGE roter salon No. 111
The Helmut Bergers. Support: Julian Nantes. am 15.12.2017 um 21:00 Uhr
Foto (c) Michael Klimt

The Helmut Bergers

The Helmut Bergers müssen sich vor nichts verstecken. Im Band-Namen und Live schwingt sie immer mit - die Mischung aus Arroganz, Großmäuligkeit, Scheiß-mir-nix, Totalabsturz und Gossenglamour. Herrlich passend zu Songs, die mit ihren scheinbar locker aus dem Handgelenk geschüttelten Melodien nie um Hooklines, Refrains und kleine Soundeinfälle verlegen sind. Understatement trifft auf Pathos, Langeweile auf Unruhe und überall herrscht jene aufgekratzte Melancholie, die zu den Nachwehen jeder euphorischen Party-Nacht gehört.

Da werden ebenso hymnisch wie trotzig die „Sisters & Brothers“ im Geiste gerufen, weil die Energie, die aus der Nacht noch übrig ist, geteilt werden will - trotz allem Ungemach in der imaginären Bergers-Suburbia, wo die Beats und synthetischen Klänge in die Disco locken. Nein, weder werden die Kids als verloren betrachtet, noch die in Scherben liegenden Pop-Versprechen mit Zynismus garniert. Auch wenn der Blick auf den aktuellen Zustand von Pop scheinbar nichts anderes mehr zulässt.

Viel eher gelingt The Helmut Bergers das Paradoxon, mit sehr klarem wie naheliegend abgeklärtem Blick Pop-Musik als etwas zu betrachten und zu betreiben, woran trotz viel Gegenwind dennoch geglaubt werden will. Gerade weil The Helmut Bergers ihre obsessive Begeisterung und das leidenschaftlichen Wissen um die Pop-History so offen vor sich her tragen, wissen sie nur zu gut, dass es einen neuen „Summer of Love“ so bald nicht mehr spielen wird. Stattdessen kümmern sie sich lieber um Dinge, die auch schon mal wesentlich bessere Tage gesehen und erlebt haben (einen Namenspatron wie Helmut Berger sucht man sich ja auch nicht einfach so aus). Glamour gibt es ja bekanntlich nicht ohne Drama, Verfall, Dekadenz und dreckiger Unterwäsche. Alles andere ist Bling-Bling. Da tragen The Helmut Bergers ihre Melancholie lieber auf die Keller-Tanzflächen und stimmen ein „Kitchen Sink Drama“ an. Denn wenn nichts mehr geht, dann wird zumindest das Tanzbein geschwungen. Und das ist diesmal keine Untertreibung.

Abgesehen davon, dass die Songs überall hin gehen könnten (von Post-Punk zu Rave zu Disco zu New Wave zu Synth-Pop oder Brit-Irgendwas), durchdringen sich die zerfransten Rock-, Dance- und Synthpop-Anteile elegant als gleichsam fließende wie kompakte Beziehungsgeflechte, die vor allem von einem künden: Von der Liebe zur Popkultur und dem Glauben an eine trotz allem dennoch positive Kraft der Pop-Musik.

Text: Didi Neidhart

Dank Bands wie der Electro-Rock-Formation The Helmut Bergers weht zumindest etwas frischer Wind durch die Mozartstadt.
Sebastian Zoglauer, TBA

Julian Nantes

Die jugendliche Unbekümmertheit eines Jake Bugg gepaart mit der Getriebenheit von Black Rebel Motorcycle Club. Dafür steht der Name Julian Nantes, der mit seiner Single „Ride With Me“ im A1-Werbespot zu hören war. Mit Basedrum, Kick-Tambourine, Gitarre und Gesang erzählt der junge Musiker Geschichten, die mitten aus dem Leben schöpfen. Die ersten beiden Singles des neuen Albums, „Trainstation“ und „Ghost“, kündigten die zwei Seiten des Künstlers an – zum einen nachdenklich und filigran und zum anderen antreibend und kaltschnäuzig. Julian Nantes bleibt dabei seinem Stil als Solokünstler treu und veröffentlichte im Oktober 16 sein neues Album „The Youth The Love The Pain“.