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Scott Matthew

„Ode to Others“ Tour 2018

Konzert
Scott Matthew am 22.05.2018 um 20:00 Uhr
Foto (c) Michael Mann

„Ode to Others“, das sechste Studioalbum von Scott Matthews ist ein Ausbruch – einer, der wegführt von der Idee der romantischen Liebe und den Enttäuschungen, die fast zwangsläufig damit verbunden sind. Stattdessen ist diese Sammlung von Songs eine Hommage an die Liebe im weitesten Sinne. Der Familie und Freunden wird Ehre erwiesen, aber auch Menschen, die Opfer von Misshandlungen wurden; Lebende wie Verstorbene.

„Von allen Alben, die ich bisher geschrieben habe, ist dies das erste, in dem es nicht um die Liebe im romantischen Sinne geht. Auch wenn es eine Ahnung von Romantik darauf gibt, betrifft sie nicht mein persönliches Liebesleben. Das Album handelt von Menschen und Orten, die nichts mit meinem unmittelbaren Liebesschmerz zu tun haben.”

Das Öffentliche und Private fließen zusammen in Scotts Lyrics auf „Ode to Others“, das Große und das Kleine vereinen sich. Der Blick auf die Menschen, die einem vieles, manchmal alles bedeuten, weitet sich auch mit dem Blick auf die Orte der persönlichen Vergangenheit und Gegenwart von Scott Matthew. Auf das Australien seiner Kindheit, auf das New York, in dem Scott seit nunmehr 20 Jahren lebt, und auf das mittelalterliche, portugiesische Dörfchen Santarém, in dem der verzückte Wanderer sich seines buchstäblichen Zugangs zur Welt versichert: „What I love most maybe glory lost / Or the sadness that’s sweet / Or the ones under our feet“.

Die Wucht der Originale wird eingedampft auf ein Minimum der Opulenz, das Matthew wiederum zum Leuchten bringt.
Stereoplay

Scotts Sicht auf die Welt ist die eines Liebenden, eines Bewunderers, mitunter aber auch die eines Trauernden. So handelt etwa „The Wish“ von den 49 Todesopfern der Bluttat von Orlando. Ein Einzeltäter war in der Nacht des 12. Juni 2016 in den Club ‚Pulse‘ eingedrungen, in dem sich vor allem Mitglieder der LGBT-Community trafen, und hatte wahllos um sich geschossen. Stunden später bereits schrieb Scott den Text zu The Wish, in dem er ein Gefühl völliger Ohnmacht ausdrückt: „This is an assault against love / Still no-one helps, they just pray above / And I wish I could help / I wish I could have helped”.

Keines der vergangenen fünf Soloalben von Scott Matthew ist musikalisch so vielschichtig, so reich und doch nie überbordend instrumentiert, so komplex arrangiert wie dieses neue, sechste. Er sei, sagt Scott, sehr stolz auf dieses Album. „Ich glaube, es ist eines der besten, das wir bislang aufgenommen haben, aus vielerlei Gründen.“ Die Idee, es minimalistisch zu halten, habe bei diesem Album nun nicht wirklich gegolten, sagt er lachend. „Dennoch ist es nicht bombastisch geraten. Es klingt intim, obwohl es musikalisch vielschichtig ist. Und am Ende – steckt so viel Geschichte darin.“

Man könnte das Album Ode To Others für einen musikalischen Neuanfang von Scott Matthew halten. Doch das trifft es nicht ganz. Es ist vielmehr Ergebnis eines Perspektivwechsels. Von einem, der hinausschaut in die Welt, die der Gegenwart wie der Vergangenheit und sich dabei selbst auf neue Art und Weise entdeckt, als liebender, verehrender, manchmals aber auch als verachtender Betrachter.

„Ein Lied“, sagt Scott, „repräsentiert einen Moment. Aber es ist nicht DER Moment, es ist nur ein Moment. Dann erreicht das Lied die Zuhörer, und es wird DER Moment daraus. Deshalb habe ich überhaupt einmal begonnen, Songs zu schreiben, ich dachte: Ich will Menschen zurückgeben, was sie mir gegeben haben – damit sie ihre Geschichten in einem Song wiedererkennen.“

Wer Scott Matthew bereits live erlebt hat, ist seltsam ergriffen. Er lässt die HörerInnen teilhaben, teilnehmen, Teil werden. Er berührt.

Und er singt mit einer Stimme, die aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Sie erinnert an andere große Meister ihres Fachs: an Jeff Buckley, Nick Drake etwa, an Tim Hardin oder Rufus Wainwright und an Bonnie Prince Billy oder Elvis Costello.
Wiesbadener Kurier
Und wenn sie nicht wie für ihn geschrieben sind, die Lieder anderer, dann macht er sie zu seinen. Mit Haut und Haar. Würde man sie zum ersten Mal hören, wäre man überzeugt, sie könnten unmöglich anders klingen.
Frankfurter Rundschau