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Angela Aux | Awkward i

Musik Roter Salon No. 122
Angela Aux | Awkward i am 12.10.2019 um 21:00 Uhr
Akward i © Tim Knol

„Angela Aux gehört zu den großen Künstlern und Netzwerkern der bayerischen Subkultur“ (Süddeutsche Zeitung) – Er ist ein Künstler der Gegensätze, ein Künstler des Spiels mit der Identität, ein Shape-Shifter, der zwischen Wu-Tang-Shirt und Mädchen-Perücke, zwischen Haiku und Dostojewski balanciert.

Awkward i ist das Pseudonym des holländischen Singer/Songwriters Djurre de Haan. Unter diesem Namen hat De Haan mittlerweile drei Alben veröffentlicht. Sein drittes Album KYD vereint das Beste der beiden Vorgänger-Alben, bindet den*die Zuhörer*in mit seiner bescheidenen Art des Humors ein, unkonventionell auf den Punkt gebrachte Überlegungen werden mit der Vorliebe, volltönigen Pop mit Lo-Fi Eigenartigkeiten zu mischen, in Einklang gebracht.

Angela Aux

„I'm a killer kid”, begrüßt eine weiche Lawine aus Fragezeichen - ein flauschiger Dornenwald aus Synthesizern und Beatles-Klaviatur. So stößt Angela Aux das Tor in sein viertes Album auf, steht lächelnd auf der Schwelle und winkt herein: in die Untiefen der Alltäglichkeit des ganz normalen Wahnsinns - „I can't get away with it”. Ein popmusikalischer Wiedergänger, der vergessene Schätze einsammelt und neue funkelnde Wolken daraus strickt. „Songs schreiben ist für mich wie Schiffe bauen, ich sammle Ideen und Weisheiten und schicke sie auf diesen Schiffen in die Zukunft” erzählt Angela Aux.

Angst, Sehnsucht, Tod und Teufel sind die Jonglierbälle seiner Erzählungen, einem psychedelischen Set aus Metaphern: „Ich reibe mich an diesen Dämonen, suhle mich in ihrer Heftigkeit. Ich liebe die Erschütterung die von ihnen ausgeht”. Sanft aber bedingungslos spaziert er durch die Katakomben unserer Persönlichkeiten als glitzernde Stimme hinter den Dingen, den Szenen und Irrlichtern.

Zwei ertrinkende Freunde grüßen verwunderte Fische („Story Of Heavy Mike“) – oder „Heaven is loaded with Oceans“ – diese bizarren Märchen-Stimmungen entfalten einen zauberhaften Sog. Wes Anderson und Jim Jarmusch glänzen aus den Szenarien, den lapidaren Abgesängen auf eine immer schon falsche Welt. „Mich interessieren die Widersprüchlichkeiten, diese unbeschreiblichen Zustände: diese wundersamen Gossen-Weisheiten und die unergründliche Melancholie”.

„In Love With The Demons” ist eine Essenz seiner bisherigen Arbeiten: diversen Solo-Platten, Alben mit Bands (Aloa Input, Sepalot Quartett) und Kompositionen für Kino und Theater. Die Reduktion seines Vorgänger-Albums „Wrap Your Troubles In Dreams” bricht Angela Aux dabei wieder auf und bastelt dafür strahlende Mosaike aus den Fetzen der großen Mystiker: Lou Reed, John Lennon, Nico, Leonard Cohen und Neil Young - als wäre ihm die Popmusikgeschichte ist der liebste Malkasten.

Mit Produzent Nico Sierig (Joasihno, Instrument) und einer illustren Runde von Gastmusiker*innen (Maria Moling, Cico Beck, Sebastian Weiß aka. Sepalot, Micha Acher, Peter Pazmandi, Marcus Grassl, Matthias Lindermayr und Sam Irl) entstand eine faszinierende Sammlung hypnotischer kleiner Instant-Hymnen.

Text und Musik sickern langsam durch die Gehörgänge ins Gehirn und entfalten sanft ihre psychedelische Wirkung. Als würde man die Songs schon seit Ewigkeiten kennen und gerade auf einem alten Walkman wieder finden. Cinematisch und monumental fixieren sie die Aufmerksamkeit der Hörer*innen, schleichen sich regelrecht ins Bewusstsein. Dort bleiben sie hängen, tief und unmerklich, fast unscheinbar. Aber wenn es still wird und ruhig, bevor einem die Augen zufallen oder man in die Dusche steigt, erheben sich die Szenarien wie zärtliche Dämonen. Süß und geheimnisvoll bitten sie zum nächsten Tanz.

www.angela-aux.com
www.facebook.com/AngelaAux

... Angela Aux hat ein stimmiges Folk-Album geschrieben, das ohne viel Schnick-Schnack auskommt. Mit zarter Stimme schlängelt er sich durch zauberhafte Melodien und lässt seinen facettenreichen Songs dabei immer genug Raum zum Atmen, Träumen und Nachdenken. Als wäre seine Musik ein Gruß an Leonard Cohen, Neil Young und Bob Dylan.
www.br.de/puls
Angela Aux gehört zu den großen Künstlern und Netzwerkern der bayerischen Subkultur
Süddeutsche Zeitung

Awkward i

ist das Pseudonym des holländischen Singer/Songwriters Djurre de Haan. Unter diesem Namen hat De Haan mittlerweile drei Alben veröffentlicht. Sein drittes Album KYD vereint das Beste der beiden Vorgänger-Alben, bindet den*die Zuhörer*in mit seiner bescheidenen Art des Humors ein, unkonventionell auf den Punkt gebrachte Überlegungen werden mit der Vorliebe, volltönigen Pop mit Lo-Fi Eigenartigkeiten zu mischen, in Einklang gebracht.

KYD

Von der Genialität der Namenswahl und dem Artikel direkt angesprochen war glasklar, so soll das nächstes Album heißen. „Ich wollte eine Art metaphorische Sprache verwenden, damit ich einfache, ja geradezu banale Momente, auf einem universelleren Level beschreiben kann. KYD erschien mir wie das richtige Wort dafür. Auf eine gewisse Weise ergibt alles Sinn, und irgendwie ist es auch vollkommen absurd.“ Man kann in den Alben von Awkward i immer einen thematischen Zusammenhang, einen roten Faden erkennen, doch bei KYD muss man sich eingestehen, dass manche Dinge außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

Vor circa fünf Jahren blickte De Haan in eine rosige Zukunft. Alles verlief nach Plan, mit spielerischer Leichtigkeit fügten sich Privat- und Arbeitsleben ins große ganze und alle Zeichen standen auf „go“. Gewitzte, scharfsinnige Texte sprudelten geradezu aus ihm heraus, und er konnte sich eine Nische als Theater- und Filmkomponist schlagen. Er entwickelte sich in einen vielseitigen, interdisziplinären Künstler, und blickte wie schon erwähnt, einer rosigen Zukunft entgegen.

Es zogen nicht nur düstere Wolken auf, für de Haan brach ein regelrechtes Gewitter los. Als erster fand er heraus, dass er ungeplant und ungewollt Vater wurde. Als er sich mit dem Gedanken des Vaterseins angefreundet hatte, erlitt seine Mutter einen Schlaganfall. KYD verkörpert de Haans Weg wieder die Kontrolle über sein eigenes Leben zu erlangen, und viel wichtiger noch, all die Lebensweisheiten, die sich unterwegs angesammelt haben. Sein nun noch reicher gewordener Erfahrungsschatz veranlasst ihn dazu, seinen trockenen, gewitzten Humor auf seinem neuen Album KYD auszuleben. Man kann bei KYD getrost von einem Triumph sprechen, es erfüllt alle Anforderungen eines großartigen Awkward i Albums und übersteigt noch die Erwartungen des*der Hörer*in.

Der erste Track, Milkshakes Funnelcakes, kann als kleiner Mikrokosmos der Welt von KYD betrachtet werden. Er beginnt mit einer Talfahrt zum ersten Geburtstag von De Haans Tochter, doch kämpft er sich wieder nach oben und steigt auf, als mitreißender existenzieller Kreuzzug unerschrocken vor einem großherzigen Ziel. Es kommt einem vor, als würde sich das Lied wie eine bestätigende Hand auf die Schulter legen, welche Hürden auch immer KYD aufwerfen wird, sie sind schon bewältigt und erscheinen mittlerweile nicht mehr halb so groß.

Im Nachhinein fühlt man sich von Milkshakes Funnelcakes so verzaubert, dass man beschließt, sein innerstes ein bisschen gründlicher zu erforschen. Manchmal ist man voller Mitgefühl, manchmal verwirrt, manchmal ist man in einer sehr, sehr düsteren Stimmung, doch man sollte sich nie zu sehr in diesen Befindlichkeiten aalen. Michiel ten Horn hat Regie beim Video zu Milkshakes Funnelcakes geführt und der berühmt-berüchtigte Straßenmusiker Matthew Silver spielt mit. De Haan hatte zuvor die Musik zu Ten Horns Filmen Aanmodderfakker und De Ontmaagding van Eva van End kreiert.

showcase.fm/awkwardi
www.facebook.com/AWKWARDi

FAZIT: DJURRE DE HAAN alias AWKWARD I ist mit ‚KYD‘ ein wunderbares Album gelungen. In verwandter Art hat nur die belgische Gruppe dEUS in den späten 90er-Jahren auf vergleichbar hohem Niveau musiziert. Große Empfehlung!
www.musikreviews.de

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