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29.11.2019 um 21:00 Uhr

Ankathie Koi

PROMINENT LIBIDO – Album-Release-Tour | Support: Maraskino | AUSVERKAUFT!

Musik ROTER SALON No. 123
Ankathie Koi am 29.11.2019 um 21:00 Uhr
Foto © Wolfgang Bohusch

Ankathie Koi kann die Tanzmaus, die feine Lady und den männermordenden Vamp, und doch geht es ihr nie darum, von einem Geschlechterstereotyp ins nächste zu wechseln. Auch Männer können hier Schwestern sein, zwei davon stehen Ankathie Koi bei ihren Live-Exzessen zur Seite. Postfeminismus? Ja, eh, nur meint der hier halt kein Freilos für ein achselzuckendes Anything Goes. Die liebste Rolle der Vokuhila-Trägerin mit dem Faible für extravagante Outfits ist ohnedies jene der Gender-Trouble-Makerin, wo sie mit keckem Grinsen den Macho aus ihrem Innersten kramt und auf die Bühne stellt. Natürlich ist das offen feministisch, nur halt ohne Dogmen und Regeln. Bis auf eine, sie lautet: Ned deppat sein! – Contemporary Porn Pop ist das Medium, das Maraskino mit seinen schillernden Erinnerungen befüllt, mit seinen Sehnsüchten und deinen Hoffnungen. Abseits klassischer Songstrukturen, soundgewaltig und eindringlich.

Koi Gang united!

Die nicht-männliche Libido wurde über Jahrhunderte hinweg alles andere als prominent gemacht. Dabei ist sie alive and well und durchaus bereit sich auszudrücken. Ankathie Koi perfektioniert auf ihrem zweiten Album PROMINENT LIBIDO ihr Spiel zwischen impliziten und expliziten Erzählungen. Dieses Manöver zieht sich durch – vom Titel, über die Lyrics, bis hin zum Albumcover. Letzteres gleicht einem Wimmelbild für Erwachsene, zeigt 35 Exemplare der Spezies Mensch nackt ineinander verschlungen, und als Krönung dieses Berges an Liebe eine goldene Ankathie Koi, die die Arme breitet.

Ein Blick auf die Tracklist verrät, dass Frauen hier mehr vertreten sind, als die übliche 30%-Quote hoffen lässt. Die Hörer*innen machen Bekanntschaft mit mindestens vier Frauen, die als Personen genauso existieren wie als Metaphern: die toughe Viktoria, die verführerische Adriana, die freiheitsliebende Anna, und die knallharte Business Woman Meilin (SHANGHAI MAZES). Alle davon sind hier als Sinnbilder zu verstehen – ihre Prominenz ist ein Remix aus Ankathies eigener Charakteristika und den Geschichten ihrer Verbündeten. Eine Gang, die sich gegenseitig fördert, sich solidarisch unterstützt und gemeinsam den Bullshit anderer nicht durchgehen lässt.

Der klassische Koi-Sound verortet sich bekanntlich grandios mitten in den grellen 80ern. Auf PROMINENT LIBIDO macht Ankathie aber gerne auch wilde Ausflüge in die nächsten Jahrzehnte. Während sich das letzte Album I HATE THE WAY YOU CHEW (2017) perfekt als treibender Tanzfilm-Soundtrack eignete, mischt sich nun auch eine Alternative-Pop-Attitude aus den 90s dazu. Randnotiz: Neunziger-Techno-Größe Patrick Pulsinger produzierte wie schon beim Vorgänger auch mehrere Titel auf PROMINENT LIBIDO. Zwischendurch channelt Ankathie Koi auch noch das hymnische Power-Pop-Feeling der Jahrtausendwende. Obwohl die 80er musikalisch und visuell viel hergeben: Ankathie Koi lässt sich eben nicht darauf reduzieren.

Passend zum Jahrzehnte-Mix hat sich Koi für dieses Album Bass und Drums noch differenzierter angenommen: Überwiegend wurden die Beats hier erstmals live eingespielt, was dem vielschichtigen Synthie-Sounds ein zusätzliches Upgrade gibt. Im Studio sagte außerdem Bilderbuch-Produzent Zebo Adam Hallo. Überhaupt arbeiteten ganze sieben Produzenten an der PROMINENT LIBIDO – neben den genannten auch Sam Irl, Julian Hruza, Manuel da Coll, Michael Schatzmann und Dominik Beyer.

Ein Blick auf die Lyrics des namensgebenden Tracks PROMINENT LIBIDO erklärt, woher Ankathie Koi ihre Muse nimmt:

My ol’ brain just collapsed inside
It happened down in Lido
I got robbed there, then I stopped there,
to show everyone my prominent libido

www.ankathiekoi.com

Support: Maraskino

An einem kantigen Tag.

Im Wahnsinn aus Unordnung, Verlangen und Unfug entstand ein Album. Dessen Veröffentlichung erfolgt als EP-Trilogie: KAPITEL I: GUSTO – begonnen in Mexiko, KAPITEL II: IRRITATION – ausgereift in Wien und KAPITEL III: UNSINN – irgendwo anders. Anfang 2018 reiste Julian Hruza nach Mexiko, um aus der Unerträglichkeit der Wiederholung für einen Moment auszubrechen, sich hinzugeben und Tacos lieben zu lernen. Wieder in Wien hat er sich vom Alltag packen und stimulieren lassen. Gemeinsam mit einer Riege von Kreativen hat er an Sounds gefeilt – und MARASKINO wurde zum Leben erweckt.

Es muss kitzeln. Zwischen den Ohren und zwischen den Beinen.

KAPITEL II: IRRITATION ist die Debut-EP. Begonnen wird mit dem zweiten Kapitel, da das Unangenehme auch immer der Auslöser für das sich in Bewegung setzen ist. Die EP ist ein Clubsoundtrack für zu Hause. Hier mischen sich die Genres ‚Spoken Word‘, Pop und Elektro mit Reminiszenzen an Acid Techno, Slow Tech, Happy Hardcore so wie Spuren von Dub. Julian Hruza ist das Herzstück und der Pulsgeber des Projekts, ein kompromissloser Narr im richtigen Moment. Seine eindringlich-bassige Stimme verführt und stimuliert, verfängt sich ab und an in Klischees. Seine Texte erregen Aufruhr, sind verdreht, optisch und bringen zum Schmunzeln. Eingebettet ist all das in treibende, lustvolle und mitunter verstörende Sounds. Bernhard Hammer (Elektro Guzzi, Buenoventura) fing jede dieser Stimmungen ein und erzeugte durch seinen unermüdlichen Schöpfungsdrang und seinen Ideenreichtum spektakuläre Klangwolken. Mit seinem breitgefächertem Musikwissen half Martin Schiske (Johann Sebastian Bass) beim Arrangement. Er führte Regie bei der Gesangsperformance und ließ den Synthesizer krachen. Am Schlagzeug und am Synth experimentierte mit einer geballten Ladung an Sensibilität Christoph Sztrakati (Julian & der Fux). Mit den richtigen Fragen schaffte es Sebastian „Zebo" Adam, die stimmigsten Lösungen zu finden – gleich einem Eukalyptus-Entspannungsbad nach einem harten Tag. Essentieller Teil des Projekts war und ist Jessica Gaspar, die Muse und Sparingpartnerin für Text, Musik und deren Wirkung.

Weitere Beteiligte dieser EP waren Lulu Schmidt, zu Gast bei DRÜCK MICH, mit ihrer markanten Stimme und ihrem Ideenreichtum, Daniel Schober (Gewürztraminer), Meister des Kontrabasses, der selbst, wenn er vom Stuhl fällt, lachend am Boden weiter spielt – ebenso Gast bei DRÜCK MICH. Zur Formvollendung der Platte waren zudem Bernhard Breuer (Elektro Guzzi) am Schlagzeug bei SASHIMI, Arthur Nutz (Elsa Tootsie and the Mini Band) an der Lapsteel bei NACKTSCHNECKE und Bernhard Rehn mit dem Modularsynthsolo bei OHNE HAUS vertreten.

All das zusammen ist ‚Contemporary Porn Pop‘. Contemporary wie das Jetzt mit all seinen Sehnsüchten und Ärgernissen, Porn wie klebrig überdreht und Pop wie eingängig und amüsant.

Julian Hruza

Hinter MARASKINO steht Julian Hruza. Er ist Labelgründer von jhruza records, dessen elektronische Klänge die Wiener Elektro-Szene seit 2010 mit Veröffentlichungen von Julian & der Fux, Ken Hayakawa, Ant Antic und MOTSA geprägt haben. Des Weiteren war Hruza eine Hälfte der Formation Julian & der Fux, die 2015 ihren ersten Langspieler VANILLE veröffentlichte. In den letzten Jahren arbeitete Julian Hruza außerdem als Produzent. 2016 co-produzierte er das Debüt-Album von Back to Felicity, 2017 die Debüt-Alben von PAENDA, Beat Poetry Club und Max Doblhoff. Anschließend machte er sich an sein Soloprojekt MARASKINO. Zuletzt arbeitete er mit Ankathie Koi an ihrem neuen Album.

www.jhruza.com/maraskino

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