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Robert Misik: HERRSCHAFT DER NIEDERTRACHT. EINE STREITSCHRIFT

Autorenlesung und Gespräch

Text
Robert Misik: HERRSCHAFT DER NIEDERTRACHT. EINE STREITSCHRIFT am 28.05.2019 um 20:00 Uhr
Foto © Hannah Inreiter
Dienstag
Studio
bestuhlt (freie Platzwahl)

Orban, Trump, Salvini, Strache, Kurz, aber auch Duterte auf den Philippinen oder Bolsonaro in Brasilien uva. – die radikale Rechte zieht in Regierungen ein. Sie ist das Produkt einer Klimakatastrophe, aber zugleich auch deren Radikalisierung. Regiert wird im autoritären Stil: Diffamierung der Opposition, Diffamierung der Zivilgesellschaft, Diffamierung von Nichtregierungsorganisationen, Diffamierung von Medien und Journalismus. Es ist die Herrschaft der Niedertracht, getragen von einer Sprache der Verachtung, die die Schleusen für alle geöffnet hat.

Warum wir so nicht regiert werden wollen!
Manifest, Weckruf, Wutausbruch – und luzide Diagnose.

Die politischen Klimavergifter sitzen seit mehr als einem Jahr in hohen Regierungsämtern – und verpesten das Land mit dem, was sie den ‚neuen Stil‘ nennen. Der Politik der doppelten Rohheit nämlich. Da ist die Rohheit von Sebastian Kurz‘ Yuppie-Prätorianergarde: Verachtung der Armen, Neidkampagnen gegen alle, die ohnehin wenig haben. Eine Gesellschaft als Kampfarena, in der jede*r gegen jede*n konkurrieren soll, und sei es nur um die Krümel, die die Gewinner*innen von den Tischen fallen lassen. Dieses Bild von der Wettkampfgesellschaft passt zur Niedertracht, die immer das Markenzeichen der FPÖ war: die Menschen in In- und Ausländer*innen, ein Wir und Sie zu spalten und sie gegeneinander aufzuhetzen. Die Rohheit ist in Amt und Würden, der Zynismus an der Macht.

Dabei ist es eine Angstkultur, die benutzt und ausgebeutet wird. Angst vor Abstieg. Angst, dass der Boden unter den Füßen nicht mehr sicher ist. Nur an dem, der an sicher selber denkt, ist gedacht: In einer Kultur, in der das als selbstverständlich gilt, wird die Angst zur Epidemie. Diese Angst ist der Rohstoff, aus dem die Politik der Niedertracht ihre täglichen Kampagnen schmiedet und ihre Gemeinheiten zusammenknetet. Politik mit Gefühlen, aber mit miesen.

Sebastian Kurz verkörpert die Kapitulation der Bürgerlichkeit und ihrer Werte von Anstand, Höflichkeit, Moral, Tugend, Liberalität, von Verantwortungsgefühl, zumindest minimaler Wahrhaftigkeit und christlicher Mildtätigkeit vor einer autoritären Hartleibigkeit. Indem er keinen anderen erkennbaren politischen Willen hat als den, die Verkörperung des Zeitgeists zu sein, was nur ein anderes Wort für den Willen ist, an die Macht zu kommen und zu bleiben, nützt er die rechtsradikale Radaupolitik als Hebel und unterwirft sich ihr im selben Moment. Weil er den Rechtsradikalismus besiegte, indem er ihn kopierte, lieferte er das Land seinem Geist aus und machte sich zum Gesicht des autoritären Nationalismus, egal welche rosig gefärbte Geschichte sich dieser Meister der Ränke, Schliche und der pfiffig-schlauen Drehungen im Stillen über sich selbst wahrscheinlich erzählen wird.

Robert Misik adressiert nicht die Herrschenden, nicht die Hassmechaniker*innen, Aufhusser*innen und Plünderer an der Macht. Sondern die Bürger*innen. Seine Botschaft ist einfach und eindringlich: Nehmt das nicht hin. Lasst Euch nicht einreden, dass das normal ist. Lasst Euch so nicht regieren!

Ein feuriges, sprachmächtiges „Ich klage an!“

Robert Misik

ist kritischer Denker, Theoretiker, Schriftsteller, Journalist & Blogger und lebt in Wien. Er schreibt regelmäßig in DER STANDARD, im Falter, für profil und die Berliner ‚tageszeitung‘. Seine Blogs finden sich unter www.misik.at und als ‚Misiks Meinungen‘ auf taz.de; seine wöchentliche Videoblog-Sendung ‚FS-Misik‘ auf derStandard.at.

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