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18.01.2020 um 21:00 Uhr

EsRAP | Kid Pex

Musik ROTER SALON No. 125
EsRAP | Kid Pex am 18.01.2020 um 21:00 Uhr
EsRAP © Daniel Shaked | Kid Pex © Michael Kendlbacher

Die Geschwister Esra und Enes Özem a.k.a. EsRAP brechen als Duo mit Geschlechterstereotypen. Im Gegensatz zur üblichen Rollenaufteilung steuert Esra die harten und schnellen Reime bei, während ihr Bruder Enes mit seiner feinfühligen Stimme die melodischeren Vokalparts übernimmt. Ihr im Sommer erschienenes Debütalbum nennt sich selbstbewusst TSCHUSCHISTAN und reflektiert das Aufwachsen zwischen türkischer Gastarbeiterkultur und Wiener Student*innenleben.

Seit 2005 macht Kid Pex, Wiener mit kroatischen Wurzeln, die Bühnen im In- und Ausland unsicher. Der ‚Jugoslawiener‘ ist mit seinem ‚Tschuschen-Rap‘ über die vielen Jahre eine Institution geworden und heute wohl einer der bekanntesten Namen der heimischen HipHop-Szene überhaupt. Längst steht er jedoch nicht mehr nur für das Migrantische im HipHop, sondern auch für die gemeinsame politische Rebellion gegen den Rechtsruck im Land. Widerstand ist hier nicht nur Programm, sondern auch Lebensstil. Kommt und erlebt eine seiner einzigartigen und energischen Live-Shows.

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EsRAP

Aufgewachsen im alten Wiener Arbeiterbezirk Ottakring haben die Geschwister Esra und Enes Özmen im HipHop das perfekte Medium gefunden, um Gehör zu finden und der eigenen Lebenswelt mit all ihren Konflikten Anerkennung zu verschaffen. Gemeinsam bilden die beiden das Duo EsRAP und beschäftigen sich in ihren gemischt deutsch/türkischen Texten mit Fragen der Identität, dem Fremdsein im eigenen Land als Kinder der dritten Generation, die am eigenen Leib erfahrene Notwendigkeit des Aufbegehrens, Rap als Widerstand und auch dem Frausein in der männerdominierten HipHop-Welt. Im Gegensatz zur üblichen Rollenaufteilung in dieser steuert Esra die harten und schnellen Reime bei, während ihr Bruder Enes mit seiner feinfühligen Stimme die melodischeren Vokalparts übernimmt. Musikalisch finden EsRAP Inspiration im türkisch-orientalischen Genre Arabeske, das sie gerne mit modernen Beats verbinden.

Nach vielen auf digitalen Kanälen veröffentlichten Tracks erschien in Juni 2019 ihr Debut-Album TSCHUSCHISTAN auf dem Berliner Label Springstoff. Im September folgte die EP FREUNDE DABEI, die gemeinsam mit der schrägen Balkan-Polka-Metal-Band ‚Gasmac Gilmore‘ produziert worden ist.

Die Livepräsenz von EsRAP ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Neben regelmäßigen Auftritten im gesamten österreichischen Bundesgebiet sind die beiden auch in Deutschland immer wieder live zu sehen bei Gigs in Berlin, Hamburg und im Ruhrpott. Zu den Highlights zählten die zweimalige Teilnahme an der Eröffnung der Wiener Festwochen (2018, 2019) und die beiden Auftritt beim Popfest (2018, 2019).

Esra Özmen wird 2020 gemeinsam mit Fuzzman das Wiener Popfest kuratieren.

www.tschuschistan.at
www.facebook.com/ESRAP.duo
www.instagram.com/esrapofficial
www.springstoff.de/artists/esrap
www.esrapduo.net

Auf nach TSCHUSCHISTAN!

Wien, Ottakring, im Frühsommer 2019. Österreich erlebt gerade turbulente politische Zeiten. Der Bann einer Regierung, die es sich offenbar zum Ziel gemacht hat, die Gesellschaft zu spalten um ungestört Sozialabbau betreiben zu können, scheint für den Moment gebrochen. Doch noch immer stehen jeden Donnerstag tausende Menschen auf der Straße um gegen eine Politik zu protestieren, die mit dem kurzzeitigen Abtreten einiger Akteure natürlich noch nicht zu Ende ist. Mittendrin sind EsRAP. Die beiden Geschwister Enes und Esra Özmen sind als Enkel der Gastarbeiter noch immer fremd im eigenen Land. Doch auch in der Türkei, der alten Heimat der Großeltern, sind sie nicht zu Hause, sondern werden bei Besuchen als Touristen wahrgenommen. Was bleibt ihnen also anders übrig, als sich auf nach TSCHUSCHISTAN zu machen, auf in die utopische Heimat für all jene, die keine haben und sich nirgends zu Hause fühlen.

EsRAP haben sich für dieses Album lange Zeit genommen, um ihre stilistische Bandbreite zu erweitern und die richtige Mischung zwischen traditioneller arabesker Musik und modernen Hip Hop Sounds zu finden. Gerade Nummern wie der Titeltrack TSCHUSCHISTAN oder das ungewöhnliche DUNYA VE ALEM zeigen eine neue, melancholische Seite von EsRAP. Oder einen feinen Sinn für Ironie, wenn sie mit Kid Pex über einen Beat von Testa in der Nummer KIDS OF DIASPORA ihren Tschuschen-Style abfeiern und die popkulturelle Gentrifizierung durch Hipster-Shit dissen. Doch bei aller Kritik am System und den Zuständen im Allgemeinen verstehen es die beiden weiterhin zu feiern und Party zu machen, zu sehen in den letzten beiden Videos KABADAYI und PARA QUEEN. Keine Sorge TSCHUSCHISTAN ist und bleibt ein Land der Lebensfreude! Der Tschusch ist immer da, bleibt es auch und die Tage werden besser!

Esrap machen mit diesem Release einen großen Entwicklungsschritt, auch wenn sie sich noch nicht ganz festlegen wollen, in welche Richtung ihre Musik gehen soll. Es fühlt sich jedenfalls danach an, als hätte Wien einen weiteren fixen Rap-Act im Repertoire, von dem es hoffentlich regelmäßigere Releases geben wird.
the gap (thegap.at/esrap-tschuschistan-album/

Kid Pex

Seit 2005 macht der Wiener mit kroatischen Wurzeln die Bühnen im In- und Ausland unsicher. Der ‚Jugoslawiener‘ Kid Pex ist mit seinem ‚Tschuschenrap‘ über die vielen Jahre eine Institution geworden und heute wohl einer der bekanntesten Namen der heimischen HipHop-Szene überhaupt. Längst steht er jedoch nicht mehr nur für das Migrantische im Hip Hop, sondern auch für die gemeinsame politische Rebellion gegen den Rechtsruck im Land. Immer wieder rappt er auf Demos, Kundgebungen und wird in Polit-TV-Diskussionsshows eingeladen. Seine politischen Singles sorgten jedenfalls immer wieder für ordentlich viel Wirbel im ganzen Land: Norbert Hofer twitterte gegen ihn, Ursula Stenzel bezeichnete ihn als ‚grausam‘ und Andreas Gabalier rief sogar Polizei und Anwälte wegen seiner Reimkunst. Kein Wunder, dass ‚Drahdiwaberl‘- und Falco-Bandmitglied Bernhard Rabitsch ihn als ‚Stefan Weber des Raps‘ bezeichnet hat und Aktionist*innen von damals, aber auch der legendäre Hermes Phettberg in seinen Videos zu sehen sind.

Für die einen ist er das ‚linksradikale Enfant terrible‘ der österreichischen HipHop-Szene, für die anderen ein loyaler Genosse, Homie und Rebell, auf den immer wieder Verlass ist: Kid Pex hat nicht nur einmal eine hohe Gage abgelehnt und den Auftritt verweigert, als er erfuhr, dass Rechtspopulist*innen im Publikum sind oder globale Konzerne ihre Finger mit im Spiel haben. Widerstand ist hier nicht nur Programm, sondern auch Lebensstil.

www.facebook.com/kidpexno1
twitter.com/kid_pex

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