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20.09.2022 um 19:30 Uhr

WIR SIND HUNDERT von Jonas Hassen Khemiri

Theater Eine Koveranstaltung mit theater.direkt
WIR SIND HUNDERT von Jonas Hassen Khemiri am 20.09.2022 um 19:30 Uhr
Bild © Arthur Zgubic
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Eine Revolutionärin, eine sicherheitsliebende Hausfrau und eine Sinnsuchende erzählen uns ihre so unterschiedlichen Lebensgeschichten aus ihrer jeweiligen Perspektive. Dabei stolpern sie über Widersprüchlichkeiten und Sollbruchstellen, die ihre Identitätskonstruktionen hinterfragen lassen. Die Frauen – eine Jüngere, eine Mittlere, eine Ältere – ringen um die richtige Darstellung ihres Lebens, sie kämpfen um die Vorherrschaft auf der Bühne, sie reden um ihr Leben. Jonas Hassen Khemiris Text nimmt sich grundlegende Fragen der Identitätssuche vor. Gewohnt wortgewaltig und pointiert spürt Khemiri den Brüchen und Widersprüchen in uns allen nach und entdeckt Risse, die unsere Konstruktion von Identität schmerzhaft in Frage stellen.

Gibt es ein sinnerfülltes Leben, einen Masterplan, ein Lebenskonstrukt, an dem wir uns festhalten können? Eine verlässliche Anleitung für soziales und politisch faires Handeln, befreit von Zweifeln darüber? Oder die eine mustergültige und alles befriedigende Daseinsreflexion oder Beziehung, die uns Casting-Shows vorhalten und Partner*innen-Onlineplattformen suggerieren, auf denen wir uns schon bald mit Avataren austauschen?

Verschiedene Facetten ein und desselben Ichs unserer multiplen Persönlichkeit bemühen sich im ständigen Wettstreit um nichts Geringeres als um die Wahrheitserkundung des vermeintlich richtigen Lebens nach Glück und Geborgenheit. Sind diese drei Frauen womöglich nur ein wir, im Widerstreit mit sich selbst? Amplituden ein und desselben Ichs zwischen Traum, Utopie, Erfüllungssehnsucht, goldgerahmter Erinnerungen und schmerzhafter Realität? Oder implizieren sie sogar Träume anderer in unserer fragilen, unberechenbaren und schnelllebigen Zeit? „Wir werden ja nur sterben“, heißt tröstend lapidar die finale Replik des Textes.

Jonas Hassen Khemiri stellt jedenfalls grundlegende, hochaktuelle Fragen zu unserer gegenwärtigen Identitätssuche mit entlarvenden Humor und dramaturgischer Raffinesse in postdramatischer Dekonstruktionsästhetik.

  • Schauspiel Elisabeth Breckner, Julienne Pfeil, Bianca Farthofer
  • Raum und Kostüme Arthur Zgubic
  • Inszenierung Viktoria Pichler
  • Dramaturgie und Produktionsleitung Michael Kolnberger

Über den Autor

Der 1978 in Stockholm als Sohn einer schwedischen Mutter und eines tunesischen Vaters geborene Jonas Hassen Khemiri studierte Wirtschaftswissenschaften in Paris und Literaturwissenschaft in seiner Heimatstadt und debütierte mit 25 Jahren mit dem vielbeachteten Roman in Tagebuchform DAS KAMEL OHNE HÖCKER, das in der deutschen Übersetzung so viel wie „ein Mensch ohne Sprachkompetenz“ bedeutet. Mit viel Ironie und subtilem Humor beschreibt er darin wohl auch seine eigenen interkulturellen Erfahrungen. Der Text erschien im Wandel der schwedischen Gesellschaft von einem liberalen Land zum Erstarken nationaler und fremdenfeindlicher Bewegungen. Seine bislang vier Romane wurden in viele Sprachen übersetzt und prämiert. Die Zuerkennung wichtiger Literaturpreise des Landes, der ‚Per-Olov-Enquist-Preis‘ (2006) und vor allem der ‚August-Preis‘ (2015) verschaffte ihm ein einjähriges Schreibstipendium in Berlin.

In den deutschsprachigen Ländern ist der kulturelle Grenzgänger vor allem durch sein dramatisches Werk bekannt. Seine Theaterstücke INVASION!, ICH RUFE MEINE BRÜDER AN und WIR SIND HUNDERT sind bei Rowohlt verlegt und an großen Theatern gespielt worden.
Jonas Hassen Khemiri ist einer der Co-Autoren*innen der Adaption von Schnitzlers REIGEN bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm.
www.khemiri.se

WIR SIND HUNDERT erschien 2011 in deutscher Übersetzung und wurde ein Jahr später am deutschen Schauspielhaus Hamburg erstaufgeführt.

 

Elisabeth Breckner

Elisabeth Breckner ist 1971 im siebenbürgischen Rumänien geboren. Sie erhielt ihre Schauspielausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen. Ihre Engagements führten sie über Recklinghausen, Essen, Münster und Koblenz nach Wien und Salzburg, wo sie auch eine Ausbildung zur elementaren Musik- und Bewegungspädagogin am Mozarteum absolvierte. Nach ihrem siebenjährigen Engagement am Toihaus Theater arbeitet sie als freie Schauspielerin. Sie unterrichtet zudem Schauspiel und Sprechtechnik am Musikum Hallein.
In der ARGEkultur war sie u.a. in folgenden Stücken zu sehen: NACHWEHEN von Mike Bartlett (2019), DIE HUMANISTEN/ALL THE SILENT LADIES (E. Jandl / L. Naumann, 2021), AUSTROPOPO – WEIL’S NED WURSCHT IS (kollektiv KOLLINKSI, 2021), TIEF IN EINEM DUNKLEN WALD von Neil LaBute (2021).

Bianca Farthofer

Bianca Farthofer ist in Salzburg geboren und aufgewachsen. Nach Abschluss ihres Wirtschaftspsychologiestudiums absolvierte sie ihre Schauspielausbildung an der Schauspielakademie Salzburg, welche sie im Frühjahr 2022 abschloss. Bereits während Ihrer Ausbildung war sie in zahlreichen Kinder- und Jugendstücken wie KRABAT, DER SCHÜLER GERBER oder DER RÄUBER HOTZENPLOTZ, sowie im Musical THE BLACK RIDER im Schauspielhaus Salzburg zu sehen.

Julienne Pfeil

Julienne Pfeil ist in Appenzell in der Schweiz aufgewachsen. Seit 2014 lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Salzburg. Sie war festes Ensemblemitglied am Salzburger Landestheater und dort unter anderem als ‚Lady Milford‘ in KABALE UND LIEBE, ‚Elisabeth‘ in DON CARLOS und ‚Lena‘ in LEONCE UND LENA zu erleben. Seit 2018 ist sie vermehrt auch für Film und Fernsehen tätig. So drehte sie zum Beispiel für DER BERGDOKTOR und HUBERT OHNE STALLER und verkörperte im international besetzten Film über Richard Wagner THE ZURICH AFFAIR die Rolle der Minna Wagner.

Viktoria Pichler (Inszenierung)

Viktoria Pichler wurde 1978 in Salzburg geboren und studierte Handelswissenschaften und Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Absolvierung eines Lehrgangs für Theaterdramaturgie, ebenfalls in Wien, bereitete ab 2007 die Grundlage für erste Theatererfahrungen im gesamten deutschsprachigen Raum, unter anderem an der Universität Mozarteum Salzburg – Abteilung Schauspiel und Regie, dem Schauspielhaus Salzburg, Theater Basel, Schauspielhaus Graz, Staatstheater Hannover und dem Schauspiel Köln, unter anderem bei Christiane Pohle, Karin Henkel und Lars-Ole Walburg. Am Landestheater Linz trat sie ein Festengagement für drei Jahre als Regieassistentin im Schauspiel an und inszeniert dort 2014, nach mehreren freien Projekten in Linz, Wolfgang Bauers' MAGIC AFTERNOON. Seit 2017 ist sie temporäre Mitarbeiterin im Schauspiel der Salzburger Festspiele, wo sie unter anderem als Produktionsleiterin die Stücke PENTHESILEA mit Jens Harzer und Sandra Hüller (Regie: Johan Simons) und im Jubiläumsjahr 2020 die Uraufführung von Peter Handkes ZDENĚK ADAMEC (Regie: Friederike Heller) begleitete. Als Regisseurin realisierte sie zuletzt im Oktober 2021 DRITTE REPUBLIK (EINE VERMESSUNG) von Thomas Köck auf der Festung Hohensalzburg sowie 2020 SCHWEDENREITER nach dem Roman von Hanna Sukare als Monolog für einen Schauspieler im Museum der Moderne Salzburg/Rupertinum. WIR SIND HUNDERT wird ihre elfte Inszenierung sein. Weitere Inszenierungen entstanden an der Deutschen Bühne Ungarn, dem Toihaus Theater Salzburg und anlässlich der ‚Open Stage‘ am Schauspielhaus Graz sowie in der freien Szene in Linz während ihres Festengagements am dortigen Landestheater.

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