GEOMETRIEN I: SPIEGELUNGEN. NAMES feat. Schallfeld am 29.4.2026 um 19:30 Uhr
Bild © Marco Döttlinger

GEOMETRIEN I: SPIEGELUNGEN. NAMES feat. Schallfeld

Musik Eine Koveranstaltung mit 'NAMES - New Art and Music Ensemble Salzburg'

Im ersten Teil der Konzertreihe GEOMETRIEN begegnen sich das Ensemble NAMES – New Art and Music Ensemble Salzburg und das Grazer Schallfeld Ensemble in einer besonderen Kooperation. Die beiden Ensembles sind einander spiegelbildlich auf der Bühne angeordnet und nehmen räumliche ebenso wie nicht-räumliche Ordnungen zum Ausgangspunkt für klangliche, relationale und performative Erkundungen.

Im Zentrum des Programms stehen zwei Uraufführungen. Ein neues Werk von Filippo Perocco setzt sich mit Fragmenten, Überresten und Momenten der Prekarität auseinander. Ausgehend von Robert Schumanns Briefen aus Endenich untersucht die Komposition eine Bewegung hin zu einem 'Nullpunkt', an dem das Zurückgebliebene einer musikalischen Essenz möglichst nahekommt. Ergänzt wird das Programm durch eine multimediale Komposition von Sara Stevanović, die auf musikalischer Ebene Konzepte wie Ähnlichkeit, Entsprechung und ein ideal ausbalanciertes Gleichgewicht erforscht.

Mit freundlicher Unterstützung von Stadt Salzburg, Land Salzburg, dem BMKBMS und der Ernst von Siemens Musikstiftung

PROGRAMM

Sara Stevanović TRILOGY (2026) - UA
Teil 1 - we ran out of time
Teil 2 - he loves me, he loves me not
Teil 3 - gaslighting 01

Filippo Perocco ARIOSA CALCE (2026) - UA

Ensemble NAMES

  • Marina Iglesias Flöten
  • Marco Sala Klarinetten
  • Alexander Bauer Orgel
  • Anna Lindenbaum Geige
  • Manuel Schager Violoncello
  • Matthias Leboucher Klavier

Ensemble SCHALLFELD

  • Zinajda Kodrić Flöten
  • Felix Martl Klarinetten
  • Mirko Jevtović Akkordeon
  • Lorenzo Derinni Geige
  • Myriam García Fidalgo Violoncello
  • Davide Gagliardi Klangregie & Live-Elektronik
  • Unter der Leitung von
    Leonhard Garms

Programmtexte

Sara Stevanović TRILOGY (2026)

Jeder Teil der Trilogie beschäftigt sich mit einer Reihe von Ereignissen, die die absurde Logik der aktuellen Regierung Serbiens, bzw. der herrschenden Partei, auf den Punkt bringen. Aus vielen möglichen Beispielen wurde eine Auswahl getroffen, die sich an der Dringlichkeit und an den Ereignissen orientiert, die zum Zeitpunkt des Schreibens (Ende 2025 - Anfang 2026) besonders präsent waren.

Teil 1 - we ran out of time
In einer Zeit voller globaler Krisen, und mehr als ein Jahr nachdem der anhaltende Protest der Bevölkerung gegen die autoritären Praktiken der herrschenden Partei begonnen hat, wird im Zentrum von Belgrad eine vierseitige Uhr aufgestellt: handgemacht, einzigartig, und doch irgendwie losgelöst von der Realität, die sie umgibt. Gleichzeitig berichten parteikontrollierte Medien fast ausschließlich über dieses Objekt, geben ihm übermäßig viel Aufmerksamkeit und drängen wichtigere politische und gesellschaftliche Themen in den Hintergrund. So entsteht eine subtile Verschiebung, die noch deutlicher wird, als die Uhr aus dem Takt gerät und schließlich komplett von selbst ausfällt.
In diesem Kontext setzt sich der kontinuierliche Rückgang der Medienfreiheit in Serbien fort. Die Situation ist geprägt von zunehmender Gewalt gegen Journalist*innen, fehlender Konsequenz für die Täter*innen und starkem politischem Einfluss auf große Teile der Medienlandschaft. Informationen werden immer stärker vereinheitlicht und kontrolliert, während unabhängiger Journalismus nur noch am Rand existiert, in einem System, das Loyalität belohnt und Selbstzensur fördert.

Teil 2 - he loves me, he loves me not
Er liebt mich, er liebt mich nicht ist ein bekanntes Spiel, bei dem man Blütenblätter, meistens von einer Margerite, abzupft, um symbolisch herauszufinden, ob die eigenen Gefühle erwidert werden. Dieses scheinbar harmlose Ritual dient hier als Metapher für die ambivalente Beziehung der serbischen Regierung zu ausländischen Investor*innen, in diesem Fall insbesondere im Umgang mit chinesischen Investor*innen.

BLATT EINS - die Förderung industrieller Entwicklung durch den Ausbau von Robotikproduktion, Lithiumabbau und den Bau großer Fabriken.
BLATT ZWEI - die systematische Schwächung oder vollständige Abschaffung von Umweltvorschriften zugunsten ausländischer Investor*innen, was zur Kontamination von Grundwasser, Luft und Böden mit Schwermetallen und verwandten Schadstoffen führt.
Eine solche Umweltzerstörung hat mehrere Städte im Süden Serbiens sowohl für menschliches als auch für nicht-menschliches Leben unbewohnbar gemacht bzw. toxisch belastet und trägt unter anderem zu einem signifikanten und dokumentierten Anstieg der Krebsraten in den letzten Jahren bei.

Part 3 - gaslighting 01
Gaslighting ist eine Form psychologischer Manipulation, bei der eine Person oder Institution gezielt Zweifel an der Wahrnehmung, Erinnerung oder am Realitätssinn einer anderen Person erzeugt. Dieser Prozess umfasst häufig das Leugnen tatsächlicher Ereignisse, die Verzerrung von Informationen, die Verharmlosung emotionaler Reaktionen sowie die Umkehr von Schuldzuweisungen und führt letztlich zu Verwirrung und Abhängigkeit. Im Laufe der Zeit kann eine solche Manipulation Angst verstärken, Selbstzweifel vertiefen und eine Abhängigkeit von der manipulierenden Instanz erzeugen, die darüber bestimmt, was als Wahrheit anerkannt wird. Der Begriff stammt aus dem Film GASLIGHT (1944), in dem ein Ehemann seine Frau allmählich davon überzeugt, dass sie den Verstand verliert, indem er die Gaslichter subtil dimmt und sichtbare Veränderungen bestreitet.
Das Zuspiel enthält die Stimme von Aleksandar Vučić, dem derzeitigen Präsidenten Serbiens.

 

Filippo Perocco ARIOSA CALCE (2026)

When I first started to think about this piece, the scenario with which I needed to be in deep connection was clear. That’s something not usual for me. Sometimes a piece brings you into a different place. At the same time, the possibility to write for this quasi-specular instrumentation, which combines classical instruments with other peculiar instruments and electronics, has been an important impulse, evoking centuries-old structures about the use of sound and space.
This new piece arose while reading some of Robert Schumann's documents, such as letters written from Endenich, some excerpts from Diaries, as well as playing some of his piano music. Above all, for this specific piece, Arabesque, where an unceasing and cyclical cantabile lyricism draws hidden worlds written with invisible ink, had an exceptional impact. Here the unconscious musical world is fragmented, interrupted and seems pulsating, wavering.
In Schumann’s words, as in his music, there seems to be a tension towards the “zero degree” in which the residue, the debris and inner voices try to get as close as possible to the essence.
Music as a “non-everything”. A speaking unconscious and a silent unconscious, capable of rejecting every certainty.
In my score there are no evident quotes, but somehow a circular presence of a redundant sound world persists, almost like a teeming vocal and anti-muscular constellation. Like grooves and breaths on lime. A Fresco that preserves hidden voices.
I usually prefer to imagine and think of a sound through a sort of astigmatism, to think of it as an eroded profile, an 'awaiting' or residual object.
I never seek, even in music, athleticism: I’m interested in the ability to surpass any form of muscularity, evidence or typicality.
So, as far as I am concerned, it is not a matter of which object is being used but a matter of the possibility of representing and reading it in a continually renewed way, avoiding the 'comfortable’, ordinary, familiar approach, paradoxically giving up the confidence in making music.
When confidence overcomes doubt, a fundamental aspect starts missing: this, in my opinion, has the same value as the conventional parameters of acoustic phenomena. Every thing, seeming similar to another, is extremely unique, authentic, and lives in the inner voice of each musician.
A tactile sound approach, made of redundant chant, of porous, tense and bustling sound. A teeming litany (or memory) where my usual “worms” recur: the debris, the “nenia”, the precariousness.
Filippo Perocco

NAMES - New Art and Music Ensemble Salzburg

NAMES – New Art and Music Ensemble Salzburg ist ein 2014 gegründetes Salzburger Ensemble für zeitgenössische Musik. Mit dem Ziel den Musikbegriff zu bereichern, versuchen die zehn Musiker*innen, welche aus sieben unterschiedlichen europäischen Ländern kommen, verschiedene Formen zeitgenössischer Kunst in ihren Programmen und Konzepten zu vereinen. Hierfür arbeiten sie mit verschiedensten Künstler*innen unterschiedlichster Disziplinen zusammen (Performance, Tanz, Videokunst, Literatur…). Ein spezieller Fokus liegt hierbei auf elektronischer bzw. elektroakustischer Ensemble- und Kammermusik.
Als eines der aufstrebenden Ensembles Österreichs kann NAMES auf vielerlei internationale Konzertaktivitäten zurückblicken (z.B. Wien Modern, Aspekte, Dialoge Festival, Mixtur Barcelona, Druskomanija Litauen, Crossroads Festival, Daegu Contemporary Festival, Primavera Verona, Schönberg Center Wien, aDevantgarde München, KlexosLab New Music Festival Plasencia, Spanien).
Das Ensemble versteht sich als Kollektiv, wobei alle künstlerischen und wirtschaftlichen Entscheidungen gemeinsam entwickelt und getroffen werden. Durch die Kombination von musikalisch hochwertiger Kammermusik und dem Verlangen nach ästhetisch reizvollen Erfahrungen versteht sich NAMES als ein experimentelles Labor für Liebhaber*innen neuer Klänge und Konzepte. NAMES wurde mit dem Ensembleförderpreis 2023 der Ernst von Siemens Musikstiftung ausgezeichnet.
www.names-ensemble.com
www.instagram.com/newartandmusicensemblesalzburg/
www.facebook.com/ensemblenames

Schallfeld

Schallfeld ist ein internationales Ensemble für zeitgenössische Musik mit Sitz in Graz. Die Gruppe begeistert durch Virtuosität und Klangsensibilität mit einer besonderen Aufmerksamkeit für Konzertformate, die sich mit den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten kreativ auseinandersetzen und eine neue Dimension des Hörens eröffnen. Schallfeld wurde 2013 von Alumni des Klangforum Wien gegründet. In der künstlerischen Programmation spiegeln sich die Diversität und Interessen seiner Mitglieder, derzeit Musiker*innen aus acht verschiedenen Ländern, wieder. Aufmerksamkeit erregt das Ensemble sowohl durch spannende Programmgestaltung mit Fokus auf junge Komponist*innen und innovative Konzert-Inszenierungen, als auch durch seine Arbeit mit Live-Elektronik und kollektiven Improvisationen.
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