CONTROL VS. COMMONS
Planspiel zur Zukunft des freien Wissens im Netz | Mit Bernhard Hayden, Paul Feigelfeld, Katja Mayer, Bettina Pospisil und Nina Müller
Politische Einflussnahme und geopolitische Konflikte, die Dominanz der großen Tech-Konzerne und Plattform-Monopole, Data-Mining und Überwachung, Desinformation und Zensur – die Liste der Bedrohungen, denen freies Wissen im Netz ausgesetzt ist, ist lang. Jenseits von Ohnmachtsgefühlen, die eine*n hier bisweilen beschleichen mögen, gibt es aber eine Fülle an demokratischen, zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen technologischen Praktiken und Gegenmodellen, welche die offene Wissensproduktion fördern und die gesellschaftliche Teilhabe daran erweitern. Welchen Weg wollen wir also einschlagen: Control oder Commons?
In vier Tischgesprächen mit Expert*innen aus Wissenschaft, Technologie und Zivilgesellschaft erarbeiten wir gemeinsam Ideen, Strategien und Szenarien, mit denen die offene Wissensgesellschaft weiterentwickelt und gesichert werden kann.
Die Auftaktveranstaltung des diesjährigen DIGITAL SPRING nähert sich dem Themenfeld diskursiv wie spielerisch: Ein Impulsvortrag von Bernhard Hayden (Wikimedia Österreich) verschafft einen Überblick über die zahlreichen technischen, ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Gefahren und Herausforderungen für freies Wissen im Netz.
- Mit Bernhard Hayden, Paul Feigelfeld, Katja Mayer, Bettina Pospisil und Nina Müller
- Moderation Sebastian Linz
- Musikalische Begleitung Theolonius Hamel
Alle Einnahmen werden an Wikimedia Österreich gespendet. Weitere Spenden sind unter wikimedia.at möglich.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation der ARGEkultur mit ProEuropeanValuesAT.
ProEuropeanValuesAT macht die Grundwerte der EU im Alltag erlebbar – sichtbar auf der Straße, spürbar im Dialog, digital im Netz. Zivilgesellschaftliche Projekte, die Grundrechte stärken, Desinformation entgegenwirken und die Demokratie mit neuen Ideen bereichern, werden gestärkt. Das Ziel von ProEuropeanValues: Eine starke, widerstandsfähige Zivilgesellschaft – als Gegenkraft zu Spaltung, Populismus und dem Verlust gemeinsamer Standards.
Foto © CC BY-SA Lena Holzerbauer
Impuls
Bernhard Hayden ist Vorstandsmitglied von Wikimedia Österreich und verantwortet dort die Bereiche Policy, internationale Vernetzung sowie die Jugendstrategie. Bereits früh engagierte er sich im digitalen und netzpolitischen Umfeld, zunächst bei der Piratenpartei in Wien und Brüssel, später bei epicenter.works, wo er als Urheberrechtsexperte tätig war. Nach dem Studium der Migrationswissenschaft an der Universität Malmö kehrte er nach Wien zurück und widmete sich verstärkt den Themen Urbanismus und Beteiligung. Seit 2023 betreut er im Rahmen des Projekts #WirMachenWien lokale Initiativen, die sich für mehr Grünraum, eine bessere Rad- und Fuß-Infrastruktur sowie eine klimagerechte Stadt einsetzen.
Foto © Irina Gavrich
Governance & Regulierung des freien Wissens (Tisch 1)
Prof. Dr. Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler. Er ist Professor für Digitalität und kulturelle Vermittlung und Teil des Instituts für Open Arts an der Universität Mozarteum Salzburg, sowie Co-Direktor des Data Arts Forum. 2021-23 war er Professor für Wissenskulturen im Digitalen Zeitalter am Institut für Designforschung der HBK Braunschweig und bis 2025 Gastprofessor am Lehrstuhl für Medientheorien der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Arbeit erforscht transkulturelle und transmediale Ansätze zur Medien- und Wissensgeschichte, kritische Perspektiven auf Technologien und deren (Dis-)Funktionen in Politik, Gesellschaft, Ökologie und Kunst. Er kuratiert Ausstellungen und berät Kunstinstitutionen wie das HKW Berlin, Vitra Design Museum und das MAK Museum für Angewandte Kunst Wien, wo er Gastkurator der Vienna Viennale 2019 mit UNCANNY VALUES – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ & DU war.
Foto © Von Ralf Rebmann - Wikimedia Deutschland, CC BY-SA
Technologische Commons & offene Infrastrukturen (Tisch 2)
Dr. Katja Mayer ist Soziologin an der Universität Wien. Ihre Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft, insbesondere mit Open Science, offenen Forschungsdaten und Künstlicher Intelligenz. Sie leitet internationale Forschungsprojekte und war 2018 Berichterstatterin für die Open Science Mutual Learning Exercise der Europäischen Kommission. Zuvor arbeitete sie in der IT Branche und als Forschungsberaterin beim Europäischen Forschungsrat. Neben Forschung und Politikberatung engagiert sie sich in der Lehre zu Critical Data Studies und offenen Forschungspraktiken. Derzeit finalisiert sie als Ko-Editorin einen Sammelband zum Thema ‚Politics of Open Infrastructures‘, der Ende 2026 bei Open Book Publishers erscheint.
Foto © Walter Skokanitsch
Resilienz gegen Desinformation & Datenmacht (Tisch 3)
Bettina Pospisil absolvierte 2017 den Master of Arts am Department für Soziologie an der Universität Wien. Als Junior Researcher arbeitete sie bereits an der Alpen Adria Universität Klagenfurt sowie an der Wirtschaftsuniversität Wien. Im Rahmen der Beschäftigung an der Donau-Universität Krems wirkte sie bereits in mehreren geförderten Projekten (ÖAW, FFG, Land NÖ etc.) zum Thema Cybersicherheit mit. Beispiele dafür sind die Projekte ‚Cyber Sicherheit für zukünftige Verkehrssysteme‘ und ‚Angriffsresiliente IoT-basierte Sensoren in der Heimautomation‘. Im Rahmen eines Forschungsprojektes erhielt Bettina Pospisil zusammen mit einer Kollegin den Niederösterreichischen Innovationspreis 2017. Seit 2024 ist Bettina Pospisil Leiterin (PI) des drittmittelfinanzierten Forschungsprojektes ‚Young Citizen Scientists against Disinformation‘ (GFF NÖ). Dieses ermöglichte ihr nicht nur Einblicke in die Bürger*innen-Beteiligungsforschung mit Schüler*innen und deren Perspektive auf das Thema Desinformation, sondern auch in verschiedene Wissensaustauschformate wie Podiumsdiskussionen, Forschungsfestivals, Fernsehauftritte und Workshops. Bettina Pospisils Forschungsschwerpunkte liegen in den Themenbereichen Sicherheitsforschung mit Fokus auf Desinformation sowie der Wissenschafts- und Technikforschung (STS).
Foto © Fraunhofer IESE
Digitale Teilhabe & Community-Modelle (Tisch 4)
Nina Müller arbeitet als Smart City Engineer in der Abteilung ‚Smart City Design‘ in der Hauptabteilung ‚Digital Innovation & Smart City‘ am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern. Sie absolvierte ihr Studium der Raumplanung und Stadt- und Regionalentwicklung an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (vormals Technische Universität Kaiserslautern). Von 2018 bis 2020 arbeitete sie bei ‚Drees & Sommer‘ als Projektmanagerin im Hochbau, mit dem Schwerpunkten Architektenwettbewerbe und Vergabeverfahren, Machbarkeitsstudien und Nutzerbedarfsplanung, Schulbau sowie Projektsteuerung. Danach war sie im interdisziplinären Forschungsprojekt ‚Ageing Smart‘ an der RPTU Kaiserslautern-Landau tätig. Hier forschte sie anderthalb Jahre zu den Themen ‚Decision Support Systeme‘, internationale Planung, Entscheidungsunterstützung und Überalterung. Seit Herbst 2022 bringt sie ihre Erfahrungen und Expertise am Fraunhofer IESE ein. Hier arbeitet sie an der Schnittstelle zwischen Softwareengineering und Anwendungsfeldern in Städten, Regionen und Gemeinden. Dabei beschäftigt sie sich vor allem mit Urbanen digitalen Zwillingen, als Lead des Forschungsteam UDZ sowie dem sinnvollen Einsatz von KI in Kommunen. Hier ist sie auch als Sprecherin des AK ‚KI in Kommunen‘ beim NEGZ aktiv. Ihr Projektschwerpunkt liegt in der Koordinierungs- und Transferstelle des Förderprojekts ‚Modellprojekte Smart Cities‘ für das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).
Foto © Faiz Pujo
Musikalische Begleitung
Thelonius Hamel ist Komponist, Klangkünstler und Sound Artist, der derzeit zwischen Salzburg und dem Chiemgau lebt. Er arbeitet mit elektroakustischen Klangräumen, Resonanzsystemen und Live-Improvisation. Thelonious Praxis verbindet Klarinette, modulare Elektronik und selbstgebaute Instrumente zu immersiven Klangumgebungen. Sein künstlerisches Schaffen zielt stets darauf ab, den Raum und die Umgebung als Resonanzfeld zu erkunden, zu hinterfragen und durch Musik Brücken zu bauen. Musik versteht er als einen Prozess, in dem der Künstler zurücktritt, um Raum für die Zuhörenden zu geben. Hamels organisch-experimenteller Stil verbindet elektroakustische Musik, Sounddesign und Klarinette zu einem fließenden Austausch der Reflektion durch Hören ermöglicht.
thelonioushamel.de