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05.10.2006 um 20:00 Uhr

Clerici, Haiger, Nowak, Paschke: 4 nach 40

Eine tragikomische Posse mit Gesang zwischen dem 40. und 41. Stockwerk.

ARGE kabarett

Nach der begeisterten Salzburg Premiere im Februar treffen sich erneut zwei Paare pointensicher in der Midlife-Crisis – und im Aufzug.

In Wien bleibt ein Lift stecken. Zwischen dem 40. und 41. Stockwerk des einzig nennenswerten Bürohochhauses mit angeschlossenem Einkaufszentrum. In der Liftkabine eingeschlossen sind zwei Damen und zwei Herren, die nichts, aber eines doch gemeinsam haben: Alle Vier wurden vor kurzem Vierzig: Natürlich gibt es für frischgebackene Vierzigjährige keinen Grund, depressiv zu werden, nur, weil man für 68 zu jung war und für 69 bald zu alt sein wird. Allerdings gibt die klaustrophobische Situation zwischen Himmel und Erde doch zu denken. Und weil die vier nicht die Gelassenheit des Bundeskanzlers haben, kommt es zu ekelhaften Szenen voller Emotionalität, Sinnsuche, Lebens- und Todesangst. Die Zuschauer werden Zeugen einer zwanghaft ablaufenden Gruppenselbsttherapie mit ungewissem Ausgang.

Die Personen und ihre Darsteller

Steffi PASCHKE ist …
Mag. Elvira Tempsky, erfolgreiche Marketingstrategin, wollte eigentlich in den 48. Stock zu einem Nobeljuwelier, Trauringe kaufen. Doch ihr Langzeitverlobter hat ihr eben, als sie in den Lift gestiegen war, via Handy mitgeteilt, dass es aus sei. Elvira hat eine Mordswut im Bauch und einen Schwangerschaftsteststreifen in der Handtasche.

Reinhard NOWAK ist …
Gilbert Sedelmaier, ein selbstsicherer, aufgeblasener, arroganter Versicherungsvertreter und Womanizer. Er ist auf dem Weg in den 58. Stock zu einer Schönheitschirurgin, um ihr eine Kunstfehlerhaftungsversicherung anzudrehen. Gilbert hat eine 21-jährige Freundin, der er gerne von seinen Abenteuerurlauben im Amazonasdschungel erzählt. Er kennt keine Angst. Komisch, dass er jetzt schon die längste Zeit zusammengekauert und heulend in der Ecke der Liftkabine sitzt.

Christian CLERICI ist …
Mag. Wolfgang A. Binder, Mittelschulprofessor aus Zwettl für Latein und Musik und auf dem Weg in den letzten Stock, um in einer Musikalienhandlung eine Partitur des Mozartrequiems zu erstehen. Wolfgang ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er führt eine wahre Musterehe. Und in Zwettl wäre man echt empört, wüsste man, dass Wolfgang seit Jahren schon Stammgast in einem Wiener Nobelpuff ist – und vor dem Privatkonkurs steht. Obwohl Wolfgang praktizierender Katholik ist, zweifelt er seit neuestem an einem Weiterleben nach dem Tode.

Theresia HAIGER ist …
Petra Zech-Kralic. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie ist unterwegs zum AMS im 53. Stock und optimistisch: Sie wird einen Job kriegen, weil sie einen kriegen muss. Ihr Mann ist arbeitslos und wäre eine Seele von einem Menschen, würde er weniger saufen. Der fesche Wolfgang dagegen ist strikter Abstinenzler.

PRESSESTIMMEN

„Neurosenfest im Fahrstuhl“
„Tempo und Timing stimmen; die meist irrwitzigen, nur ganz selten platten Gags zünden perfekt. Hinreißend auch die „Vier im Fahrstuhl“: Gerold Rudle, Steffi Paschke, Reinhard Nowak und die (auch stimmlich) überragende Eva Maria Marold haben ganz viel Spaß. Und der überträgt sich mühelos auf das Publikum. Sehr fein.“
Kurier Wien, 05.11.2005, Peter Jarolin

Choreografie der Worte
„Von Anfang an sind die Zuschauer begeistert von den Zwischentönen der Kabarettisten Eva Maria Marold, Steffi Paschke, Reinhard Nowak und Gerold Rudle. Denn sie zeigen, wo überall Skurrilität im schlichten Alltag lauert – wenn man nur hinschaut.
So finden sie immer neue Erklärungen für diverse Lebenskrisen. In exzellenter Sprache, Mimik und Gestik verkörpern sie geheimnisumwitterte Figuren (Musik: Erich Buchebner). Was sich da zwischen diesen klärt – respektive „verunklärt“ –, könnte man den Interpretationsspielraum nennen, der in dieser Choreografie perfekt funktioniert.“
Kronen Zeitung Wien, 08.11.2005, Florian Krenstetter

„Die Besetzung könnte nicht besser gewählt sein: Jeder der Darsteller blüht in seiner Rolle derart auf, dass sich daraus ein herrliches, sich perfekt ergänzendes Zusammenspiel ergibt.
Reinhard Nowak ist die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Endlich einmal weg vom weinerlichen „Påtscherl“ genügt oft nur seine einzigartige Mimik, um die Zuschauer Tränen lachen zu lassen. Dem Gutmenschen mit der Vorliebe für leichte Damen, der eigentlich gerade auf dem Weg zum Suizid war, verleiht Gerold Rudle soviel Symphatie, dass auch Eva Marold schwach wird. Sie hat sicher mit der ärzteromanlesenden, ungebildeten Blondine die dankbarste Rolle. Gekonnt spielt sie ihre weiblichen Reize aus, ohne jedoch peinlich zu berühren. Außer Konkurrenz steht auch die schauspielerische Leistung von Steffi Paschke. Die hinduistisch angehauchte Juristin wurde kurz vor Antritt der verhängnisvollen Fahrt im Lift auf dem Weg zum Kauf der Eheringe von ihrem Verlobten per Handy sitzengelassen.
Im Angesicht des Todes und einzelner Anfälle von Klaustrophobie (nicht Platzangst wohlgemerkt) eskaliert die Situation, aus der keiner der Personen entfliehen kann und gezwungen ist, sich mit seinem eigenen sowie dem Schicksal der Leidgenossen zu beschäftigen. Gespickt mit musikalischen Gesangseinlagen, die Reinhard Nowak das Äußerste abverlangen, vergeht die Vorstellung wie im Flug. Eine Komödie, die einen entspannt zurücklehnen und aufs herzhafteste lachen lässt.
Einziger kleiner Minuspunkt ist der etwas zu kitschig geratene Schluss, der aber durch die geniale Zugabe sofort ausgemerzt wird.
Alles in allem wahrlich eine Strapaze für die Lachmuskeln!“
kabarett.at, 04.11.2005, Birgit Kruta

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