ARGEkultur Logo
ARGEkultur Logo

Drahdiwaberl & Sextiger

anarchisch, schrill, grell, laut, geschmacklos, obszön, amüsant und politisch selten "korrekt"

Gastveranstaltung

Im Mai 1969 von Stefan Weber gegründet. Sein Ziel: Drahdiwaberl muß die wildeste und extremste Band in Österreich werden.
Der dreckige Schweinerock war nie so wichtig wie die Show – und die bestand damals im wesentlichen aus dem Zertrümmern von Mikrofonständern etc.

Wenn man überhaupt von einem Underground in Wien sprechen kann, dann waren Drahdiwaberl sicher die erste Undergroundkapelle Österreichs, und wegen ihrer politischen Unkorrektheit bei den Hippiefestivals von den Veranstaltern nicht allzu gern gesehen, vom Publikum aber schon.
Anfang der 70er wurde die Show um Tänzer, Stripperinnen und Wiener Originale erweitert – „säuische Radikalinskis, perverse Aktionisten“ schrieben Journalisten und die Wurzeln lagen auch im Wiener Aktionismus eines Mühl, Brus und Nitsch etc.
Weber erkannte, dass man das Publikum ständig mit unerwarteten Dingen überraschen muss – so wurden zum Beispiel am Anfang einer Show Palatschinken (Pfannkuchen) gebacken. Das Publikum war total verstört: Statt Rockmusik eine Backstunde – die Palatschinken wurden verteilt, die folgende Materialschlacht war unvermeidlich.
Mit dem Punk kamen neue Gesichter, darunter ein Bassist names Falco. Nach 10 Jahren Bestehen hatte die Band bereits Kultstatus erreicht.

1979/80 – der Punk-Sampler „Wiener Blutrausch“ mit Drahdiwaberl als Hauptgruppe bewirkte einen Kreativitätsschub in Österreichs Rock- und Punkszene – viele neue Gruppen entstanden mit Drahdiwaberl als Vorreiter, aber auch als Außenseiter, weil sich die Gruppe nie in gängige Klischees pressen ließ.
1981 – „Psychoterror“ erhielt eigentlich verkaufsmäßig Gold – es wurde aber nie zelebriert (wozu auch). Mit der Nummer „Ganz Wien“ machte Falco auf sich aufmerksam, und mit der Single „Der Kommissar“ wurde er im deutschen Raum ein Star. Er verließ die Gruppe 1982.
1982 – „Mc Ronalds Massaker“ – Mc Donalds war klug genug, keine Anzeige zu erstatten.
1983 – „Werwolfromantik“ – die neue Naziszene wurde immer aktiver.
1984 – „Wer hat hier Pfui geschrien“ – Live Doppelalbum.
1986 – „Jeannie's Rache“ – Webers humoristische Abrechnung mit Falco („Jeannie“).
1982 – mit der Single „Lonely“ (mit „Kottan“ Lukas Resetarits) passierte peinlicherweise eine Nummer 1 in Österreich – Weber tat alles um diesen „Makel“ wieder auszumerzen.
1982/83 gab es zwei Österreich-Tourneen und eine Deutschlandtournee – alle ein großer Erfolg, volle Sääle, nur die Plattenverkäufe stagnierten. In München wurde dreimal gespielt (1981/82/83) – jedesmal in der Alabama Halle, das 83er Konzert wurde im Bayrischen Rundfunk („Rock aus dem Alabama“) ausgestrahlt.
1985 gab es wieder einen Skandal als Drahdiwaberl bei Alfred Biolek auftraten und die Show zur Überraschung des Showmasters etwas „erweiterten“ („Mulatschag“). Falco war inzwischen ein Weltstar, neue Leute wie das Wiener Original Jazz Gitti waren dabei.
Irgendwann war der Saft draußen und 1989 gab Weber sein „letztes Konzert“. Mit der LP „Reif für den Peppi – 20 Jahre sind genug“ beendete die Band ihre Aktivitäten – doch dann passierte New York: beim New Music Seminar Festival durfte Drahdiwaberl Österreich vertreten. Es war ein kleiner Triumph, aber mit 30 Personen (die meisten berufstätig) auf der Bühne unfinanzierbar. Stefan Weber hatte wieder Blut geleckt – es musste wieder weitergehen.
1993 wäre fast London passiert, wenn nicht der Manager des Astoria die Gruppe nach dem Soundcheck auf die Straße gesetzt hätte. Die Drahdiwaberl spielten darauf ihren Set in vollen Kostümen auf der Oxford Street.
1994 – CD „Sperminator“ – und weiter gings in neuer Frische. Konzerte vor 20.000 Leuten in Wien, Rockfestivals bei denen die US-Superstars nur mehr den Fotoapparat mit zittrigen Händen betätigen konnten, weil niemand daheim glauben könne, was sich bei der Show abspielt.
1999 – „Torte statt Worte“ CD erscheint – die totale Härte, sehr Rammstein-lastig von der Musik her – Drahdiwaberl werden vom Rundfunk weiter ignoriert und fürs TV waren sie sowieso ungeeignet – aber bei den Demonstranten wurden „Torte statt Worte“ und „Supersheriff“ zur Hymne.
2004 – Nach einer Österreich-Tournee spielen Drahdiwaberl am 1.Mai und am 26.Juni jeweils vor über 20.000 Leuten in Wien und stellen ihre neue CD „Sitzpinkler“ vor. Hart wie die „Torte“ aber mit witzigeren Texten, ein neuer Meilenstein in der 35 jährigen Karriere.
Drahdiwaberl ist nicht mehr Kult, Drahdiwaberl ist bereits jetzt Legende, und Weber hat sein Ziel die extremste, geschmackloseste, schockierenste Band der Welt (nicht nur Österreichs) zu sein erreicht – oder kennen Sie eine wildere?

Demnächst